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Kirchenvertreter haben unterschiedliche Meinungen

Morbach. Während der katholische Pfarrer Michael Jakob einen Bestattungswald aus kulturellen Gründen ablehnt, hat sein evangelischer Kollege Florian Brödner keine Vorbehalte dagegen und bezeichnet Bestattungen im Wald sogar als würdevoll.

Morbach. In unserer Gesellschaft spielen die Haltungen der Kirchen nach wie vor eine große Rolle. Insbesondere bei Todesfällen sind es nach wie vor Kirchenvertreter, die die Toten beerdigen und die Messen halten, bei denen der Verstorbenen gedacht wird. Welche Haltung vertreten die Kirchen zu einem Bestattungswald?
Der katholische PfarrerMichael Jakob spricht sich gegen einen solchen aus. "Alles, was die Wirklichkeit von Menschen prägt, findet auch in der Bestattungskultur seinen Niederschlag. Sie ist zu allen Zeiten so etwas wie der Fingerabdruck der Kultur insgesamt." Der Umgang mit den Verstorbenen habe den Charakter eines Glaubensbekenntnisses gewonnen. Deshalb seien die Verstorbenen nicht außerhalb der Städte und Dörfer bestattet worden. Vielmehr seien ihre Grabstätten in den Lebensraum hineingenommen worden. "Wenn der Tod heute vielfach unsichtbar gemacht wird und die Verstorbenen keinen Ort im Lebensraum der Lebenden mehr haben, ist dies ein Zeichen dafür, dass sie auch aus dem kulturellen Gedächtnis entlassen werden", sagt Jakob. Die herkömmliche Bestattungskultur mit leicht erreichbaren Friedhöfen, Grabpflege und geprägten Zeichen des Gedenkens stehe für diese Verbundenheit innerhalb eines Stromes der Erinnerungen. Das Verbot Urnen in Bestattungswälder beizusetzen, ist im Bistum Trier aufgehoben worden. Jedoch unterstützt die katholische Kirche das nicht, sagt Jakob.
Der evangelische PfarrerFlorian Brödner sieht den Bestattungswald als zusätzliche Beisetzungsform grundsätzlich durchaus positiv. "Wir evangelischen Christen haben keine Vorbehalte gegen diese Form des Bestattens", sagt er. Er findet die Beisetzungen in einem Wald auch nicht unchristlich. Diesen manchmal erhobenen Vorwurf kann er so nicht stehen lassen. "Warum sollte ausgerechnet die Beisetzung in einem Wald, also sozusagen in Gottes Schöpfung, unserem Glauben als Christen widersprechen?" Mehrfach hat er bereits Urnen im Ruheforst in Niederhosenbach beigesetzt ."Ich finde dieAtmosphäredortsehr würdevoll", sagt er. "Wenn Menschen einen engen Bezug zur Natur haben, in der sie leben, ist ein Bestattungswald etwas Schönes", sagt Brödner. Allerdings sei er nicht traurig, wenn in der Einheitsgemeinde kein Bestattungswald installiert wird. Die Einrichtung in Niederhosenbach sei eine gute Möglichkeit für diese Form der Bestattung, so dass er in Morbach dafür keinen Bedarf sieht. cst