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Biologie
Kleine Sensation: Der Hunsrück hat seine eigene Flechte

Sie freuen sich über die neu entdeckte Flechtenart: Umweltministerin Ulrike Höfken, Biologin Dorothee Killmann mit Partner Burkhard Leh und Professor Eberhard Fischer von der Universität Koblenz-Landau.
Sie freuen sich über die neu entdeckte Flechtenart: Umweltministerin Ulrike Höfken, Biologin Dorothee Killmann mit Partner Burkhard Leh und Professor Eberhard Fischer von der Universität Koblenz-Landau. FOTO: Christoph Strouvelle
Erbeskopf. Im Nationalpark ist eine bisher unbekannte Flechtenart entdeckt worden. Die Umweltministerin Ulrike Höfken hat diese im Hunsrückhaus vorgestellt. Von Christoph Strouvelle

Ein „Highlight“, eine „totale Sensation“, bei der Vorstellung der neu entdeckten Warzenflechte im Hunsrückhaus am Erbeskopf sind Lobeshymnen zu hören. Denn Flechten in Deutschland sind gut erforscht und kartiert, sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken. Bisher sind 1735 Flechtenarten in Deutschland bekannt. Deshalb sei diese Entdeckung „vor dem Hintergrund einer gut erforschten Flechtenfauna eine absolute Ausnahme,“ sagt sie.

Die Biologin Dorothee Killmann hatte die Hunsrücker Warzenflechte oder lateinisch Verrucaria hunsrueckensis im Zuge einer Kartierung der Naturwaldreservate im Nationalpark Hunsrück-Hochwald 2015 entdeckt. Der Fundort liegt im Naturwaldreservat Ruppelstein in der Nähe des Erbeskopfes.

Da sie diese Flechte nicht zuordnen konnte, hat sie einen Stein mit der darauf befindlichen Flechte mitgenommen. Prof. Eberhard Fischer von der Universität Koblenz-Landau hat die Probe zum Flechtenexperten Holger Thüs mitgenommen. Der stellte  mit DNA-Untersuchungen fest, dass es sich um eine unbekannte Art handle, sagt Killmann. Zu Ehren des Nationalparks sei diese dann Hunsrück-Warzenflechte genannt worden. Es sei eine weitere Flechtenart spezifiziert worden. Während die Hunsrücker Warzenflechte bisher nur im Gebiet Ruppelstein gefunden wurde, ist diese zweite bisher noch namenlose Art darüber hinaus auch in den Naturwaldreservaten Springenkopf, Gottlob und Langbruch sowie an einem Ort in England nachgewiesen worden.

Insgesamt habe man in den drei Naturwaldreservaten im Nationalpark 90 Flechtenarten gefunden, sagt die Biologin. Im gesamten Nationalpark seien es 258 Arten. „Und wir sind noch nicht am Ende“, sagt sie.

Flechten gibt es als Krustenflechten – dazu gehört auch die neu entdeckte Art –, als Blattflechten und als Strauchflechten. Sie seien empfindlich gegen Luftverschmutzung und seien ein Indikator zur Luftgütebestimmung. Zudem würden aus bestimmten Flechtenarten Hals­pastillen gefertigt. Aus anderen werden Grundstoffe zur Parfümherstellung gewonnen.

Naturwaldreservate im Nationalpark Hunsrück-Hochwald seien laut  Höfken neben den Biosphärenreservaten Pfälzerwald-Vogesen und den Rheinauewäldern wichtige Elemente der Biodiversitätsstrategie, sagt sie. Höfken: „Wir wollen das Artensterben stoppen.“

So sieht die Warzenflechte aus.
So sieht die Warzenflechte aus. FOTO: Christoph Strouvelle / Konrad Funk