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Hunsrückbahn: Über Hahn bis nach Morbach?

Hahn/Morbach. Touristisch wird ein Teil der Hunsrückbahnstrecke seit einigen Jahren wieder genutzt. Doch es wird mehr angestrebt. Der Flugplatz Hahn genießt dabei Vorrang. Doch es könnte auch weiter in Richtung Morbach gehen. Thomas Torkler und Clemens Beckmann

Hahn/Morbach. Die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn von Langenlonsheim zum Flughafen Frankfurt-Hahn nimmt (mal wieder) konkretere Formen an. In jüngster Vergangenheit vermieden es Kommunal- und Landespolitiker, sich aus dem Fenster zu lehnen und konkrete Angaben über einen Baubeginn, geschweige denn über eine Wiedereröffnung der Bahnstrecke zu nennen. Nun liegt Landrat Bertram Fleck (Rhein-Hunsrück-Kreis) ein Schreiben aus dem Ministerium in Mainz vor, in dem zumindest für den Beginn der Bauarbeiten wieder ein Zeitraum genannt wird. Lothar Kaufmann, Abteilungsleiter Verkehr und Straße im Infrastrukturministerium, teilte mit, bis 2016 werde ein Baubeginn angestrebt. Der Koalitionsausschuss der Regierungsparteien (SPD/Grüne) habe das Ziel, die Hunsrückbahn zu reaktivieren, bekräftigt. Weiter heißt es in dem Schreiben des Ministeriums: "Die hierfür notwendigen Vorarbeiten werden weiterhin vorangetrieben. Der Erörterungstermin für die Einwendungen für den Planfeststellungsabschnitt 2 (Verbandsgemeinde Kirchberg) ist für den 26. Juni vorgesehen. Der weitere zeitliche Ablauf hängt vor allem von Umfang und Inhalt möglicher Einwendungen ab."Vertrag mit der Bahn ist nötig


Die Planfeststellungsunterlagen für den Abschnitt 1 (Verbandsgemeinden Langenlonsheim, Stromberg, Rheinböllen und Simmern) sind danach fertiggestellt. Nach Prüfung und Freigabe der Unterlagen durch das Eisenbahn-Bundesamt sei die Offenlage durch den Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (Anhörungsbehörde im Planfeststellungsverfahren) bis Ende des Jahres realistisch. Auch hier sei der zeitliche Ablauf von der Art und vom Umfang der Einwendungen abhängig. Nach Vorliegen der Planfeststellungsbeschlüsse für beide Abschnitte ist der Realisierungs- und Finanzierungsvertrag mit der Deutschen Bahn AG zu schließen. Erst nach Abschluss dieses Vertrages kann mit der Vorbereitung der Arbeiten (Planung, Vergabe der Bauleistungen) begonnen werden.
Landrat Fleck dazu: "Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen kontrollieren, damit den Worten auch die Taten folgen und für die betroffenen Anliegergemeinden Planungssicherheit besteht."
Ursprünglich bestand der Plan, die Strecke in Richtung Morbach/Thalfang/Hermeskeil weiterzuführen. Dort verkehren in der Saison zwar an Wochenenden Triebwagen, doch sie dienen ausschließlich der touristischen Nutzung. In der Vergangenheit wurde daran gedacht, wieder den Güterverkehr zu aktivieren, zum Beispiel für die Holzindustrie. Vom zuständigen Mainzer Ministerium (Inneres, Sport, Infrastruktur) kommt auf die entsprechende Frage nur eine kurze Antwort. "Die Strecke von Büchenbeuren über Morbach nach Hermeskeil wurde in der Koalition in diesem Zusammenhang ebenfalls thematisiert. Ein abschließendes Vorgehen ist allerdings noch nicht festgelegt worden", sagt Ministeriumssprecher Joachim Winkler.
"Das wäre eine wichtige infrastrukturelle Maßnahme. Der Schwerpunkt auf die Schiene ist wichtig", sagt der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal. Das Land sei aber in der Pflicht. Die Kommunen am Streckenrand könnten nicht als Geldgeber, zum Beispiel für die Unterhaltungskosten, herangezogen werden. Vor einigen Jahren war über einen Ankauf der Gleisanlagen mit Hilfe der Kommunen diskutiert worden. Die Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde hatte den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg 2010 untersagt, sich an den Kosten zu beteiligen (der TV berichtete).Extra

Die Geschichte der Hunsrückbahn beginnt 1889 und ist von Hochs und Tiefs begleitet. Die Strecke führt zuerst nur von Langenlonsheim (Nahe) bis nach Simmern. Ende 1903 reicht sie dann bis nach Hermeskeil. Die Personenbeförderung wird zwischen 1976 und 1984 eingestellt. Leben kommt erst wieder an die Bahnstrecke, als das Bundesverfassungsgericht 2007 die Bahn per Urteil auffordert, die Strecke zwischen Langenlonsheim und Morbach wieder befahrbar zu machen. Noch im gleichen Jahr schreibt die Bahn den Abschnitt zwischen Büchen beuren und Morbach aus - zum Verkauf oder zur Stilllegung. Laut eines Gutachtens aus dem Jahr 2008 belaufen sich die Kosten für den Erhalt der Strecke Büchenbeuren-Morbach-Thalfang-Hermeskeil auf drei Millionen Euro. Am 1. September 2008 pachtet die Hochwaldbahn-Gruppe die Strecke zwischen Morbach und Hermeskeil. 2012 beantragt das Unternehmen die Insolvenz. Das touristische Angebot wird aber weitergeführt. cb