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Tourismus
Baustart für Mountainbike-Park am Erbeskopf

Im Sommer können Mountainbiker den Erbeskopf herunterfahren.
Im Sommer können Mountainbiker den Erbeskopf herunterfahren. FOTO: Trailpark Erbeskopf / TV
Thalfang. Baustart für Mountainbike-Park am Erbeskopf: Tourismus-Experten begrüßen das Projekt. Das Nationalparkamt sieht keine Probleme. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Nun ist es offiziell: Der seit mehreren Jahren geplante Trailpark Erbeskopf kann gebaut werden. Das teilt die Trailpark Erbeskopf GmbH mit. Noch in diesem Jahr sollen bereits zwei Mountainbikeabfahrtsstrecken am Erbeskopf eröffnet werden. Das aufwendige Genehmigungsverfahren in dem Nationalparkgebiet, bei dem viele Behörden ihr Okay geben müssen, sei demnach abgeschlossen.

Geplant ist ein Trailpark mit insgesamt acht Strecken, die ein breites Nutzerspektrum abdecken werden. Das bestehende Freizeitangebot mit Hochseilgarten, Hunsrückhaus, Sommerrodelbahn und der Skibetrieb im Winter sollen damit ergänzt werden, so Till Dengel von der Betreibergesellschaft, in der neben ihm Martin Halm, Peter Klär und Daniel Gregor Mitglieder der Geschäftsführung sind.

Der Zweckverband Erbeskopf begrüßt das Vorhaben und sieht darin eine Ergänzung des Erlebnis- und Freizeitangebotes am Erbeskopf, wie der stellvertretende Vorsteher des Zweckverbandes und Bürgermeister der Einheitsgemeinde Morbach, Andreas Hackethal, bestätigt. Hacke­thal: „Das ist eine wertvolle Weiterentwicklung der touristischen Nutzung am Erbeskopf. Das Projekt kostet den Zweckverband nichts. Wir haben einen Pachtvertrag mit der Gesellschaft und können die Liftanlage im Sommer gegen Nutzungsgebühr zur Verfügung stellen, also Einnahmen erzielen.“

Auch für Michael Hülpes, Bürgermeister der benachbarten Verbandsgemeinde Hermeskeil, ist das ein Gewinn, wie er dem TV gegenüber bestätigt: „Grundsätzlich begrüßen wir das Konzept ‚Bike-Region Hunsrück-Hochwald‘ und ebenfalls den Ausbau des Trailparks Erbeskopf. Dieser Trendsport wird zur Belebung des Tourismus beitragen. Auch im Bereich Hermeskeil planen wir interessante Mountainbike-Strecken.“

Der Trailpark Erbeskopf ist Teil eines noch weiter gefassten Konzeptes für die Bike-Region Hunsrück-Hochwald, zu dem ein weiterer Mountainbike-Park am Idarkopf und zusätzliche Fernradwege zählen.

Geschäftsführer Till Dengel ergänzt: „In der Planung wurde viel Wert und Mühe auf Umweltverträglichkeit gelegt. Die herrliche Natur, gepaart mit der sehr ansprechenden Topographie und der guten geografischen Lage sind einzigartig und werden zum Alleinstellungsmerkmal des Trailparks.“

Bis auf das Anlegen der acht Strecken müssten nur wenige Eingriffe in die Natur erfolgen. Es werde außerdem direkt vor Ort eine Ausgleichsfläche geschaffen, die die Streckennutzung kompensiert. Der Trailpark werde dadurch nahezu umweltneutral in die Landschaft eingebettet.

Dengel: „Die geplante Investition liegt bei 200 000 bis 250 000 Euro,  wobei man berücksichtigen muss, daß wir uns in eine bestehende Infrastruktur (Liftanlage, Hunsrückhaus, Parkplätze) und ein etabliertes Tourismuskonzept eingliedern. Die Voraussetzungen am Erbeskopf sind deshalb für uns als Gründer, aus Risiko- und Investitionssicht, günstig.“

Von April bis Oktober können Mountainbiker zukünftig den Lift als Aufstiegshilfe nutzen um dann, auf Pisten verschiedener Schwierigkeitsgrade, ins Tal zu fahren. Ähnlich wie beim Skifahren, werden die Strecken in drei Kategorien (blau = leicht, rot = mittel, schwarz = schwer) angelegt.  Geschäftsführer Martin Halm ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass wir nun mit dem Bau beginnen können. Ein Mountainbikepark in Hunsrück fehlt noch und wir sind sicher, mit unserem Konzept viele Bikerherzen höher schlagen zu lassen“.

