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Rodung für Windkraft

Rheinböllen/Ellern. Im Soonwald gibt es Streit um die Errichtung von Windrädern. Die 200 Meter hohen Anlagen stehen in einer Region, die möglicherweise Teil eines Nationalparks Soon werden könnte.

Rheinböllen/Ellern. Seit Freitagmorgen punkt 8 Uhr knattern auch auf der Nordseite des Soonwaldkamms die Motorsägen, fressen sich Harvester in den Wald hinein. Die Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück hatte zuvor dem vorzeitigen Baubeginn in den Gemarkungen Ellern und Rheinböllen zugestimmt. Insgesamt acht bis zu fast 200 Meter hohe Windräder will Juwi auf Hochsteinchen (vier Anlagen) und Katzenkopf aufstellen.
Genehmigt sind die Windmühlen noch nicht, das Verfahren läuft derzeit bei der Simmerner Kreisverwaltung. Wesentliche Voraussetzung für die jetzt erlaubten Rodungsarbeiten ist die Einschätzung der Kreisverwaltung, dass sie mit einer Entscheidung im Genehmigungsverfahren zugunsten Juwis rechnet.
14 Fledermausarten betroffen


"Mit der Entscheidung über die Genehmigung tue ich mich schwer", unterstreicht Bertram Fleck. Der Landrat ist Vorsitzender des Trägervereins Naturpark Soonwald-Nahe und bekennender Befürworter eines Nationalparks im Soon. "Ich hätte den Soonwald gern von der Windkraft frei gehalten. Als Chef der Genehmigungsbehörde muss ich aber Recht und Gesetz beachten", betont Fleck. "Hier müssen persönliche Ansichten zurücktreten. Wenn ein Anspruch auf Erteilung einer Genehmigung besteht, muss sie erteilt werden." Er hebt hervor, dass sowohl Umweltministerium als auch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) sämtliche Unterlagen geprüft und anschließend die Kreisverwaltung angewiesen hätten, die Rodungsarbeiten zu genehmigen.
Der Naturschutzbund (Nabu) geht mit der Kreisverwaltung hart ins Gericht: "Sie stimmt der Rodung einer fünf Hektar großen Soonwaldfläche zu, bevor die Genehmigung der Anlagen überhaupt vorliegt", sagt der stellvertretende Nabu-Landesvorsitzende Andreas Lukas. Er behält sich rechtliche Schritte vor. "Wir werden prüfen, ob ein Eilverfahren gegen den vorzeitigen Baubeginn Sinn macht."
Kritik übt der Nabu auch an dem Wörrstädter Energieunternehmen. "Gerade von Juwi hätte man ein anderes Vorgehen erwartet. Wenn man bedenkt, dass 14 der 20 in Rheinland-Pfalz vorkommenden Fledermausarten den Soonwaldkamm als Lebensraum nutzen, dann kann man über diese Art der Planung und des Vorgehens nur den Kopf schütteln", sagt Peter Fischer, Vorsitzender des Nabu Rhein-Hunsrück.
Das sieht Juwi anders. "Wir berücksichtigen alle naturschutzrechtlichen Anforderungen und schaffen durch Aufforstung neuen, höherwertigen Lebensraum für Fledermäuse", teilt das Unternehmen mit. "Energiewende und Naturschutz sind für uns keine Gegensätze", stellt Matthias Willenbacher, Vorstand der Juwi-Gruppe, klar. "Beides gehört zusammen und wird bei unseren Projekten für regenerative Energieanlagen berücksichtigt." Die Baumfällarbeiten müssten bis Frühlingsbeginn abgeschlossen sein, um Fauna und Flora zu schützen, die sich noch in einer Art "Winterschlaf" befinden. red