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Plattschwätzer wollen Neuland erobern

Gerhard Schommers (links) und Dieter Schlagkamp schwätzen gern – am liebsten auf Platt. Sie machen sich fürs Idiom stark. Foto: Kevin Rühle
Gerhard Schommers (links) und Dieter Schlagkamp schwätzen gern – am liebsten auf Platt. Sie machen sich fürs Idiom stark. Foto: Kevin Rühle
Mosel/Hunsrück. 500 Mitglieder: Das ist das Ziel des Vereins Mundart-Initiative. Zurzeit sind 90 Leute dabei. Deswegen heißt es für die Dialekt-Liebhaber, mit einem facettenreichen Programm neue Mitglieder anzulocken. Der Vorsitzende hat dafür auch Schulen im Visier.

Mosel/Hunsrück. Der Verein Mundart-Initiative sucht die Offensive: Man wolle in absehbarer Zeit 500 Mitglieder in den eigenen Reihen haben, sagt der neue Vorsitzende Dieter Schlagkamp (Senheim). Oder, um es auf Platt mit seinen eigenen Worten auszudrücken: "Dä Vierstand von däm Verein hot sich mächtisch ent Zäich gelooch, um dorous en produktiv-revolutionäre Organisation zo bastele." Was nichts anderes bedeutet, als dass noch mehr Energie in den Verein fließt, der zurzeit 90 Mitglieder hat. Bei 92 Orten im Kreis Cochem-Zell sei dies "nicht allzu viel", sagt Vorstandsmitglied Gerhard Schommers.
Jetzt will die Initiative, die einzigartig in der gesamten Region ist, noch intensiver auf sich aufmerksam machen. Neben einer Internetpräsenz gibt es seit wenigen Tagen eine eigene Zeitung, "eine Hauspostille", wie Schlagkamp sie bezeichnet. Unter dem Titel "Mir Plattschwätzer - Dat näijeste von dänne ,Mund-Artiste\'" erscheint zwei- bis dreimal im Jahr ein kostenloses Infoblatt mit vielen eigenen Beiträgen auf Moselfränkisch. Auf drei Bereiche will sich die Mundart-Initiative in diesem Jahr konzentrieren:

Schulen:
"Wie kriegen wir die Jugend auf der Straße zum Platt?", fragt sich Schlagkamp. Dazu nehmen Schulen aus seiner Sicht eine Schlüsselstellung ein. Die Initiative ist derzeit in guten Gesprächen, hofft, dass in Kürze an einer Schule eine Arbeitsgemeinschaft für Platt schwätzende Schüler eingerichtet werden kann. Der Verein habe die Leute, die pädagogisch in der Lage seien, die Sprache beizubringen und zu vertiefen, betont Schlagkamp. Man wolle einen Fuß in die Schultüre bekommen, stoße aber noch auf Widerstand.

Nachbarn:
Der Kontakt zu den Nachbarregionen in Eifel, Mosel und Hunsrück soll ausgebaut werden. Im Vorjahr hat es dazu Dorfführungen in Monreal und Mastershausen gegeben. Von Reil moselaufwärts gibt es einzelne Personen, die sich um das sprachliche Erbe bemühen, allerdings hat sich keine feste Gruppe wie in Cochem-Zell formiert. Schommers: "Es gibt noch keine Vernetzung, es haben sich bisher nur Stammtische gebildet." Moselabwärts müsste - ganz im revolutionären Sinne Schlagkamps - noch Neuland erobert werden, besonders im Hinblick auf die Moselgemeinden Klotten, Pommern, Treis-Karden, Moselkern und Müden. Da beteiligen sich bislang kaum Bürger an der Initiative.

Bestandsicherung:
Publikumsrenner sind im Vorjahr Dorfführungen in Dialekt gewesen. "Das ist unheimlich gut eingeschlagen", sagt Gerhard Schommers und erinnert sich an einen Rundgang in Kaisersesch, zu dem 110 Interessierte strömten. Für 2013 sind drei Dorfführungen vorgesehen.
Weiterhin wird es mindestens zwei Mundartabende - in Mesenich und Lieg - geben. Und interessant verspricht die Vier-Dörfer-Tour im Hunsrück zu werden: In Forst, Liesenich, Mittelstrimmig und Altstrimmig machen die Plattschwätzer Station, schauen sich jeweils mindestens eine Sehenswürdigkeit an, die sie von Einheimischen kommentieren lassen. Organisiert hat die Tour am 7. September Vereinsmitglied Manfred Millen.
Trotz des umfangreichen Programms bleibt die grundsätzliche Sorge um das kulturelle Erbe. "Ich kenne sehr viele Leute, die sich scheuen, auf Platt zu reden, wenn sie in Gesellschaft sind", sagt Schommers. Er lässt sich davon nicht beeindrucken: "Ich spreche fast immer Platt. Ich bin ja damit großgeworden, und die Sprache liegt mir am Herzen." tb