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Heidi Brandenburg stammt aus Bernkastel-Kues, lebt in Washington und dreht Dokumentarfilm über den Regenwald

Am Amazonas, der Heimat der Indios, sind viele Landstriche durch die Erdölindustrie zerstört worden. Fotos (3): privat
Am Amazonas, der Heimat der Indios, sind viele Landstriche durch die Erdölindustrie zerstört worden. Fotos (3): privat FOTO: (m_mo )
Bernkastel-Kues/Washington DC. Eigentlich sollte es nur eine Reportage für die Universität werden, aber dann wurde fast ein Spielfilm daraus: Heidi Brandenburg aus Bernkastel-Kues hat in Peru die Auseinandersetzungen um Ölbohrungen im Indianergebiet dokumentiert. In diesem Jahr ist sie mit ihrem Film "When two worlds collide" beim renommierten Sundance-Filmfestival in den USA dabei. Hans-Peter Linz

Bernkastel-Kues/Washington D.C. "Wenn zwei Welten aufeinander prallen - When two worlds collide" - das ist der Titel eines Dokumentarfilms, den Heidi Brandenburg in Peru gedreht hat. Dass der Titel am Ende so lauten wird - und dass sie während der Dreharbeiten in ein Feuergefecht zwischen der Polizei und Indios verwickelt wird, daran hätte sie zu Beginn ihrer Arbeit im Traum nicht gedacht. Doch der Reihe nach.
Heidi Brandenburg kommt im Alter von acht Jahren nach Bernkastel-Kues, als ihr Vater von einem langjährigen Einsatz für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in die Heimat zurückkehrt. Er war in Peru und in Paraguay im Einsatz, wo seine Tochter geboren wurde.
In Bernkastel-Kues absolviert die heute 34-Jährige ihre Schulausbildung. Aber die weite Welt lockt sie. "Ich bin mit 18 Jahren als Au Pair in die USA gegangen. Da war das Leben ganz anders und ich habe einen neuen Blickwinkel kennengelernt", sagt sie im Gespräch mit dem TV.
Dort reifte der Entschluss, Dokumentarfilmerin zu werden. "Mich hat es immer fasziniert, wie Menschen in schwierigen Situationen reagieren, wie sie sich verändern. Das ist es doch wert, festgehalten zu werden". Sie geht zurück nach Europa, um das Fach zu studieren und sucht eine Universität. Schließlich wird sie in Großbritannien fündig, wo sie sich an der University of Wales, Newport, einschreibt, ihren Abschluss macht und ein Stipendium erhält.Rückkehr nach Peru


"Dazu gehörte auch ein Businessplan für eine Produktionsfirma und ein Thema", sagt sie. Dabei besinnt sie sich auf ihre Kindheit in Peru. "Dort wurde damals gerade ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der peruanischen Regierung abgeschlossen. Das ermöglichte es der US-Ölindustrie im Amazonasgebiet zu bohren. Wir wollten sehen, wie die dort lebenden Indios damit umgehen". Sie fliegt mit einem Studienkollegen nach Peru: "Wir sind dann in den Regenwald gefahren. Als wir ankamen, sah es furchtbar aus. Lösemittel wurden direkt in den Amazonas geleitet, die Umwelt war verschmutzt. Diese Geschichte wollten wir erzählen." Bei ihren Recherchen trifft sie auf Alberto Pizango, Vorsitzender einer Interessensvertretung der peruanischen Indianerstämme.
"Pizango wurde sozusagen zu unserem Hauptdarsteller", sagt Brandenburg. Pizango gelingt es schließlich, die Ölbohrrechte der USA einzuschränken. Bis dahin wurde er aber auch des Landes verwiesen und inhaftiert. "Es gab Demonstrationen, bei denen die Polizei auf Einheimische geschossen hat. Anschließend wurden wiederum Polizisten von Einheimischen getötet. Bei den Indianerstämmen zählt "Aug' um Aug', Zahn um Zahn"," sagt Brandenburg. Bei Dreharbeiten wird sie letztlich auch in eine Schießerei verwickelt, kann aber unbeschadet mit ihrem Team entkommen. "Wir sind plötzlich Teil des Geschehens geworden, haben alles gefilmt. Ich hätte niemals gedacht, dass es soweit kommen könnte", sagt sie. Brandenburg versteht beide Seiten: "Es war eine Situation, in der keiner gewinnen konnte - weder die Polizisten, noch die Indios". Um das Projekt zu realisieren, musste Brandenburg mit ihrem Ko-Direktor Matthew Orzel und Taira Akbar weitere Sponsoren finden. Dazu zählte das Sundance Festival. "Wir haben uns vier Mal beworben, erst beim vierten Mal hat es geklappt", sagt Brandenburg. Inzwischen ist die Ford Foundation der Hauptsponsor. Was anfänglich mit einem Budget von 30 000 US-Dollar begann, ist zu einer mehrere Hunderttausend Dollar teuren Produktion geworden.
Der Film, der insgesamt 100 Minuten dauert und damit schon annähernd Spielfilmlänge hat, wird seine Premiere beim Sundance Festival feiern. Das Festival beginnt am 31. Januar 2016 in Park City, Utah.
Heidi Brandenburg, die inzwischen in Washington D.C. lebt, hofft darauf, dass auch deutsche Vertriebe auf den Film aufmerksam werden. "Es wäre natürlich schön, wenn der Film auch in Deutschland gezeigt wird. Das hängt aber jetzt davon ab, wie er beim Sundance Festival abschneidet. Vielleicht kommt er dann auch zur Berlinale," hofft sie.Extra

Das Sundance Film Festival findet jährlich in Park City und Salt Lake City, Utah, statt. Es gilt International als wichtige Plattform für unabhängige amerikanische und internationale Produktionen. Seine Premiere hatte es 1978. Es wurde es von dem bekannten Schauspieler Robert Redford mitbegründet und unterstützt. Viele Regisseure verdanken ihm ihren Durchbruch, unter anderem Quentin Tarantino, Marc Foster oder Jim Jarmusch. Benannt wurde das Festival nach der Rolle des "Sundance Kid" im Spielfilm "Zwei Banditen", den Robert Redford spielte. hpl

Bei Demonstrationen kam es zu Schießereien. Eine davon hat Heidi Brandenburg (Foto) miterlebt.
Bei Demonstrationen kam es zu Schießereien. Eine davon hat Heidi Brandenburg (Foto) miterlebt. FOTO: (m_mo )