| 11:20 Uhr

Geschichte
Hunsrücker Architekt konstruiert 500 Fabriken in der Sowjetunion

 Repro: Markus Philipps
Repro: Markus Philipps FOTO: TV-Repro: Markus Philipps
Rhaunen/Detroit. Vor 150 Jahren wurde Albert Kahn in Rhaunen geboren. Er hinterließ Spuren auf mehreren Kontinenten. Eine multimediale Ausstellung würdigt jetzt  das Lebenswerk des bekannten Baumeisters. Von Markus Philipps

In wenigen Tagen jährt sich der Geburtstag des deutschen Auswanderers Albert Kahn, einem der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten der Moderne, zum 150. Mal. Der angesehene US-Amerikaner kam am 21. März 1869 als erster Sohn des Ehepaars Joseph und Rosalie Kahn in Rhaunen, ehemaliger Landkreis Bernkastel, auf die Welt (der TV berichtete am 21. Januar 2015). Sein noch heute erhaltenes Geburtshaus in der Schustergasse zeugt von den einfachen Verhältnissen, in denen die jüdische Familie einst lebte. Die Schulzeit verbrachte der gebürtige Hunsrücker in Münstereifel und Echternach in Luxemburg.

Im Jahr 1880 wanderte Kahn in die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) aus. Dort startete er seine berufliche Karriere mit einer Lehre als Bauzeichner. Nach einer einjährigen Studienreise durch Europa erhielt er eine Anstellung als „Chief Designer“ beim namhaften Detroiter Architekturbüro Mason and Rice.

1895 gründet er die eigene Firma „Albert Kahn Associates“, Detroit (Michigan). An dem bis heute bestehenden Unternehmen waren seinerzeit auch Kahns Brüder Julius, Moritz und Louis beteiligt.

Zu ihren wichtigsten Planungsprojekten zählen die für den Automobilpionier Henry Ford errichteten Fabriken „Highland Park“ und „Rouge Plant“. Dort wurde unter anderem der legendäre Ford „Model T“ in einer Auflage von mehr als  15 Millionen Stück am Fließband hergestellt.

Die innovative Stahlbeton-Bauweise der riesigen Fertigungsanlagen war wegweisend für die zukünftige Entwicklung der amerikanischen und europäischen Industriearchitektur. Neben Fabrikgebäuden plante das weltweit tätige Büro eine Vielzahl von Verwaltungsbauten, Krankenhäusern, Kirchen, Schulen, Bibliotheken, Banken und Wohnhäusern.

Zu Lebzeiten Albert Kahns wurden etwa 2000 Bauprojekte an seinen Reißbrettern entwickelt. Zu den historischen Entwürfen gehört auch das stilvolle Gemeindehaus der vom gebürtigen Moselaner George Osius gegründeten Detroiter Vorstadt „Grosse Pointe Shores“. Dort schuf Kahn zudem herrschaftliche Villen für die Autobarone Edsel Ford und Howard E. Coffin.

Doch Kahn wirkte nicht nur in den USA: Im Rahmen des ersten Fünf-Jahres-Planes der Sowjetunion konstruierte der amerikanische Baumeister zwischen 1929 und 1932 mehr als 500 Großfabriken und schuf damit nahezu die gesamte industrielle Basis des Landes. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Kahns Büro insbesondere im Auftrag der US-Regierung und plante den Bau von Rüstungsbetrieben und Marinestützpunkten.

Am 8. Dezember 1942 starb Albert Kahn im Alter von 73 Jahren in seiner Wahlheimat Detroit.

Zu Ehren des erfolgreichen Architekten wurde im Jahr 2018 eine Wanderausstellung ins Leben gerufen, die das Leben und Gesamtwerk des Deutsch-Amerikaners würdigt. An der wissenschaftlichen Aufbereitung und Konzeption des Projektes waren die Professoren Jürgen Reichardt und Thorsten Bürklin von der Schule für Architektur in Münster, Prof. Dr. Claire Zimmermann von der Universität Michigan sowie der Filmregisseur Dieter Marcello beteiligt.

Die multimediale Ausstellung wird ab dem 18. März 2019 im Gemeindehaus Rhaunen, Kreis Birkenfeld,  erneut der Öffentlichkeit präsentiert. Darüber hinaus steht eine mit informativen Texten, Bildern und Videofilmen ausgestatte Website zur Ausstellung im Internet zur Verfügung unter www.albertkahnarchitect.com

 Der berühmte Industriearchitekt Albert Kahn kam im März 1869 zur Welt. In diesen Tagen wird sein 150. Geburtstag begangen. Er wurde  in Rhaunen (roter Kreis) geboren. 
Der berühmte Industriearchitekt Albert Kahn kam im März 1869 zur Welt. In diesen Tagen wird sein 150. Geburtstag begangen. Er wurde  in Rhaunen (roter Kreis) geboren.  FOTO: TV-Repro: Markus Philipps
FOTO: TV-Repro: Markus Philipps
 Repro: Markus Philipps
Repro: Markus Philipps FOTO: TV-Repro: Markus Philipps