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Wandern
Projekt Wandercent bringt Gemeinden wenig Euros ein

FOTO: Henning Kaiser
Morbach/Thalfang/Losheim. Mit einer Spende per SMS können Wanderer sich für eine schöne Tour auf dem Saar-Hunsrück-Steig bedanken. Die Erträge halten sich bislang in engen Grenzen.

Nach einer schönen Wanderung einen kleinen Betrag zum Unterhalt der Wanderwege zu spenden – das ist die Idee des Projekts „Wandercent“. Vor zwei Jahren startete die Initiative für gut 100 Premium-„Traumschleifen“ des Saar-Hunsrück-Steigs: Wanderer können per SMS zwei oder fünf Euro geben oder online Geld überweisen. „Jetzt sind wir dabei, das Projekt auch auf andere Wanderregionen in Deutschland auszuweiten“, sagte der Vorsitzende des Projekts, Wolfgang Jätzold, der Deutschen Presse-Agentur in Trier.

Interesse hätten bereits der sauerländische Gebirgsverein, der Westerwaldverein und die Gemeinde Bad Peterstal-Griesbach im Schwarzwald angemeldet. „Wir setzen auf den langfristigen Effekt, dass sich das rumspricht und noch weitere Regionen teilnehmen“, sagte Jätzold, der als passionierter Wanderer auf den Wandercent kam. „Ich finde es angemessen, dass Wanderer, wenn sie die Wege nutzen, auch zum Erhalt der Wege beitragen.“

Schließlich koste eine Gemeinde der Unterhalt eines Kilometers zertifizierter Wanderweg jährlich rund 400 Euro. Vier Mal im Jahr müssten die Strecken von einem Wegewart abgegangen werden, zwei Mal jährlich werde ein Forstexperte beauftragt, um nach den Bäumen zu sehen. Hinzu kämen immer wieder neue Wanderschilder plus regelmäßig eine neue Zertifizierung.

„Von den Tageswanderern haben Gemeinden finanziell in der Regel wenig bis nichts“, erklärte der selbstständige Kaufmann.

Daher sei es sinnvoll, wenn Wanderer nach einer Tour freiwillig spenden würden – auch als Anerkennung für die Gemeinde. Am Saar-Hunsrück-Steig fällt Jätzolds Bilanz nach zwei Jahren allerdings bescheiden aus: Pro Jahr seien jeweils rund 2000 Euro eingegangen. „Das ist weniger, als wir anfangs gedacht haben. Auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde Morbach verlaufen vier Traumschleifen. Bei der Touristinformation sei bisher eine Überweisung aus dem Topf eingegangen, berichtet Leiterin Franziska Fleckser. „Ein mittlerer zweistelliger Betrag“, sagt sie. Fleckser zeigt sich verwundert, das die Traumschleifennutzer nicht spendabler sind. „Vielleicht liegt es daran, dass der Empfang auf den Wegen nicht so gut ist. Und hinterher im Auto vergessen sie es.“ Offenbar sei auch der Charity-Gedanke nicht so ausgeprägt wie in Städten. Die Idee sei auf jeden Fall sehr gut. Das findet auch Daniel Thiel, Leiter der Touristinfo Thalfang. Mehr Geld als bei den Morbachern ist aber auch bei ihm nicht angekommen. Woran das liegt, weiß er nicht.

Wolfgang Jätzold ist überzeugt: Es liegt nicht an dem Projekt, sondern daran, dass viele es noch nicht kannten. „Wir müssen bekannter werden.“ Derzeit sei die Beschilderung für den Wandercent noch zu unauffällig.

„Als beim Felsenweg in Losheim größere Schilder aufgehängt wurden, hat sich das Spendenaufkommen knapp verfünffacht“, berichtete er. Wenn Wanderer das Projekt wahrnehmen würden, sei die Bereitschaft zu spenden sogar höher als gedacht: Jeder Dritte gebe per SMS fünf Euro. Per Überweisung lägen die Beträge sogar im Schnitt bei 12 bis 13 Euro.

(dpa)