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Merschbach bleibt weiter ohne Chef

Ratsmitglied Stefan Alt nimmt aus den Händen von Verbandsbürgermeister Hans-Dieter Dellwo den Stimmzettel entgegen. Im Hintergrund (von links): Michael Suska, Frank Thiel, Fabian Neumann und Iris Hornberg. Foto: Schmieder Ursula
Ratsmitglied Stefan Alt nimmt aus den Händen von Verbandsbürgermeister Hans-Dieter Dellwo den Stimmzettel entgegen. Im Hintergrund (von links): Michael Suska, Frank Thiel, Fabian Neumann und Iris Hornberg. Foto: Schmieder Ursula
MERSCHBACH. (urs) Ein ausgeglichener Haushalt ist bei der momentanen Situation der Kommunen eine wunderbare Sache. Schade daher, dass dem Merschbacher Gemeinderat ein ähnliches Bravourstück bei der Wahl eines neuen Ortsbürgermeisters nicht gelang.

Etliche Bürger hatten sich im Merschbacher Bürgerhaus eingefunden, um Zeuge dieses bedeutsamen Geschehens zu sein. Doch das erhoffte Wunder blieb aus. Trotz dreier Wahlgänge kam der Rat bei der Wahl eines neuen Bürgermeisters zu keiner mehrheitlichen Entscheidung. Ein Ergebnis, das die anwesenden Bürger kaum zu überraschen schien, und das einige sogar veranlasst hatte, vorzeitig den Heimweg anzutreten. Für sie war wohl klar, dass es der Ortsbeigeordneten Iris Hornberg auch im zweiten und dritten Wahlgang nicht gelingen würde, eine Mehrheit zu bekommen. Und das obwohl die Hotelfachgehilfin und Mutter von drei Kindern als einzige vorgeschlagene Kandidatin bereit war, sich dem Amt zu stellen. Die sechs Ratsmitglieder hielten unerschütterlich an ihrem Konzept der drei Ja- und drei Nein-Stimmen fest. Was jedoch nichts daran änderte, dass Hornberg als Beigeordnete die Amtsgeschäfte vorerst weiter führen wird. Ob es einen weiteren Wahltermin geben wird, liegt im Entscheidungsbereich der Kommunalaufsicht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Wahl eines Bürgermeisters in Merschbach erst wieder bei den Kommunalwahlen im Sommer Thema sein wird.Denn das zähe Ringen um einen Dorfchef hat in Merschbach fast schon Tradition. Auch der im Oktober 2003 aus beruflichen Gründen zurück getretene Michael Heinz war nach zwei gescheiterten Ur-Wahlen durch den Gemeinderat gewählt worden. Im Dezember 2003 scheiterte der festgesetzte Wahltermin, weil sich kein Kandidat gefunden hatte.Gemeinderat hatte Entlastung verweigert

Was angesichts einiger Ereignisse auch nicht verwundert. So hatte der Gemeinderat im Februar 2003 Heinz die Entlastung für 2001 verweigert. Allerdings ohne Angabe konkreter Gründe und ohne vorherige Aussprache. Eine Entscheidung, die nach zwischenzeitlicher Prüfung durch die Verbandsgemeinde Thalfang nicht gerechtfertigt war. Weshalb diese den Gemeinderat in der nächsten Sitzung auch bitten wird, die Entlastung nun zu erteilen. Sollte dies dennoch nicht geschehen, wird sich die Kreisverwaltung als Kommunalaufsichtsbehörde damit beschäftigen müssen. Sofern diese zum gleichen Ergebnis kommt, der Rat aber dennoch bei seiner Sichtweise verharrt, müsste - so Alfons Kuhnen von der Kreisverwaltung - "die förmliche Anordnung der Erteilung der Entlastung in Betracht gezogen werden".Im Anschluss an die gescheiterte Wahl waren sich bei der Abstimmung über den Haushalt 2004 dann alle wieder einig. Einstimmig brachte der Rat den ausgeglichenen Verwaltungshaushalt in Höhe von 62 500 Euro sowie den Vermögenshaushalt mit 232 500 auf den Weg. Entscheidender Posten ist der mit 218 000 Euro veranschlagte Rest-Ausbau der Gemeindestraßen, wofür Mittel aus dem Investitionsstock beantragt sind. Die Gemeinde könne die Straße auch selbst finanzieren, ohne dass sich dadurch die Beitragssätze erhöhen würden, machte Michael Suska, Abteilungsleiter Finanzen der Verbandsgemeinde Thalfang, aufmerksam. Die Schulden belaufen sich derzeit auf 36 600 Euro. Erfreuliches ergab sich beim Jahresabschluss 2003. Nach einem erwarteten Defizit von 5200 Euro schließt dieser doch ausgeglichen ab. Erhöhungen bei Steuersätzen, Bürgerhaus-Nutzung oder Friedhofsgebühren wird es daher in 2004 nicht geben.