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Merscheider schwingen Sensen und binden Hafer

Das Schnäpschen für die Lebensgeister dürften sich frühere Schnitter eher verkniffen haben. Doch beim historischen Schau-Mähen in Merscheid ist es willkommen. TV-Foto: Ursula Schmieder
Das Schnäpschen für die Lebensgeister dürften sich frühere Schnitter eher verkniffen haben. Doch beim historischen Schau-Mähen in Merscheid ist es willkommen. TV-Foto: Ursula Schmieder
Merscheid. Wenn Merscheid im Juni 2015 die 800-jährige Ortsgeschichte feiert, können Freiwillige fleißig dreschen. Das dafür benötigte Getreide ist bereits geerntet - nach alter Väter Sitte per Hand und mit ausgedienten Maschinen.

Merscheid. Bauern früherer Generationen hätten sich wohl ungläubig die Augen gerieben. Denn als Getreide tatsächlich noch mit der Hand gemäht wurde, schaute dabei selten jemand zu. Anders als nun in Merscheid, wo eine historische Getreideernte 350 Besucher lockte. Darunter Leute aus dem Dorf und Nachbarorten ebenso wie Besucher aus dem Saarland. "So etwas gibt es ja nicht jeden Tag zu sehen", kommentierte Josef Schmitz aus Heinzerath. Zwei Neunjährige fanden das Treiben cool. So eine Sense, nur ohne Bügel, hätten sie auch, erzählte Jeldrik. Elias hätte sich gern selbst damit versucht: "Aber ich darf nicht."
"Heute geht das doch viel leichter", sagte Doris Remmy, Landwirtin vom Hoxeler Steinerhof. Es wäre zwar schön, wie damals weniger Schreibarbeit zu haben: "Aber die Arbeit war schwer. Und wenn ein Gewitter am Himmel hing, mussten die Leute sich abhetzen." Denn der Weg zurück zum Dorf war oft weit. Gemütlich sei das jedenfalls nicht gewesen. Klaus Benz fand es bemerkenswert, dass all das noch gar nicht so lange her ist: "Unsere Eltern haben das ja noch erlebt - das ist 20. Jahrhundert." Thomas Hoff, ebenfalls aus Merscheid, pflichtete bei. Das maschinelle Zeitalter habe ja erst in den 1950er Jahren Einzug gehalten. Daran erinnerten anschließend Mähbinder und Mähdrescher.
Drumherum gewährleistete ein Ehrenamtlichen-Team, dass die Zaungäste weder Durst noch Hunger zu leiden hatten. Laut Ortsvorsteher Bernd Flesch waren zudem etwa 20 Personen mit den landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt.
Sie schwangen die Sense oder banden den abgeernteten Hafer zu Garben. Dabei kamen sie tüchtig ins Schwitzen.
Das Feld habe Norbert Adam zur Verfügung gestellt und auch selbst angesät, erzählte Flesch, der sich als Vollerwerbs-Landwirt freut, dass die Aktion "ein voller Erfolg" war.
Eingeladen zu der Schauernte hatte die Arbeitsgemeinschaft 800-Jahr-Feier Merscheid, die das für den 13. bis 15. Juni geplante Fest vorbereitet. Unter anderem soll dann entlang einer historischen Straße manuell Getreide gedroschen werden. Da es bis dahin noch nicht reif wäre, musste schon in diesem Jahr Hafer geerntet und in Garben zum Trocknen aufgestellt werden. urs