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Morbach/Trier
Hunsrücker steht wegen 136 Kilogramm Haschisch vor Gericht

FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Hunsrück/Trier . Ein Hunsrücker und ein Franzose müssen sich vor dem Landgericht Trier wegen Drogengeschäften im großen Stil verantworten. Ihre Verbindung ist eher zufällig, aber gefährlich. Von Christian Thome

Ein Kombi mit französischem Kennzeichen steht auf einem Parkplatz in einem Wohngebiet in Hoppstädten-Weiersbach. Er hupt zweimal. Wenige Sekunden später erscheint ein junger Mann. Er setzt sich zu ihm. Die beiden fahren zusammen zu einem etwa zehn Kilometer entfernten Parkplatz, wo ein zweites Auto bereitsteht. Sie öffenen ihre Kofferräume, laden eine Sporttasche und eine Plastiktüte in das andere Auto. Der Inhalt: 36 Kilogramm Haschisch mit einem Wert von umdie 100 00 Euro. Doch sie sind nicht alleine auf dem Parkpklatz, werden von Polizeibeamten gestellt.

Die beiden kennen sich nicht, es ist die erste Begegnung des 29-jährigen aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich und dem 48-jährigen Franzosen. Die zweite findet am Montag vor dem Landgericht Trier statt. Dort müssen sich die beiden verantworten. Dem 29-Jährigen wirft die Anklage vor, zwischen 2012 und dem Tag der Festnahme im März diesen Jahres 136 Kilogramm Haschisch bezogen zu haben.  

Der bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getretene Angeklagte soll die Betäubungsmittel über einen gesondert angeklagten 64-Jährigen erworben haben. Er selbst schweigt, über den gesamten Prozess senkt er sein Haupt und schaut reumütig. Nur ab und an wandert sein Blick auf die Zuschauerreihen, in denen seine gesamte Familie platzgenommen hat. Verteidiger Yücel Arslan aus Kreuzau trägt eine vorbereitete Stellungnahme vor.

Von Verstecken keine Spur, die Verteidigung legt die Karten auf den Tisch: „Mein Mandant möchte Verantwortung für seine Taten übernehmen“, sagt Arslan. Der Angeklagte habe durch die Drogengeschäfte seine kurz vorher angemeldete Selbstständigkeit finanzieren wollen. 22 000 Euro habe er verdient, zwischen 20 und dreißig Cent pro Gramm. Der letzte Deal sollte noch einmal 8000 Euro einbringen. Ausgang bekannt.

Der Mitangeklagte Franzose spricht selbst. Er liest eine Stellungnahme in seiner Muttersprache vor. Von schwerer Kindheit über das Aufwachsen bei den Großeltern, das Vermissen seiner Tochter und Depression bis hin zu Lungenkrebs – während des Vorlesens hat er Tränen in den Augen. Auch er ist geständig, versucht seine Taten zu erklären.

Nachdem seine Mutter gestorben war, rutschte er in eine Depression und fand Zuflucht bei seinem Onkel, der sich um ihn kümmerte. „Ihr Tod hat eine Wunde hinterlassen, die nie wieder weggegangen ist.“ Scheinbar aus gutem Willen. Scheinbar, denn als Gegenleistung erwartete der Onkel einen Gefallen von seinem Neffen. Und so wurde er zum ersten Mal zum Kurier. Es folgt eine weitere Fahrt, die dritte endet in Hoppstädten-Weiersbach. An diesem Punkt wird die Verbindung der beiden Angeklagten deutlich. Der scheinbar gutmütige Onkel ist gleichzeitig der 64-jährige Geschäftspartner des ersten Angeklagten. Beide Angeklagte sehen ihre Fehler ein, wollen diesen Lebensabschnitt scheinbar einfach nur hinter sich lassen.

Zumindest werden die beiden schon sehr bald wissen, welche Strafen sie erwartet: Das Gericht hat die Urteilsverkündung für den 27. September angesetzt.