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Männer haben zu viele "Wehwehchen"

Spaß macht ihnen das Männerballett nach wie vor. Doch gesundheitliche Einschränkungen fordern ihren Tribut. TV-Foto: Ursula Schmieder
Spaß macht ihnen das Männerballett nach wie vor. Doch gesundheitliche Einschränkungen fordern ihren Tribut. TV-Foto: Ursula Schmieder
Hundheim. 33 Jahre sind sie Stimmungsgaranten der Hundheimer Kappensitzungen gewesen. Doch nun heißt es Abschiednehmen für die schier unermüdlichen Tänzer des Männerballetts. Am Wochenende wollen sie zum letzten Mal gemeinsam auftreten. Ursula Schmieder

Hundheim. Sie hätten ja gern weitergemacht, wenn da nicht die Fakten wären. "Nach einem Herzinfarkt, einem künstlichen Hüftgelenk, sechs Bandscheibenvorfällen und vielen anderen Wehwehchen" ist es nach Einschätzung von Kurt Schabbach an der Zeit.
"Das Team hat sich durchgerungen, der Jugend auch eine Chance zu lassen", sagt Schabbach, der von neun Herren (siehe Extra) einer der Tänzer der ersten Stunde ist. Da sie in dieser Session zum 33. Mal die Kappensitzung des "Hundemer Karnevalsverein 1976" (HKV) bereichern, entschieden sie sich, ihr Engagement mit dem närrischen Jubiläum ausklingen zu lassen.
Ihre treuen Fans werden sie nur ungern ziehen lassen - schon gar nicht als Schneewittchen und die sieben Zwerge. Denn diese Abschiedsrollen sind den Herren, von denen einige ihren 60. Geburtstag bereits gefeiert haben, auf den Leib geschrieben.
Der bärtige Winfried Reichert, stolzer Opa, genießt sichtlich seinen Part als etwas fülliges Schneewittchen. Zum Abschied treten sie laut Schabbach "fast noch in Originalbesetzung" auf bei der Kappensitzung am Samstag, 4. Februar, im Gemeindehaus.
Vier Aktive wirbeln sogar seit 1979 mit in dem Team aus waschechten "Hundemern", die entweder aus dem Ort stammen oder Wahl-Hundheimer sind.
Der mit Abstand Jüngste ist der 20-jährige Mario Butzen. Er ist der Sohn von Frank Butzen, der mit 48 Jahren der zweitjüngste Tänzer ist. Nach zwei Jahren im Ballett würde Mario zwar gern weitermachen. Doch es fehlten tanzbegeisterte Mitstreiter. Dass die Älteren so lange dabei geblieben sind, führen sie auf die stimmige Chemie der Truppe zurück. Außerdem habe bei ihnen immer der Spaß Vorrang gehabt vor Perfektion, nennt Frank Butzen einen weiteren Grund. Dennoch heimsten sie sogar Preise ein. Bei einem Wettstreit in Allenbach schafften es die Hundemer von 17 teilnehmenden Herrenriegen auf den dritten Platz. Zu ihren größten Erfolgen zählen Auftritte als "Puppenspieler von Mexiko" oder "Raumschiff Surprise"-Team.
Selbst die Frage, womit sie 1979 debütierten, können die Älteren ohne überlegen zu müssen, beantworten. Das sei "Tanze Samba mit mir", sind sich alle einig. Die Zukunft sieht laut Jogi (Horst) Bernard, dem Vorsitzenden des HKV, weniger rassig aus. Nun müssten sie sich wohl einer Generationentanzgruppe anschließen, bedauert er.
Extra

Balletteleven: Die vier Gründungsmitglieder sind Horst "Jogi" Bernard (Vorsitzender HKV), Peter Schieber, Kurt Schabbach und Helmut Schommer. Mit ihnen tanzen Udo Butzen, Frank Butzen, Mario Butzen, Winfried Reichert und Siegmar "Siggi" Schwarz. Die aktuellen Trainerinnen sind: Silvia Schwarz und Gabi Minnebeck, Vorgängerinnen waren Rita Bauer (1983 bis 1990) und Rita Ertz (1979 bis 1982). urs