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Neues Gesicht für den Ortskern

Breit. Die Breiter haben die baulichen Missstände im Ortskern erkannt. Jetzt sollen die Hauseigentümer durch die Ausweisung eines Sanierungsgebietes und den damit verbundenen Steuervorteilen animiert werden, ihre Immobilien in Ordnung zu bringen. Christoph Strouvelle

Breit. Das Zentrum des 265 Einwohner zählenden Ortes Breit in der Verbandsgemeinde Thalfang hat zwei Gesichter. Auf der einen Seite der Hauptstraße steht ein schmuckes Gemeindehaus, das sicherlich zu den schönsten im Umkreis zählt. Die direkt gegenüberliegende Häuserzeile wirkt dagegen eher trostlos. Neun Häuser und zwei Scheunen stehen dort, teilweise sind sie ineinander verschachtelt.
Nur drei Häuser sind bewohnt und machen einen gepflegten Eindruck. "Fünf stehen leer, teilweise seit 15 Jahren", sagt Ortsbürgermeister Christian Stein.
Hier sind Teile des Putzes abgebröckelt, dort ist das Dach nicht mit Ziegeln, sondern nur lückenhaft mit Pappe eingedeckt. Ein Haus, das von einem Bauzaun umgrenzt wird, weil das Dach schon eingebrochen ist und aus dem Putz in Höhe des ersten Stocks eine Birke wächst, könne nur noch abgerissen werden, sagt Stein.
Das Problem dieser Häuserzeile: "Die nebeneinanderliegenden Häuser haben immer einen gemeinsamen Giebel, da traut sich keiner, mit der Renovierung anzufangen, weil das benachbarte Haus Schaden nehmen könnte", sagt der Ortsbürgermeister.
Doch die Breiter wollen ihr marode wirkendes Ortsbild verbessern. Die Dorfmitte solle zum Sanierungsgebiet erklärt werden, sagt Stein. Das Planungsbüro Kernplan aus Illingen im Saarland hat alle Häuser der Gemeinde von außen begutachtet und die Ergebnisse bei einer Einwohnerversammlung vorgestellt. Einige Gebäude in der Häuserzeile haben demnach substanzielle Probleme, bei mehr als 20 Häusern bestehen teilweise erhebliche Funktionsmängel. Weitere 50 Immobilien haben an der Fassade oder am Dach Verbesserungsbedarf, stellten die Prüfer von Kernplan fest.
Die Ausweisung eines Sanierungsgebietes soll den Breiter Ortskern aufwerten. Kernplan schlägt vor, marode Bauten abzureißen und andere Wohneinheiten zu sanieren. Dadurch soll das Zentrum als Wohnstandort gestärkt, das Ortsbild attraktiver gestaltet und die Wohnqualität in Breit erhöht werden.
Eigentümer kann Steuern sparen


Finanzieren sollen dies die Hauseigentümer. Durch die Lage im Sanierungsgebiet können sie die Renovierungskosten bei ihrer Steuererklärung stärker als sonst geltend machen und sich so einen Teil der Kosten wieder zurückholen.
Die Sanierung soll im sogenannten einfachen Verfahren geschehen, sagt Stein. Das bedeutet, dass am Ende der Sanierung keine Ausgleichszahlungen an die Verbandsgemeinde geleistet werden müssen.
Doch erst muss die Gemeinde das Sanierungsgebiet förmlich festlegen und eine Satzung bestimmen. Das soll laut Stein im Frühjahr 2015 passieren.
Dann erst können diejenigen Bürger, die ihre Häuser sanieren wollen, ihre Arbeiten mit der Verbandsgemeinde abstimmen. Dies ist Voraussetzung für eine Bescheinigung, die die Verwaltung am Ende der Arbeiten ausstellt und die der Hausbesitzer dem Finanzamt vorlegen muss.
"Wir wollten den Bürgern die baulichen Missstände aufzeigen", sagt Stein. Offensichtlich mit Erfolg: Der Ortsbürgermeister sagt, dass die Hausbesitzer in der Häuserzeile gegenüber dem Gemeindehaus das Gespräch miteinander gesucht haben. Sie wollen jetzt Lösungen erarbeiten, um den Bereich wieder attraktiv zu gestalten.Extra

Bei einem vermieteten Gebäude können die Eigentümer die Investitionskosten innerhalb von zwölf anstelle von 50 Jahren abschreiben. Bei einem Gebäude, das der Eigentümer selbst nutzt, kann er zehn Jahre lang neun Prozent der Kosten geltend machen. Ein Beispiel: Bei einem Investitionsvolumen von 150 000 Euro im selbst genutzten Gebäude und bei einem Höchststeuersatz von 45 Prozent kann der Eigentümer jährlich bis zu 6075 Euro Steuern sparen, also insgesamt bis zu 60 750 Euro. cst