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Patientenschwund gibt Rätsel auf

Gut zu tun haben die Ärzte in der Birkenfelder Bereitschaftspraxis an den Wochenenden. Doch die Zahl der Morbacher Patienten ist geringer als erwartet. TV-Foto: Hermann Bohn
Gut zu tun haben die Ärzte in der Birkenfelder Bereitschaftspraxis an den Wochenenden. Doch die Zahl der Morbacher Patienten ist geringer als erwartet. TV-Foto: Hermann Bohn
Seit zwei Monaten müssen Patienten aus der Einheitsgemeinde am Wochenende nach Birkenfeld fahren, wenn sie einen Arzt brauchen. Dr. Klaus Hoebbel zieht im Gespräch mit dem TV eine erste Bilanz. Von unserer Redakteurin Ilse Rosenschild

Morbach/Birkenfeld. "Insgesamt läuft es sehr gut", schildert Dr. Klaus Hoebbel, der geschäftsführende Arzt der Birkenfelder Bereitschaftszentrale, seine Eindrücke aus den vergangenen zwei Monaten. Denn seit dieser Zeit machen die niedergelassenen Ärzte in Morbach am Wochenende nicht mehr selbst Bereitschaftsdienst. Dies übernimmt für sie die Zentrale in Birkenfeld. Die Zahl der Wochenend-Einsätze war in Morbach mit acht Kollegen, die sich abwechselten, vergleichsweise hoch. Auch wirtschaftliche Gründe hatten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Das Angebot in Birkenfeld werde "vergleichsweise moderat" angenommen. Die Zahlen liegen mit 15 bis 20 Patienten deutlich unter denen, die bisher den so genannten "kollegialen Bereitschaftsdienst" in Morbach in Anspruch nahmen. Da seien es eher 25 bis 30 Patienten gewesen. Woran liegt das? Möglicherweise überlege sich der eine oder andere Patient wegen der Anfahrtszeit doch, ob er unbedingt noch am Wochenende einen Arzt benötigt, oder ob die Behandlung bis Montag warten kann. Dass der eine oder andere Kranke keine Möglichkeit hat, in die benachbarte Kreisstadt zu fahren, vermag der Mediziner nicht auszuschließen. Erst kürzlich habe man eine "soziale Indikation" gehabt. Eine Mutter mit erkältetem Kind hatte nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, nach Birkenfeld zu kommen. "Unser Arzt verband diesen Hausbesuch mit einem weiteren in der Nähe", sagte Hoebbel. Doppelte Kosten seien auf diese Weise nicht entstanden. Die große Kritik unter den Patienten sei ausgeblieben, auch wenn nicht alle froh mit der Regelung seien. Ob sich die neue Struktur auch mit weniger Patienten als erwartet rechnet, dazu konnte der ehemalige Hausarzt noch nichts sagen. Das liege daran, dass Ärzte erst mit Verspätung erfahren, wie sie finanziell dastehen. Allerdings habe es für die Bereitschaftspraxis zusätzlich zum erwirtschafteten Honorar eine Pauschale gegeben. Die sei Anfang 2008 gestrichen worden. Ob künftig ein Fahrdienst für Patienten aus Morbach eingerichtet werden kann, ist noch völlig offen. Den Vorschlag machte ein Leser bei einem TV-Stammtisch. Morbachs Ortsvorsteher Hans Jung hatte dies aufgreifen wollen. Geschehen ist noch nichts. "Wir müssen erst ermitteln, wie groß der Bedarf ist."Möglicherweise tut sich allerdings etwas in Sachen Zentralapotheke, deutet Hoebbel an. Problematisch sei es, dass Patienten mit einer weiten Anfahrt möglicherweise zusätzlich zu einer entfernt liegenden Apotheke fahren müssen. Demnächst sollen Gespräche geführt werden, ob am Standort Birkenfeld eine Zentralapotheke eingerichtet werde.