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Grundschulkinder lernen Demokratie aktiv zu gestalten

 Thu-An, Hannah, Lukas und Marius diskutieren im Klassenrat über Probleme und Lösungsmöglichkeiten für einen besseren Untericht. TV-Foto: Christoph Strouvelle
Thu-An, Hannah, Lukas und Marius diskutieren im Klassenrat über Probleme und Lösungsmöglichkeiten für einen besseren Untericht. TV-Foto: Christoph Strouvelle
Morbach/Traben-Trarbach. Kinder der Grundschulen Morbach und Traben-Trarbach entscheiden stärker als bisher über schulische Dinge mit. Sie stellen selbst Regeln auf und lernen, wie Demokratie funktioniert. Partizipation und Demokratie nennt sich das Projekt, für das die Einrichtungen in Traben-Trarbach und Morbach Modellschulen sind. Christoph Strouvelle

Morbach/Traben-Trarbach. Aufmerksam sitzen die Kinder der 3b der Morbacher Grundschule mit ihrer Klassenlehrerin Kristine Schmitz im Kreis. Hannah leitet den Klassenrat, der sich heute mit den Hausaufgaben beschäftigt. Sie ruft die Schüler der Reihe nach auf. Einer hat die Hausaufgaben nicht geschafft, weil es für ihn zu viel war.
Der Vorschlag von Schmitz, donnerstags weniger aufzugeben, wenn die Kinder morgens besser mitarbeiten, findet wenig Gegenliebe. Stattdessen stimmen die Schüler dafür, dass sie die Hausaufgaben von Donnerstag erst am Montag vorzeigen müssen. Dann können sie selbst entscheiden, ob sie diese sofort oder erst am Wochenende machen.
Der Klassenrat ist ein Bestandteil des Projektes Modellschule für Partizipation und Demokratie. An diesem Projekt, das vorläufig für zwei Jahre angesetzt ist, nehmen aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich die Grundschulen Morbach und Traben-Trarbach teil. Dabei sollen die Kinder stärker in Entscheidungen an ihrer Schule eingebunden werden. Dazu haben die beiden Grundschulen in jeder Klasse einen Klassenrat eingerichtet, der einmal pro Woche tagt und bei dem der Klassenlehrer wie jeder Schüler eine Stimme hat.
Dabei werden Themen besprochen wie: Wie gestalten wir den Klassenraum? Wohin geht der nächste Ausflug? "Die Kinder haben so das Recht mitzuentscheiden und lernen dabei, wie Demokratie funktioniert", sagt die Morbacher Schulleiterin Frauke Lörsch.
Qualitativ gute Beiträge


Dazu stellen die Schüler ihre eigenen Regeln auf, um Konflikte zu lösen und zu vermeiden. "Alle sollen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten helfen", sagt Lörsch. Doch gehe es um mehr als um reine Konfliktlösung. Lörsch: "Es geht um den Umgang der Schüler mit sich selber und mit den Lehrern."
In Traben-Trarbach war eine Konsequenz aus den Klassenräten, ein Schülerparlament einzurichten. Dem Gremium gehören zwei Schüler aus jeder Klasse an. Es hat bereits erste Entscheidungen getroffen. So hat es laut Schulleiter Wolfgang Hill Vorschläge aus den Klassenräten gesammelt und für eine Kletterpyramide auf dem Schulhof gestimmt. Zudem wird sich das Parlament auf Anregung eines Klassenrats mit dem Thema Schmutz auf den Toiletten beschäftigen. Hill: "Ein Klassenrat hat erkannt, dass man dieses Problem als einzelne Klasse nicht regeln kann." Die Kinder werden sich zudem bald mit der Internetseite der Schule beschäftigen.
Sowohl in der Moselstadt als auch in Morbach beobachten die Schulleiter, wie die soziale Kompetenz der Schüler durch die Mitverantwortung wächst. Regeln würden besser eingehalten, weil die Kinder sie selbst aufstellen und beschließen, sagt Lörsch. "Es ist erstaunlich, welch zielgerichtete Beiträge schon von den Kindern im ersten Schuljahr kommen", sagt Hill.
Die Schüler der Morbacher 3b sind offensichtlich Feuer und Flamme für den Klassenrat. "Das ist gut, weil man da seine Meinung sagen kann", sagt Hannah. "Man kann über Sachen reden, die einen stören und die man anders haben will", sagt Fabian. "Man kann Dinge lösen, wenn einer motzt und das den anderen nicht gefällt", sagt Julius.
Für Dagmar Barzen, die Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, ist das Projekt so wichtig, dass sie es sich selber anschauen möchte. Sie besucht die Traben-Trarbacher Schule am Donnerstag, 7. März.
Extra

Fünf Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Einführung von Pausenhelfern Streitschlichtung unter Schülern etablieren Konstruktive Kritik als Feedback-Kultur Etablierung eines Klassenrats Etablierung eines Sozialkompetenztrainings cstExtra

Im Dezember 2007 beschloss das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur ein landesweites Transferprogramm "Demokratie lernen und leben" in Rheinland-Pfalz auf den Weg zu bringen. Ziel des Programms ist, die Erfahrungen und Ergebnisse der Bundes- und Landesprogramme für alle Schulen in Rheinland-Pfalz nutzbar zu machen. Zum zielgerichteten Austausch wurde eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die beim Pädagogischen Zentrum Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach angesiedelt ist. Die Koordinierungsstelle leitet eine Projektgruppe aus wichtigen Multiplikatoren und Partnern, die das Land beim Transfer und bei der Umsetzung der Ergbenisse unterstützen. Im Herbst 2008 wurden in Zusammenarbeit mit der Serviceagentur "Ganztägig lernen" in RLP vier regionale Netzwerke von Modellschulen aufgebaut. In den Regionen Nord, Mitte, West und Süd tauschen sich seitdem Schulen aus, unterstützen sich bei Projekten und der demokratischen Schulentwicklung. Außerdem bieten sie anderen Schulen Gelegenheit zur Hospitation und führen Fortbildungen zu Themenschwerpunkten durch. red