| 16:26 Uhr

Bauen
Wohin mit der Erde?

Morbach . Die Morbacher suchen nach einer Fläche, um Erdaushub zu lagern. Der  Druck durch die Neubaugebiete wächst, aber aktuell laufen noch Verhandlungen. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Wer ein Eigenheim oder ein Bürogebäude baut, braucht oft ein Erdaushublager, denn nach dem Ausschachten für den Keller und dem Nivellieren des Bodens muss die Erde irgendwo gelagert werden. In Morbach sind für die nächsten Jahre gleich mehrere Neubaugebiete geplant, darunter in Morscheid-Riedenburg und weiteren Ortsteilen. Der Abtransport des Aushubs der Flächen wird umso teurer, je weiter dieser mit dem Brummi transportiert werden muss. In Morbach wurde die Erdaushub-Deponie zum 31. Dezember 2017 formal geschlossen. Wie der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) mitteilt, ist die Anlieferung von Erdaushub dort allerdings noch möglich, denn nach der formalen Schließung ist der ART als Betreiber verpflichtet, das Gelände entsprechend der gesetzlichen Vorgaben zu rekultivieren, wozu große Mengen an unbelastetem Erdaushub benötigt werden.

Der Morbacher Gemeinderat fordert nun, einer Vorlage der CDU folgend, die Gemeindeverwaltung Morbach auf, den ART zu veranlassen, in der Morbacher Energielandschaft einen Wertstoffhof einschließlich eines dauerhaften Erdaushublagers und eine Grüngutsammelstelle einzurichten. Der Antrag wird damit begründet, dass es im Hunsrückteil des Landkreises Bernkastel-Wittlich keinen Wertstoffhof gibt, auf dem die Bürger ihre Abfälle zur Entsorgung und Verwertung wohnortnah abgeben könnten. Das sei auch ein wichtiger Beitrag zum Thema Kreislaufwirtschaft, um so den Recyclingprozess vor Ort zu halten. Schließlich sei die nächste Stelle das Entsorgungs- und Verwertungszentrum in Mertesdorf (Kreis Trier-Saarburg), was zum Teil mehr als 40 Kilometer entfernt sei.

Auf der Grundlage der geltenden und umfassenderen Vorschriften sei die Schließung des alten Erdaushublagers verständlich, aber für die Bürger der Gemeinde nicht hinnehmbar. Deshalb soll zusammen mit dem Wertstoffhof auf der Morbacher Energielandschaft (MEL) ein neues Erdaushublager eingerichtet werden, das durch eine Grünschnittannahmestelle ergänzt werden könnte.

Jürgen Jakobs, Sprecher der CDU-Fraktion im Gemeinderat, weist auf die Dringlichkeit des Themas hin: „Wir wollen, dass konkret Nägel mit Köpfen gemacht werden. Das hört man bei der ART nicht so gerne, aber die Bürger brauchen auch Abgabestellen. Der Standort auf der MEL wäre optimal. Da stören wir niemanden, und wir müssen dem Thema Nachdruck verleihen.“

Das sehen auch die anderen Fraktionen im Gemeinderat so, wenngleich Willi Feilen (FWM) anmerkt, dass das Thema den Freien Wählern schon seit 2017 ein Anliegen sei. Uwe Andretta (Bündnis 90/Die Grünen) betont die Bedeutung des Wertstoffrecyclings: „Ich sehe den Antrag sehr positiv. Aber beim Erdaushublager müssen wir bei der ART dicke Bretter bohren. Wir müssen politischen Druck machen, dass was passiert.“

Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde, weist auf die Schwierigkeit hin, ein neues Erdaushublager einzurichten: „Die Verwaltung ist diesbezüglich unterwegs. Das Thema Erdaushublager ist ein schwieriges, denn die Vorgaben dafür sind dramatisch.“

ART-Verbandsdirektor Maximilian Monzel sagt zu dem Vorstoß der Morbacher: „Wir sind dankbar für die Initiative aus Morbach und werden die Thematik in Hinblick auf die Genehmigung als auch auf die Wirtschaftlichkeit prüfen.“ Was die Einrichtung eines Wertstoffhofes und einer Grünschnittannahmestelle in der Morbacher Energielandschaft betrifft, sei man in konkreten Verhandlungen. Der Zweckverband hatte bereits ein regionales Wertstoffkonzept beschlossen.

Der Begriff eines Erdaushub-Zwischenlagers sei jedoch theoretisch, denn wegen der hohen Transportkosten komme Erdaushub in der Regel auf direktem Weg in eine Deponie, in der er endgelagert werde. Auch das Thema werde geprüft. Der ART weist zudem auf die unentgeltliche Möglichkeit hin, Erdaushub zu makeln. Das heißt konkret: Ein Bauherr, der eine Baugrube aushebt, meldet an, wie viel Kubikmeter unbelasteten Boden er übrig hat und die ART vermittelt ihn an einen anderen Kunden, der Erdaushub benötigt. Die Auflagen der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord für eine Erdaushubdeponie seien besonders in Hinblick auf den Umweltschutz sehr hoch. Deshalb sei es ein schwieriger Prozess, eine neue Fläche auszuweisen.