Die vier Gründer der Trailpark Erbeskopf GmbH sind selbst Mountainbiker und kennen den Erbeskopf schon seit langem, wie Dengel erläutert. Schon als Kinder hätten sie den Erbeskopf im Winter zum Skifahren besucht. Das Quartett hat auch schon Erfahrungen im Bau von Trailparks gesammelt: 2012 hatten sie sich beim Streckenbau am Flowtrail Ottweiler im Saarland kennengelernt, einem ehrenamtlichen Projekt, in dem drei Abfahrtsstrecken in enger Zusammenarbeit mit Stadt, Landesumweltamt, Tourismusbehörde und der Deutschen Initiative Mountainbike ins Leben gerufen wurden.

Trailpark
Trailpark FOTO: Trailpark / TV

Das Hunsrückhaus und der Erbeskopf sind zwar ein Tor des Nationalparks Hunsrück-Hochwald, liegen aber nicht direkt auf dem Schutzgebiet. Wie Sören Sturm vom Nationalparkamt erläutert, habe es schon länger seitens des Zweckverbands Pläne gegeben, am Erbeskopf das Thema Mountainbike stärker zu bedienen. Das Nationalparkamt habe damals deutlich gemacht, dass dafür intensive Abstimmungen mit den Flächeneigentümern, in diesem Fall den Landesforsten Rheinland-Pfalz geführt werden müssten. Zudem habe man auf eine Besucherlenkung in Hinblick auf das Hunsrückhaus aufmerksam gemacht.

 Konflikte mit anderen Besuchern, zum Beispiel Wanderern, Teilnehmern der Rangertouren  sowie anderem freizeitorientiertem Publikum sollten vermieden werden. Diese Vorgaben seien berücksichtigt worden.

Sturm: „Wichtig ist unseres Erachtens, dass keine Kannibalisierung mit anderen Standorten erfolgt, sondern die Synergien auch im Marketing für eine starke Region genutzt werden. Die Aktionsradien der Biker sind deutlich größer als die der Wanderer.“

 Diese Ausweitung des Angebots am Erbeskopf sei begrüßenswert, so Sturm. Neben der neuen Ausstellung im Hunsrückhaus (der TV berichtete mehrmals) seien verschiedene Maßnahmen nötig, um dem Ziel eines attraktiven Ganzjahresstandortes gerecht zu werden. Die Zielgruppe der Radfahrer sei dabei eine von mehreren. Für Sturm steht fest: „Hier kann eine Lücke geschlossen werden. Entscheidend ist die Produktqualität. Auch bei weiteren touristischen Attraktionen und Angeboten  zielt unser Fokus auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Mit diesem Markenkern lässt sich auch eine Verbindung mit anderen Standorten und zu Nationalpark-Partnerbetrieben in einer Bikeregion herstellen.“

Meinung: Die Mischung macht’s

Es war schon fast überfällig, endlich einen Trailpark am Erbeskopf einzurichten. Schon vor vielen Jahren erkannten die Betreiber von Liftanlagen in Wintersportgebieten diesen Trend und richteten Mountainbike-Trails ein, die im Sommer genutzt werden können. Statt Skifahrer befördern dann die Liftanlagen die Mountainbiker auf den Gipfel.

Das bereichert das touristische Angebot der Region und wird weitere Besucher in den Hunsrück locken. Die Mischung unterschiedlicher Varianten des sanften Tourismus macht es eben aus: Von geführten Ranger-Wanderungen bis zum sportlichen Mountainbiken bietet die Region für viele Zielgruppen interessante Angebote. Dabei garantieren Umweltbehörden wie das Nationalparkamt, dass es im Umfeld und auch im Schutzgebiet selbst bei sanftem Tourismus bleibt.

Die hohen Besucherzahlen beim alljährlichen Erbeskopf-Marathon, der immer im Somer stattfindet, beweisen zudem das hohe Interesse von Mountanbikern am Erbeskopf und seiner Umgebung. An dieser Veranstaltung nehmen bis zu 1000 Radsportbegeisterte aus der Region und dem benachbarten Ausland teil.

hp.linz@volksfreund.de