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Kinofans treffen sich bald im "Café Heimat"

Schabbach war der fiktive Hunsrück-Ort, in dem "Heimat" spielte. Filmrequisiten wie dieses Schild sind möglicherweise bald in Morbach zu sehen. TV-Foto: Archiv/Ilse Rosenschild
Schabbach war der fiktive Hunsrück-Ort, in dem "Heimat" spielte. Filmrequisiten wie dieses Schild sind möglicherweise bald in Morbach zu sehen. TV-Foto: Archiv/Ilse Rosenschild
Das ehemalige Uhrengeschäft Reitz steht seit geraumer Zeit leer. Nach Plänen der Gemeinde Morbach soll im Elternhaus des Filmemachers Edgar Reitz ein Café entstehen. Die Absicht der Gemeinde Morbach ist es, an den berühmtesten Sohn der Gemeinde zu erinnern. Von unserer Redakteurin Ilse Rosenschild Von Ilse Rosenschild

Morbach. Gemütlich in Sichtweite des Ortsschilds von Schabbach, des fiktiven Filmdorfes, oder des Regiestuhls von Edgar Reitz ein Stück Kuchen essen - das ist eventuell bereits im kommenden Jahr im Elternhaus des erfolgreichen Filmemachers in Morbach möglich.

Nach dem Tod von Guido Reitz, dem Bruder von Edgar Reitz, hatte nach Angaben von Morbachs Bürgermeister Gregor Eibes Reitz selbst den Kontakt gesucht und mit dem Gemeindechef über eine neue Nutzung des Gebäudes in der Biergasse 5 nachgedacht. Guido Reitz hatte zuvor dort ein Uhrengeschäft betrieben.

Geplant ist die Einrichtung eines kleines Cafés im Erdgeschoss. Der Arbeitstitel lautet "Café Heimat". Ein paar Tische und Stühle können in der Biergasse stehen. Eibes hofft, dass der Filmemacher die eine oder andere Filmrequisite zur Verfügung stellt.

Kooperation mit dem Günterodehaus



Im zweiten Obergeschoss sind Filmvorführungen denkbar. Auch eine Leseecke ist vorgesehen. Die Grundphilosophie sei es, in enger Abstimmung mit Edgar Reitz und seiner Filmstiftung in dessen Geburtsort Morbach sein filmisches Schaffen zu dokumentieren. Der 72-Jährige habe zudem in Aussicht gestellt, "in gewisser Regelmäßigkeit" Lesungen zu veranstalten. Eibes ist die Haltung von Reitz wichtig. Ohne dessen Unterstützung macht seiner Meinung nach ein solches Projekt wenig Sinn. Der Regisseur denke daran, das Gebäude an die Edgar-Reitz-Filmstiftung zu übertragen. Die Gemeinde könne das Haus zu einem symbolischen Preis pachten, müsse allerdings die Investitionskosten übernehmen.

Der Morbacher Gemeindechef erhofft sich finanzielle Unterstützung von der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz, die auch die Restaurierung des Reitz-Frühwerks "Reise nach Wien" unterstützt hatte.

In Sachen Café-Ausstattung will sich Eibes Rat von den Verantwortlichen des Günderodehauses in Oberwesel holen. Das Haus war Schauplatz von "Heimat 3" und beherbergt heute ein Filmhaus mit Gaststube. Auch eine Kooperation mit dieser Einrichtung ist angedacht. Der Morbacher Gemeinderat hat dem Projekt grundsätzlich bereits zugestimmt.

Reitz selbst will sich gegenüber dem TV derzeit nicht zu dem Projekt äußern. Dass die Überlegungen der Gemeinde seinen Vorstellungen entsprechen, hat der Filmemacher Eibes gegenüber bereits signalisiert. Der Bürgermeister rechnet damit, dass das Vorhaben bereits im kommenden Jahr realisiert werden kann. Der Gemeindechef ist überzeugt, dass das "Café Heimat" Touristen anziehen wird. Edgar Reitz und sein Werk haben nach seiner Einschätzung bis heute eine große Anziehungskraft.

Momentan erinnert an den berühmtesten Sohn Morbachs lediglich eine Tafel an dessen Elternhaus in der Biergasse, die im Zuge der Ausstrahlung des dritten Teils der erfolgreichen Filmtrilogie "Heimat" aufgehängt wurde. Bis heute gibt es Bustouren an Original-Drehorte. Das Elternhaus von Reitz ist einer der Anlaufstellen.

Meinung

Nur mit Reitz

Während im Simmerner Schloss dem Regisseur eine Abteilung gewidmet ist, gibt es in Morbach außer dem Elternhaus des bekannten Regisseurs nichts, was an Reitz erinnert. Bis heute. Schön, wenn sich das endlich ändert. Wichtig ist, dass Reitz hinter dem Projekt steht. i.rosenschild@volksfreund.deExtra Person: Edgar Reitz wurde 1932 als Sohn eines Uhrmachers und einer Modistin in Morbach geboren. In Simmern ging er zur Schule. Nach dem Abitur verließ Reitz den Hunsrück und studierte in München, wo er bis heute lebt. 1966 drehte er mit "Mahlzeiten" seinen ersten Spielfilm, der ein Jahr später in Venedig als bestes Erstlingswerk ausgezeichnet wurde. 1980 begann er mit dem ersten Teil von "Heimat", seinem bedeutendsten Werk. Derzeit arbeitet er an einem Film zum Thema Auswanderer. Heimat-Epos: "Heimat" lautet der Titel einer Filmtrilogie des Regisseurs Edgar Reitz. Er erzählte in einem Mammut-Filmprojekt die Geschichte des fiktiven Dorfs Schabbach und seiner Menschen von 1919 bis 1982. Zehn Millionen Zuschauer sahen den ersten Teil in seiner elfteiligen Fernsehfassung. Er dauert rund 16 Stunden und kostete in der Produktion rund zehn Millionen Mark. "Heimat" erhielt zahlreiche Auszeichnungen - vom Adolf-Grimme-Preis bis zur Goldenen Kamera. (iro)

Schon Vater Robert Reitz betrieb in der Biergasse ein Uhrengeschäft. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Schon Vater Robert Reitz betrieb in der Biergasse ein Uhrengeschäft. TV-Foto: Ilse Rosenschild