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Neue Biografie: Rottmann war mehr als nur ein Heimatdichter

Simmern. Peter Joseph Rottmann (1799-1881): Eine Grundschule in Simmern trägt seinen Namen, in Bibliotheken und vielen heimischen Bücherregalen stehen seine Gedichte in Hunsrücker Mundart, die immer wieder zitiert werden. Doch Rottmann war mehr als nur ein Mundartdichter, das zeigt nun die neue Biografie des Historikers Achim Baumgarten.

Simmern. Der Historiker und Bibliothekar Achim Baumgarten hat sich intensiv mit Peter Joseph Rottmanns Leben und Werk beschäftigt und das Buch "Peter Joseph Rottmann und seine Zeit" geschrieben. Rottmann war ein sehr umtriebiger Mensch. Als er 1799 geboren wurde, war der Hunsrück französisches Besatzungsgebiet. Aufgewachsen ist er mit sieben Geschwistern. Sein Vater war Buchbinder, arrangierte sich mit den Franzosen und wurde 1804 stellvertretender Bürgermeister von Simmern. Der kleine Peter Joseph war häufig dabei, wenn sein Vater seinen Amtspflichten nachkam. So bestimmt auch 1804, als Napoleon Simmern einen Besuch abstattete. Das prägte Peter Joseph Rottmanns ganzes Leben. Nach der französischen Schulzeit war er Schreiber in der Unterpräfektur. 1814 war damit Schluss. Die Preußen übernahmen die Herrschaft, Rottmann wechselte in das örtliche Hypothekenamt. 1817 lernte er auf dem Nunkircher Markt Wilhelmine Maull kennen. Sie war Tochter aus gutem Hause in Rhaunen. Ihr widmete er sein erstes Gedicht - auf Hochdeutsch. 1822 fand die Hochzeit statt. 1824 lösten die Preußen Domäne und Hypothekenamt auf. Rottmann war seinen Job los. Dank seiner Intelligenz, seiner Erfahrung und Reputation machte er sich als Rechtskonsulent selbstständig. Gegen Honorar beriet er die Bürgerschaft in allen juristischen Fragen und schrieb die Korrespondenz. Simmern war damals eine aufstrebende Stadt. Das belegt die Zahl von 30 Gasthäusern, die laut Überlieferung und im Gegensatz zu heute tagtäglich gut besucht waren. Die Geschäfte liefen auch bei Rottmann gut. In der Simmerner Oberstraße konnte er ein Haus erwerben. Seine Lust an der Literatur vernachlässigte er nicht, in all den Jahren. Er war ein großer Verehrer von Schiller. Angeregt durch den Bonner Literaturprofessor und Dichter Karl Josef Simrock veröffentlichte Rottmann 1840 erstmals die "Gedichte in Hunsrücker Mundart". In den 1840er Jahren Zeit erwarb er das Gasthaus zum Ochsen. Dort trafen sich die Honoratioren der Stadt, dort wurden Lokalpolitik und Geschäfte gemacht. Parallel dazu verlief Rottmanns politische Karriere. 1842 wählte man ihn zum zweiten Beigeordneten seiner Heimatstadt, 1846 wurde er Bürgermeister. 1843 erhielt er eine Berufung in den Rheinischen Landtag in Düsseldorf. Hier galt er als scharfsinniger Redner. Für sein Buch wälzte Achim Baumgarten drei Jahre einen Berg historischer Akten und Dokumente. Erschienen ist es in der Reihe "Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Simmern". Der Band geht weit über die Simmerner Stadtgeschichte hinaus. Denn Rottmann spiegelt in seinen Gedichten den Hunsrücker Alltag in nicht immer leichten Zeiten wider - gewürzt mit Humor. Achim R. Baumgarten, Peter Joseph Rottmann und seine Zeit. Simmern zwischen Französischer Revolution und dem Kaiserreich. 340 Seiten, mit vielen Abbildungen. Im Buchhandel 26,80 Euro.