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Toruismus
Hundeland Hun(d)sbuckel

Die Tourismus-Experten Julia Bisdorf (links), Daniel Thiel und Sandra Wenz präsentieren die neue Erlebniskarte „Urlaub mit Hund“.
Die Tourismus-Experten Julia Bisdorf (links), Daniel Thiel und Sandra Wenz präsentieren die neue Erlebniskarte „Urlaub mit Hund“. FOTO: Clemens Beckmann / TV
Hermeskeil/Thalfang/Birkenfeld. Neue Attraktion: Die Unternehmensberaterin Dagmar Pilzecker will im Juni in Thalfang ein 15 000 Quadratmeter großes Areal für Vierbeiner eröffnen. Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Es ist liebevoll gemeint, wenn die Moselaner die rechts des Flusses liegenden Hügellandschaft „Hunsbuckel“ nennen. Ist das aber orthografisch überhaupt richtig? Heißt es nicht  „Hundsbuckel“?

Wer googelt, findet beide Schreibweisen. Die mit dem Tierbezug wird vielleicht bald auch die gängige sein, weil sie werbewirksam ist. Denn die Touristinformationen Thalfang, Hermeskeil und Birkefeld wollen den Hunsrück, wie bereits kurz berichtet, zu einem Urlaubs- und Erholungsgebiet für Hunde machen. Die Erlebniskarte mit dem Titel „Wuff! Freizeit im Hun(d)srück“ ist bereits auf dem Markt.

Sie habe bei Messen erste Abnehmer gefunden, berichtet Julia Bisdorf, die neue Leiterin der Tourist­information Hermeskeil. In der Karte wird aufgelistet, welche Unterkünfte es in der Region für Leute mit Hund gibt, und welche Angebote genutzt werden können.

Das Projekt ist ein Ergebnis der verstärkten Zusammenarbeit der drei Touristinformationen. Diese interkommunale Verbindung wird Anfang Mai im Hunsrückhaus am Erbeskopf auch offiziell manifestiert. „Dadurch wird die projekt- und themenbezogene Zusammenarbeit gefördert“, sagt Daniel Thiel, Leiter der Touristinformation Thalfang. „Die Strukturen werden gebündelt“, ergänzt seine Birkenfelder Kollegin Sandra Wenz.

Das Projekt mit und um den Hund klingt auf den ersten Blick nicht spektakulär, auch wenn die Erlebniskarte attraktiv und anschaulich gestaltet ist. Es mache aber durch den neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald und den Bezug zur Natur viel Sinn, sagen die drei Touristikfachleute.

Spektakulär wird das Projekt aber, wenn Dagmar Pilzecker aus Thalfang ins Spiel kommt. Die Unternehmensberaterin hat zweifellos die tragende Rolle.

Sie will in einem ersten Schritt auf einem 15 000 Quadratmeter großen Gelände ein Hundeland mit Spiel- und Trainingsplätzen, einem Freibad, einer Waschstraße und anderem mehr einrichten. Angeboten werden sollen dort unter anderem Dogdance, Dogfrisbee, Krimi- und Fotowanderungen, Akkupressur, Gymnastik, Ernährungsberatung und vieles mehr.

All das für Hunde? Das klingt verrückt. Und Dagmar Pilzecker hat nach eigenem Bekunden auch Gegenwind für ihre „schrillen Ideen“ bekommen. Banken hätten die Finanzierung abgelehnt, erzählt sie offen.

Immerhin kann sie mit einer Förderung aus dem Topf der Lokalen Arbeitsgruppe (LAG) Erbeskopf rechnen. 80 000 Euro aus Mitteln von Land und EU stehen dabei für sie im Raum. Etwa 500 000 Euro sind für den ersten Bauabschnitt eingeplant. Pilzecker will all das investieren, was sie auf der hohen Kante hat, einschließlich der Altersversorgung.

Die 55-Jährige, selbst Besitzerin von vier Hunden, hat aber keine Zweifel, dass ihr Projekt laufen wird. Sie beschäftige sich schon lange mit Hunden – auch in ihrem Beruf haben sie darauf einen Schwerpunkt gesetzt. „Und seit vier Jahren bin ich an dem Projekt in Thalfang dran“, sagt die gebürtige Triererin. „Es gibt weniger Kinder und mehr Hunde“, erzählt sie, „und für viele Leute ist der Hund ein sozialer Partner.“

Eine Baugenehmigung habe sie allerdings noch nicht. „Ich warte jeden Tag darauf“, sagt sie. Die Bauvoranfrage sei positiv beschieden worden. Schon im Juni will sie das Hundeland eröffnen. Die drei Schwimmbecken, jedes drei mal elf Meter groß, sind bereits auf dem Gelände.

Eine Stunde Schwimmen an der Leine von Herrchen oder Frauchen werde 13 Euro kosten, ein Besuch in der Waschstraße vier Euro und die Nutzung des Trainingsgeländes 6,50 Euro. Natürlich werde es, wie im Fitnessstudio, ein Abo für die unbegrenzte Nutzung geben.

Dagmar Pilzecker hat weitere Pläne. 2020 soll eine zweistöckige Multifunktionshalle auf dem Gelände stehen. In ihr sollen unter anderem ein Hunde-Hallenbad, Seminarräume, ein Bistro und ein Shop Platz finden. Kostenpunkt: etwa eine Million Euro.

 Pilzecker plant auch ihre Räume Leuten zur Verfügung zu stellen, die professionell mit Tieren zu tun haben: Ärzte, Therapeuten, Trainer und Heilpraktiker.

Dagmar Pilzecker auf dem Gelände, das sie zur Wohlfühloase für Hunde machen will.
Dagmar Pilzecker auf dem Gelände, das sie zur Wohlfühloase für Hunde machen will. FOTO: klaus kimmling / Klaus Kimmling