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Kleine Legionäre suchen nach ihren Wurzeln

Torben und Silas spielen das römische Legionärsspiel. Désirée Jörg, Marie und Archäologin Nadja Haßlinger schauen zu. TV-Foto: Christoph Strouvelle
Torben und Silas spielen das römische Legionärsspiel. Désirée Jörg, Marie und Archäologin Nadja Haßlinger schauen zu. TV-Foto: Christoph Strouvelle FOTO: Christoph Strouvelle (cst) ("TV-Upload Strouvelle"
Wederath. Eine Ferienfreizeit besonderer Art erleben Kinder im Archäologiepark Belginum. Sie beteiligen sich bei den Ausgrabungen und lernen so spielerisch die Zeitalter der Kelten und der Römer kennen. Christoph Strouvelle

Wederath. Aufmerksam sitzen der elf Jahre alte Silas aus Gonzerath und die Archäologiestudentin Désirée Joerg vor einer schachbrettähnlichen Spielfläche, auf der kleine Steine in verschiedenen Farben liegen. "Das ist ein römisches Legionärsspiel, das habe ich selbst gebastelt", sagt Silas stolz. Der Elfjährige ist einer der Teilnehmer des Projekts Abenteuer Belginum in Wederath.
Das Legionärsspiel wird auf einer Fläche mit 64 Feldern gespielt. Jeder Spieler hat 16 Steine und versucht nach Regeln, die Steine des Gegners zu kassieren. Gewinner ist, wer nach einem festgelegten Zeitlimit die meisten Steine übrig hat.
Die Archäologin Diana Sauer, die im Archäologiepark für Museumspädagogik zuständig ist, hat mit Hilfe von Joerg ein Programm zusammengestellt, das über das reine Spiel hinausgeht. Das Ziel: "Wir wollen den Kindern Geschichte nahebringen. Bei den Ausgrabungen können sie aus dem Vollen schöpfen", sagt sie. Nur wer seine Wurzeln kenne, wisse, wer er ist, sagt die Museumspädagogin.
Offensichtlich macht den Kindern die Suche nach ihrer Herkunft Spaß, als sie den derzeit dort tätigen Archäologen bei ihrer Arbeit geholfen haben. Der neun Jahre alte Collin aus Morbach hat eine römische Mauer freigelegt und mit der Kelle die Erde weggeschafft. "Eine römische Mauer habe ich bisher noch nicht gesehen", sagt er. Wo ist der Unterschied zu modernen Mauern? "Heute sind sie aus Beton, früher aus Schiefer", sagt er.
Sein gleichaltriger Freund Niklas hat für die Archäologen die Erde in einen Schubkarren geschippt und weggefahren. Und ist ihm bei der Arbeit der Erwachsenen etwas aufgefallen? "Die Archäologen haben wenig Pausen gemacht", sagt er sichtlich beeindruckt. Allerdings hat er bei der Hilfe an einem Tempel auch Ziegel, Nägel und Scherben von einem Teller entdeckt. Neben den Ausgrabungen, die aufgrund des trüben Wetters und des dadurch nassen und rutschigen Lehmbodens nur reduziert möglich waren, hat den beiden Jungen auch der Bronzeguss Spaß gemacht: Stolz zeigen sie ihre selbst gefertigten Kreuze und Amulette nach keltischem Vorbild.
Die Formen dazu sowie den Brennofen haben sie selbst hergestellt. "Wir können den Kindern anhand der Funde beispielsweise zeigen, wie keltische und römische Schalen verziert sind", sagt Diana Sauer.
Mit der Taschenlampe auf Tour


Mit ihrem Angebot will Sauer die Attraktivität der Einheitsgemeinde für die Familien erhöhen. Zusammen mit den Touren, die der Jugendpfleger der Einheitsgemeinde organisiert, biete man während der Sommerferien fünf Wochen lang Aktionen und Projekte für Kinder an.
Im Herbst 2016 will Sauer ihr Angebot erweitern: Dann sollen Kinder im Dunkeln bei einer Krimilesung erst Gänsehaut bekommen und anschließend mit der Taschenlampe auf Museumstour gehen. Sauer: "Im Dunkeln beim Licht einer Taschenlampe sehen die Exponate ganz anders aus."