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Kunst
Frau Holle, Selene und die schwarze Madonna

Irmtraud  Knoth beschäftigt sich immer wieder mit Frau Holle.
Irmtraud Knoth beschäftigt sich immer wieder mit Frau Holle. FOTO: TV / Ilse Rosenschild
Morbach. Kulturell interessierte Hunsrücker dürfen sich in diesem Jahr ganz besonders auf Kunst im Gewächshaus freuen: Erstmals seit vielen Jahren sind in der Region wieder Gemälde der Künstlerin Irmtraud Knoth zu sehen. Vom 2. bis 4. November stellt sie Ölgemälde und Aquarelle jüngeren Datums in der Gärtnerei Berg aus. Von Ilse Rosenschild
Ilse Rosenschild

Wer das Glück hat, bei Irmtraud Knoth ins Atelier eingeladen zu sein, fühlt sich umgeben von Göttinnen und weiblichen Sagengestalten. Zu sehen sind die Jagdgöttin Diana, die Mondgöttin Selene, Erdmutter Gaia und die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld und viele mehr. Und kommt einmal eine männliche Figur (Zeus) vor, spielt die weibliche Kontrahentin (Europa) doch die Hauptrolle. Und da geht es quer durch die Kulturen: Selene entstammt dem griechischen Olymp, Diana dem römischen Götterhimmel. Und die Schicksalgöttinnen bevölkern die nordische Weltenesche Yggdrasil. Schon seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit mythologischen Themen. Knoth: „Es fesselt mich, zu sehen, wie diese Göttinnen und Götter im Laufe der Menschheitsgeschichte sich wandelten.“

Ihre Lieblingsfigur ist Frau Holle. Aber nicht allein als Sagenfigur der Gebrüder Grimm, sondern auch als jungsteinzeitliche Göttin. Man kennt sie auch als Perchta oder Percht, die man heute im alpenländischen Raum noch kennt und die mit der sogenannten Wilden Jagd vor allem in den Raunächten zwischen den Jahren unterwegs ist. „Bauern stellen ihr in dieser Zeit Gaben vor die Tür und räuchern die Ställe mit Heilkräutern“, weiß die Künstlerin.

Frau Holle wird mit drei Farben gezeigt: weiß als junge Frau, rot als fruchtbare Frau in den mittleren Jahren und schwarz als weise Alte. Wen wundert es da, dass die Pflanze, der Holunderstrauch, mit der die Sagenfigur in Verbindung gebracht wird, eben auch jene drei Farben aufweist: weiß in der Blüte, rot die Frucht und schwarz der Saft. Irmtraud Knoth illustriert diese Sagenfigur gleich mehrfach. Knoth: „Manchmal denkst Du, Du hast die Figur begriffen, und dann gibt es doch einen neuen Aspekt.“

Ein weiteres Lieblingsthema ist die schwarze Madonna. Auf der ganzen Welt gibt es Marienfiguren mit schwarzer Hautfarbe. Früher erklärte man sich das Phänomen mit rußenden Kerzen. Heute weiß man, so schildert es die gebürtige Mainzerin, dass viele Künstler die Madonnen schon schwarz gemalt haben. Manche begreifen sie als archetypische Mondgöttinnen, doch Knoth erinnern die ungewöhnlichen Marienfiguren auch an die ägyptischen Darstellungen der Göttin Isis mit ihrem Sohn Horus.

Den Kunstwerken kann man sich als Betrachter fast nicht entziehen. Aquarelle wie Ölbilder besitzen eine besondere Faszination. Alle Knoth’schen Gemälde haben starke grafische Elemente. Und das ist kein Zufall. Schließlich hat Irmtraud Knoth ein Grafikstudium absolviert und früher als Grafikerin beim ZDF in Mainz gearbeitet. Dort lebte sie auch, zog später mit ihrem Mann nach Kenn (1975) und im Jahr 2000 nach Thiergarten. Früher hat sie ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, unter anderem in Speyer, Mainz und Wiesbaden.

Wer sich für ihre Kunst interessiert, muss sich schon seit vielen Jahren in ihr Atelier bemühen. Ausgestellt hat sie lange nicht mehr. Um so erfreulicher, dass sie jüngere Werke bei Kunst im Gewächshaus im November in der Gärtnerei Berg ausstellt.