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Natur
Waldarbeiter aus dem Reich der Mitte

Yuehong Sui (links) und Sijing Shung entfernen Nägel aus Zaunlatten eines nicht mehr benötigten Wildschutzzaunes, die Klaus Schatz (hinten Mitte) und Matthias Biber aus dem Wald zum Weg gebracht haben
Yuehong Sui (links) und Sijing Shung entfernen Nägel aus Zaunlatten eines nicht mehr benötigten Wildschutzzaunes, die Klaus Schatz (hinten Mitte) und Matthias Biber aus dem Wald zum Weg gebracht haben FOTO: Christoph Strouvelle
Haag. Bei Haag pflegen freiwillige Helfer ehemalige Niederwaldflächen, um seltenen lichtliebenden Arten Lebensraum zu schaffen. Mit dabei sind auch chinesische Studenten. Von Christoph Strouvelle

Etwas außer Atem kommt Hao Zhong der Revierförsterin Helena Stein entgegen. „Und? Ist es anstrengend?“ Die Chinesin nickt mit dem Kopf. „Ja, etwas“, sagt sie. Kein Wunder: Gerade hat sie gemeinsam mit einer Landsfrau die neu ausschlagenden Triebe der Buchen auf einem gerodeten Stück von der Höhe bei Haag zur Dhron hinunter mit einer Flüssigkeit versehen, die das Wild davon abhalten soll, die wenigen Zentimeter hohen frischen Triebe zu fressen. Denn dort soll als ökologische Maßnahme ein Niederwald wieder aufgebaut werden. Dabei handelt es sich um eine traditionelle Art der Waldbewirtschaftung, sagt Stein. „Früher haben die Menschen die Bäume etwa alle 25 Jahre abgeschlagen. Aus den Stümpfen sind dann neue Triebe gewachsen, die nach dieser Zeit die richtige Dicke für Brennholz entwickeln“, erklärt sie. Heute ist es jedoch eine ökologische Maßnahme.

Die beiden Chinesinnen arbeiten wie weitere 25 Freiwillige aus Naturschutzgründen im Haager Forst. Umgeben von schattigen Standorten entsteht mit Hilfe der Helfer von Bergwaldprojekt e.V. ein neuer Niederwald, der seltenen Tierarten wie dem Haselhuhn Nahrung und Deckung gibt. Vier chinesische Studenten befinden sich in der Gruppe der 14 Freiwilligen, die in der ersten Woche bei der Aufforstung des Niederwaldes mitarbeiten und bei weiteren Arbeiten mit anpacken, wie dem Entfernen nicht mehr benötigter Wildschutzzäune oder dem Freilegen von Felsformationen. Zhong promoviert derzeit auf der Kölner Universität in Jura Römisches Recht. Was animiert die Ostasiatin, bei der Aufforstung des deutschen Waldes mitzuhelfen? Sie habe im Studentenverein dieses Angebot entdeckt. „Es ist für die Natur und daher sinnvoll“, sagt sie. Zudem könne sie Deutschland von einer anderen Seite her erleben und so besser kennenlernen, sagt sie. Ohne die Freiwilligen könnten solche Arbeiten wie die Herstellung der Niederwälder nicht umgesetzt werden, sagt Revierleiter Guido Haag. „Die Arbeit an den steilen Hängen erfordert viele helfende Hände“, sagt er.