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Infrastruktur
Streit um den Erhalt der Bahngleise

Offensichtlich ist man im Saarland dabei, die Weichen für einen Abbau der Gleise der Hochwaldbahn zu stellen.
Offensichtlich ist man im Saarland dabei, die Weichen für einen Abbau der Gleise der Hochwaldbahn zu stellen. FOTO: Christoph Strouvelle
Hermeskeil/Morbach . Schon bald will man auf saarländischer Seite damit beginnen, die Trasse der Hochwaldbahn in einen Radweg umzubauen. Von Christoph Strouvelle

(cst) Schon lange dauern die Auseinandersetzungen um den Erhalt der Hochwaldbahn zwischen Türkismühle und Hermeskeil. Auf saarländischer Seite favorisiert man den Umbau der Trasse zu einem Radweg, in Rheinland-Pfalz haben sich die lokalen Politiker bisher für einen Erhalt der Gleise ausgesprochen. Doch jetzt werden auf saarländischer Seite offensichtlich Fakten geschaffen: Lukas Kowol von der Stabsstelle für Pressearbeit der Kreisverwaltung St. Wendel bestätigt Gerüchte, wonach der Abbau der Gleise zwischen Türkismühle und der Landesgrenze demnächst starten soll. Demnach wird die Naturland-Ökoflächenmanagement GmbH (ÖFM), eine Tochter der Naturlandstiftung Saar, Flächen von der Bahn kaufen, auf denen der Freizeitweg errichtet wird.

Hierzu werde dann ein weiterer Vertrag zwischen der ÖFM und den Gemeinden geschlossen, sagt er. Dieser Vertrag befinde sich in der Beratungsendphase. Über Vertragsbestimmungen äußert sich Kowol nicht, da die Inhalte dem Vertragsgeheimnis unterliegen und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. „Wir sind zuversichtlich, die Vertragsverhandlungen in den nächsten Wochen abschließen und mit der Projektverwirklichung beginnen zu können“, sagt er. Damit scheinen für Patrick Pandel vom Verein IG Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald die Befürchtungen wahr zu werden. Der Verein setzt sich für den Erhalt der Bahnstrecke von Büchenbeuren nach Türkismühle ein und beabsichtigt, zwischen Morbach und Thalfang eine Nationalparkbahn für Tourismuszwecke zu betreiben. „Die saarländischen Politiker interessieren sich nicht für den Erhalt der Trasse“, sagt er.  Auch, wenn es tatsächlich zum Abbau der Gleise auf saarländischer Seite kommt: Der Abbau der Gleise würde nicht das Aus für die Pläne des Vereins bedeuten, sagt er. „Die Nationalparkbahn würde auch ohne einen Anschluss nach Türkismühle funktionieren“, sagt Pandel.

Trotz der offensichtlich fortgeschrittenen Verhandlungen geben er und seine Vereinskollegen nicht auf, die Gleise vor dem Abbau zu bewahren. Per Unterschriftenaktion, die sie gemeinsam mit der „BI Bahn+Rad im Hochwald“ initiieren, wollen sie den saarländischen Lokalpolitikern klar machen, dass es „mehr als drei Leute“ sind, die die Bahnstrecke erhalten wollen.

Heike Kugler, ehemalige Landtagsabgeordnete der Linken im Saarland und Mitglied des Gemeinderats Nohfelden, bezeichnet die Pläne zum Abbau der Gleise als „Wahnsinn.“  Den Radweg könne man auch neben die ursprünglich zweigleisig und heute einspurig ausgebaute Bahnstrecke legen. Dann wäre statt eines Leuchtturmprojekts Radweg beispielsweise ein Leuchtturmprojekt Radweg mit Draisine möglich, von dem touristische Anbieter profitieren würden.

In wenigen Tagen seien schon mehrere Hundert Unterschriften zum Erhalt der Trasse gesammelt worden, sagt Kugler. 

Sind die Pläne zum Abbau der Gleise denn überhaupt noch zu stoppen? Anderswo sei das schon gelungen, sagt sie. Kugler: „Das hängt davon ab, wie wir die Bürger mobilisieren können.“