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Parteien rüsten sich für die Bundestagswahl

Bernkastel-Kues/Morbach. Wer wird bei der Bundestagswahl in elf Monaten das Direktmandat im Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück gewinnen? Der TV hat bei den Parteien nachgehört, wen sie als Kandidaten ins Rennen schicken wollen. Ursula Quickert und Hannah Schmitt

Bernkastel-Kues/Morbach. Wird es das verflixte siebte Wahljahr? Diese Frage würde Peter Bleser wahrscheinlich nur mit einem Lächeln quittieren. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist zum siebten Mal als Bewerber für den Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück für die Bundestagswahl 2013 nominiert worden.Bundestagswahl 2013



Die Christdemokraten im früheren Altkreis Bernkastel haben den parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz einstimmig gewählt.
Bereits sechs Mal hat er den Wahlkreis als Direktkandidat gewonnen - bei der letzten Wahl 2009 mit 47,7 Prozent der Stimmen. Offiziell nominiert werden soll der Brachtendorfer (Kreis Cochem-Zell) bei einer Wahlkreisvertreter-Versammlung der Kreisverbände Bernkastel-Wittlich (Altkreis Bernkastel), Cochem-Zell und Rhein-Hunsrück am Donnerstag, 15. November, in Zell.
Bei der SPD hat Anja Bindges Aussichten, Direktkandidatin zu werden. Die Pflegefach- und Sozialbetriebswirtin aus Traben-Trabach hat die Unterstützung des Kreisverbands Bernkastel-Wittlich. Weitere Nominierungen gebe es nicht, sagt die Kreisvorsitzende Bettina Brück aus Thalfang. Sie gehe davon aus, dass Bindges die einzige Bewerberin bleibe. Offiziell gewählt wird der Direktkandidat am 28. November auf der Wahlkreiskonferenz. 2009 gewann Marcus Heintel für die SPD 23,7 Prozent der Stimmen.

Der Lauf der Jahreszeiten hat die FDP noch davon abgehalten, sich mit der Direktkandidatenfrage zu befassen. Die Partei wolle sich "nach der Traubenlese erneut mit diesem Thema befassen", erklärt der Kreisvorsitzende Dirk Richter aus Mülheim. Ein Bewerber aus dem Bereich Rhein-Hunsrück, der die Kandidatur angestrebt hatte, habe kurzfristig aus beruflichen Gründen absagen müssen. 2009 hatten die Liberalen Ralf Wilhelmi aus Simmern ins Rennen geschickt, der 19 Prozent der Stimmen erhielt.

Eine Premiere ist die Teilnahme an der Bundestagswahl für die FWG. Kreisvorsitzender Hans-Georg Jakobs (Binsfeld) geht davon aus, dass Anfang 2013 ein Kandidat nominiert wird. "Unser Ziel ist es, bundesweit alle Wahlkreise mit Direktkandidaten zu besetzen."

Einen Direktkandidaten aufzustellen sei bei den Grünen "Ehrensache", sagt der Kreisvorsitzende Uwe Andretta aus Morbach. Es seien zwei bis drei Bewerber im Gespräch. Eine Entscheidung gibt es aber erst 2013. Deshalb möchte Andretta noch keine Namen nennen. Vor vier Jahren ging die derzeitige Landesvorsitzende Britta Steck als einzige Bewerberin der Grünen auf Erststimmenfang und kam auf 7,7 Prozent.

Die Linken wollen sich nach dem Landesparteitag Ende November zusammensetzen, um sich auf einen Kandidaten festzulegen. "Es stehen zwei oder drei zur Auswahl, mit denen wir noch sprechen möchten", erklärt der Kreisvorsitzende Hans Werner Jung. Im Gespräch ist nach TV-Informationen unter anderem Martin Krötz aus Illerich (Kreis Cochem-Zell). Roger Mallmenn aus Birkheim hatte bei der vergangenen Bundestagswahl 7,2 Prozent der Erststimmen erhalten.

Abgeschlossen ist das Bewerbungsverfahren bei den Piraten ebenfalls noch nicht. Sie wollen erstmals einen Kandidaten nominieren. Derzeit stellen sich im Internet zwei Aspiranten vor: Markus Weber aus Altlay und Kevin Frantz aus Simmern stellen sich zur Wahl. Es könne sich aber weiterhin jedes Mitglied der Piraten im Wahlkreis bewerben, sagt Heiko Müller, Vorsitzender der Piraten in Rheinland-Pfalz. Wann eine Entscheidung fällt, steht noch nicht fest.Extra

Der Wahlkreis 201 Mosel/Rhein-Hunsrück umfasst den Landkreis Cochem-Zell, den Rhein-Hunsrück-Kreis und die verbandsfreie Gemeinde Morbach sowie die Verbandsgemeinden Thalfang, Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich (Altkreis Bernkastel). Bei der Bundestagswahl 2009 waren insgesamt 179 373 Menschen wahlberechtigt, die Wahlbeteiligung lag bei 72,6 Prozent. Seit 1949 gewann immer der Kandidat der CDU. Peter Bleser zog so häufig in den Bundestag ein wie kein Kandidat zuvor. Zuvor sicherten sich Paul Gibbert (zwischen 1949 und 1965), Klaus Bremm (1969 und 1972) sowie Waltraud Willi-Feld (zwischen 1976 und 1987) das Direktmandat. hsc

Extra (für Kinder erklärt)

Das Jahr 2013 wird für die Politiker ganz wichtig. Denn dann wird der neue Bundestag gewählt, eine Versammlung in der Hauptstadt Berlin. Sie besteht aus etwa 600 Abgeordneten aus dem ganzen Land, die bestimmen, wohin die Reise in Deutschland geht. Sie entscheiden zum Beispiel, ob Deutschland Soldaten in andere Länder schickt oder wie lange eure Eltern arbeiten müssen, bis sie in Rente gehen können. Bei der Bundestagswahl können die Deutschen, die älter als 18 Jahre sind, zwei Kreuzchen machen. Mit dem ersten Kreuz stimmen sie direkt für einen Politiker aus ihrer Heimat, der sie dann in Berlin vertritt und über die vielen wichtigen Sachen mitentscheidet. Das ist der sogenannte Direktkandidat, den eine Partei ins Rennen schickt. Eine Partei ist eine Gruppe von Menschen, die ähnliche Ansichten haben und gemeinsam für Ziele kämpfen. Der Direktkandidat, der bei der Bundestagswahl die meisten Erststimmen in einer Region bekommt, hat also automatisch einen Job im Bundestag. Mit der zweiten Stimme wählen die Leute dann eine Partei. uq
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