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Mit Pferd, Wagen und Musik

Tradition ist Trumpf: Handwerker zeigen beim Morbacher Herbst alte und teilweise schon vergessene Techniken.Foto: Ursula Schmieder
Tradition ist Trumpf: Handwerker zeigen beim Morbacher Herbst alte und teilweise schon vergessene Techniken.Foto: Ursula Schmieder
MORBACH. (urs) Mit einer Bauernhochzeit nach alter Väter Sitte und mit Vorführungen bäuerlicher Arbeiten und altem Handwerk lädt der Morbacher Herbst zum verkaufsoffenen Sonntag und vierten Bauern- und Kreativmarkt ein.

Wenn am Sonntag der Ruf "Hejo, spann den Wagen an" in der Morbacher Mitte ertönt, ist es höchste Zeit, sich unter das Volk zu mischen. Denn beim Morbacher Herbst mit verkaufsoffenem Sonntag, Bauern- und Kreativmarkt ist in diesem Jahr eine Bauernhochzeit angesagt. Und zwar, wie das Stroh-Pärchen der Landjugend am Ortseingang verspricht, wie "anno dazumal". So zieht die Hochzeitsgesellschaft der Brauchtumsgruppe Laufeld nach dem Kirchgang durch den Ort und lässt Naschkatzen ein Stück vom Hochzeitskuchen abreißen. Bevor es an die von den Landfrauen für 30 Personen gedeckte Hochzeitstafel geht, bringt der Morbacher Gesangverein in passender Kleidung dem Brautpaar ein Ständchen. Etwa zur gleichen Zeit fährt die Trachtengruppe "La Volte" aus Bosen singend mit einem historischen Pferdegespann durch den Ort. Begleiten wird sie ein Straßenmusikant mit Liedern wie "Hab mein' Wagen voll geladen." Ein Tanz rundet die Feier ab.Großer Aufwand, viel Idealismus

Während dessen wird rund um die Morbacher Mitte nicht nur der Bauern- und Kreativmarkt mit nahezu 100 Standbetreibern pulsieren, sondern auch das alltägliche Leben "anno dazumal". Wäscherinnen der 40 Personen starken Gruppe "Alte Bauerntradition" aus Irrel gehen am Morbach ihrer Arbeit nach, es wird gesponnen und gebuttert. Die Männer betätigen sich als Seiler oder führen das Dreschen oder Häckseln vor. Mit dabei: Die Hammer-Schmiede, ein Drehorgelspieler, "Pole Poppenspäler" und ein Streichelzoo. Das Signal zum Beginn der Festivitäten mit Einkaufs- und Marktbummel geben um elf Uhr die Jagdhornbläser aus Morbach. Mit dem diesjährigen Programm für den Morbacher Herbst setzt der Gewerbe- und Verkehrsverein Morbach neue Akzente. Ein Verdienst von Edeltrud Reinhard, die für die Organisation verantwortlich zeichnet und damit seit Monaten beschäftigt ist. "Der Aufwand für den Bauernmarkt ist eigentlich Wahnsinn - man muss es gern machen, und man muss es für sich machen", kommentiert sie den Aufwand. Allein am Schreibtisch hat sie in den vergangenen Wochen 140 Stunden für diesen Tag gesessen. Die vielen Besuche anderer Bauernmärkte, zu denen sie und ihr Mann oft per Fahrrad aufbrachen, nicht eingerechnet. Das ganze Jahr über sei sie jeden Sonntag woanders gewesen, um die passenden "Leute an Land zu ziehen". Dennoch ist sie nicht etwa aus purem Spaß so rührig. Ihren Antrieb nimmt Reinhard vielmehr aus der Überzeugung, dass der Verein bei einem solchen Markt "nicht immer dasselbe machen" könne, da ansonsten das Interesse rasch nachlassen würde. Daher macht sie sich heute bereits ihre Gedanken für den Morbacher Herbst 2005. "Ich hab da was im Kopf, aber ich weiß nicht, ob ich's verwirklichen kann."