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Wirtschaft
Mit 66 Jahren, da fängt für einen Kaufmann aus Morbach das (Privat)-Leben an

Gertrud und Hermann Korte wollen ihr Schuhfachgeschäft in jüngere Hände legen.
Gertrud und Hermann Korte wollen ihr Schuhfachgeschäft in jüngere Hände legen. FOTO: Herbert Thormeyer
Morbach. Das Schuhhaus Korte in Morbach hat eine lange Geschichte. Nun sucht der Inhaber Nachfolger für seinen Familien- und Traditionsbetrieb. Von Herbert Thormeyer

  Seit 66 Jahren gibt es das Schuhhaus Korte in der Morbacher Hebegasse 9. Gertrud und Hermann Korte wollen jetzt den verdienten Ruhestand genießen, denn 66 Jahre ist auch der Inhaber alt, der seine heutige Frau Gertrud (63) im Betrieb des Vaters August kennen lernte.

1952 ging der Schuhfachhandel an den Start, immer an derselben Stelle. Vater August und seine Frau Helene hatten so viel Erfolg, dass mehrfach um- und angebaut werden musste. 1984 wurde das gut eingeführte Geschäft an die nächste Generation übergeben.

„Ich habe zunächst auf der Verwaltung in Morbach gearbeitet“, sagt Hermann Korte. Von 1965 bis 1970 war er bei der Bundeswehr.

Doch dann entstand ein Kuriosum: „Das Lehrmädchen brachte mir bei, wie man richtig Schuhe verkauft.“ Gertrud ergänzt: „Es hat nicht gleich gefunkt, dann aber richtig.“

Bereits kurz nach dem Krieg, im Jahr 1948, hatte Vater August  mit einer Schuhreparaturwerkstatt angefangen. Der kleine Hermann war oft beim Vater in der Werkstatt, denn da roch es so interessant und es gab so große Maschinen.

Diesmal klappte eine Übergabe an eins der drei Kinder nicht, denn Sohn Stephan ist zwar Orthopädieschuhtechniker, arbeitet aber in der Schweiz. Tochter Sabrina lebt in den USA und die Jüngste, Lina, ist Physiotherapeutin und Fotografin.

Jetzt den Laden einfach zusperren, das wollen die Inhaber  den vielen Stammkunden und auch  den drei Angestellten nicht antun.

„Die jahrzehntelange Erfahrung darf nicht einfach so verloren gehen“, findet der Chef. Deshalb bemüht sich das Paar um potenzielle Nachfolger. Aber noch sei nicht klar, ob es wirklich weitergeht.

Warum entschied sich der Geschäftsmann, nach all den Jahren  aufzuhören? „Der Gedanke ans Aufhören kam, weil künftig digitale Kassensysteme nötig sind. Das ist uns zu viel Aufwand“, erklärt Korte.  Außerdem ging das Bestellen im Internet nicht spurlos am Fachgeschäft vorbei. „Doch die Kunden schätzen es, von Fachpersonal beraten zu werden“, darauf will Korte weiter vertrauen.

Ist der Ruhestand vollzogen, gibt es mehr Zeit für Hobbys wie Wandern, Radfahren und die Kinder besuchen, denn das ist immer mit schönen Reisen verbunden.

Bis auf Weiteres hat das Schuhhaus Korte noch zu den üblichen Zeiten geöffnet.