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Kreisel sorgt für Spaß in der Gaststube

Spannung und Faszination: Hans-Leo Boltem, Stefan Ries, Tanja Boltem, Holger Wagner und Helga Boltem (von links) feuern den Kreisel auf dem „Dap-Tisch“ an. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Spannung und Faszination: Hans-Leo Boltem, Stefan Ries, Tanja Boltem, Holger Wagner und Helga Boltem (von links) feuern den Kreisel auf dem „Dap-Tisch“ an. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Ein Relikt von anno dazumal fasziniert die Gäste im Wirtshaus "Zum Haardtkopf": ein Jahrhunderte alter hölzerner Spieltisch. Ein Kreisel wird mit einer Schnur in Rotation versetzt und wirft auf dem Tisch mit verschiedenen Kammern und Durchlässen Kegel um. Von unserem Mitarbeiter Herbert Thormeyer

Gonzerath. In alle Spielgeräte, die in einer Gaststätte stehen, müssen Münzen eingeworfen werden. In alle? Nicht ganzin. Im Gonzerather Gasthaus "Zum Haardtkopf" steht ein sogenannter "Dap-Tisch", der auch ohne Geld viel Spaß macht.

Wohin der Kreisel driftet, der mit einer Schnur in Rotation versetzt wird, ist purer Zufall. "Das ist reine Physik", freut sich Gastwirt Hans-Leo Boltem. Tochter Tanja, die das Gasthaus führt, erklärt den Reiz des Spiels: "Je schwieriger die Holzkegel vom Kreisel zu erreichen sind, umso mehr Punkte gibt es." 345 Punkte sind maximal möglich. 280 hätten Gäste schon geschafft.

Geschicklichkeit kann nur bewiesen werden, indem der Kreisel eine möglichst hohe Umdrehungszahl erreicht - je länger er sich dreht, umso mehr Kegel kann er umwerfen. Pusten ist natürlich verpönt.

Das ebenso einfache wie faszinierende Spiel stand lange unbeachtet in einer Ecke der Gaststube. Jeder hielt es für einen einfachen Tisch, denn das Spielfeld war unter einer normalen Tischplatte versteckt. Umso mehr staunten die Wirtsleute, als sie das "Darunter" entdeckten.

Nachforschungen ergaben, dass dieser Tisch bereits beim ersten Wirt von "Zum Haardtkopf", Wilhelm Gorges, stand. Die Gaststätte wurde 1859 erbaut, brannte 1870 ab und wurde 1871 wiedereröffnet. Der "Dap-Tisch" hatte überlebt.

Meist gehe es am Spieltisch darum, wer die nächste Runde zahlt. Immer sei es spannend zuzuschauen, wohin sich der Kreisel wendet und ob er die Durchlässe zu den Kegeln mit den hohen Punkten findet, sagen die Spieler.

"Der Ursprung des Tisches ist uns völlig unbekannt", sagt Boltem. Die Bedeutung des Namens "Dap" gibt ebenso Rätsel auf.

Michael Pinter vom Holzmuseum Weiperath, der das Spiel schon einmal ausstellen wollte, aber nicht als Leihgabe bekam, hat im Mundartwörterbuch von Armin-Peter Faust und Manfred Müller von 1998 nachgeschlagen. Darin steht das Wort "dabber" für "schnell" oder "sich beeilen". "Ob das mit dem Spiel etwas zu tun hat, kann aber nicht bewiesen werden", bedauert Pinter.

Fest steht: Der "Drilles" (Kreisel) bringt Euphorie und Freude in die Gaststube. Zum Beispiel bei Holger Wagner aus Gonzerath: "Dieser Tisch ist super, allein schon deshalb, weil man kein Geld reinschmeißen muss." Vor über 40 Jahren habe er bereits an diesem Tisch gespielt, erinnert sich Stammgast Sigurd Thomas: "Der Reiz am Zufall ist einfach faszinierend." Mitspieler Stefan Ries fügt hinzu: "Das macht Spaß und ist immer spannend."

Diese Faszination will Wirtin Tanja Boltem jetzt vielen Menschen näherbringen und plant ein großes "Dap-Turnier".

Infos zur Veranstaltung gibt es in der Gaststätte.