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Sechs Millionen Euro für Hochwasserschutz

Thalfang/Dhronecken. Die Renaturierung von Thalfanger Bach und Röderbach sowie der Zuflüsse geht in die nächste Phase. Ab dem Frühjahr werden zwischen Thalfang und Dhronecken etliche Abschnitte renaturiert. Ziel ist ein nachhaltiger Hochwasserschutz, den sich das Land allein in diesem Bereich etwa sechs Millionen Euro kosten lässt. Ursula Schmieder

Thalfang/Dhronecken. Die gerade bewilligte Fördersumme hört sich gewaltig an. Mit 611 500 Euro unterstützt das Land Rheinland-Pfalz die Renaturierung von Thalfanger Bach und und des ihn speisenden Hohlbachflößchens. Dabei handelt es sich bei den im Frühjahr 2014 anlaufenden Arbeiten lediglich um das "Teilprojekt 4" eines langfristigen Vorhabens. Auf voraussichtlich zehn Jahren angelegt, ist es insgesamt mit etwa sechs Millionen Euro kalkuliert.
Allerdings beinhaltet es auch sehr viel mehr, als den Wunsch, vor Jahrzehnten begradigten Bächen zu ihrem natürlichen Verlauf zu verhelfen und erneut idyllische Bachtäler zu schaffen. Vordringliches Ziel des Flussgebietsentwicklungskonzeptes (siehe Extra) ist vielmehr der Hochwasserschutz.
Denn die Fehler der Vergangenheit haben fatale Folgen in der Gegenwart. So etwa den, dass das Wasser begradigter Bäche schneller fließt. Beim Starkregen-Unwetter im Sommer spielte das auch in Thalfang eine Rolle (der TV berichtete). Nach Auskunft von Landschaftsentwickler Carsten Neß (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel), das mit der begleitenden Flurbereinigung betraut ist, gingen binnen einer halben Stunde etwa 40 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Die geballten Massen überfluteten auch ein inzwischen weitgehend fertiges Regenüberlaufbecken am Thalfanger Ortsrand Richtung Dhronecken. Sein Bau war Voraussetzung für die 2014 im Tal zwischen Thalfang und Dhronecken anstehenden Arbeiten.
Bäche und Bachzuläufe werden auf einer Länge von insgesamt etwa 3,5 Kilometern renaturiert. Unter anderem dadurch, dass sogenannte Störsteine ins Bachbett eingebaut werden. Sie sollen das Wasser ablenken und dem Bach dazu verhelfen, dass er sich wieder natürlich durch das Gelände schlängeln kann.
Weitere Hilfsmittel sind Totholz, Wurzeln und Stammabschnitte, die entlang des Bachbettes platziert werden, oder an ausgesuchte Stellen geschüttetes Gestein. Damit soll der Tiefenerosion entgegen gewirkt werden. Weil sich das Wasser so besser in den Bachauen ausbreiten kann, wird die Fließgeschwindigkeit verlangsamt.
Bauträger ist die Verbandsgemeinde Thalfang.
Nach Auskunft von Bauabteilungsleiter Udo Keuper wird die Ausschreibung der Arbeiten derzeit vorbereitet. Ein Ingenieurbüro sei damit betraut. Keuper geht davon aus, dass das Landesgeld aus der Aktion Blau auch 2014 fließt und im Frühjahr mit den Arbeiten begonnen werden kann. In einem ersten Schritt wurden Ende 2011 Flächen auf Hilscheider Gemarkung renaturiert (der TV berichtete). Eine weitere Voraussetzung war der Bau des Überlaufbeckens am Ortsausgang von Thalfang. Laut Werkleiter Edwin Maßmann ist es weitgehend fertig und von der nach Dhronecken führenden Straße aus zu etwa einem Drittel zu sehen.Extra

Das Flussgebietsentwicklungskonzept "Oberlauf Kleine Dhron" wurde 2008 für das Einzugsgebiet des Baches erarbeitet. Er nimmt seinen Anfang in Dhronecken, wo Thalfanger Bach und Röderbach zur Kleinen Dhron zusammenfließen. Sie mündet bei Papiermühle in die Dhron, einen Zufluss der Mosel. Voraussetzung für die Renaturierung von Thalfanger Bach und Röderbach sowie den kleineren Goth-, Odenschützer-, Loch- und Gröschelbach war der Bau dreier Rückhaltebecken. Das dritte, ein Regenüberlaufbecken am Ortsausgang von Thalfang in Richtung Dhronecken, ist weitgehend fertig. Ebenfalls vorab erforderlich waren die ab 2008 vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel eingeleiteten Flurbereinigungsverfahren. In ihrem Verlauf werden private Flächen in öffentliche umgewandelt: Kommunen kaufen sie über die Aktion Blau, ein Programm des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums, das seit 1995 den naturnahen Rückbau von Gewässerläufen fördert: für dieses Konzept mit gut 90 Prozent. Für die Pflege der Flächen werden Vereinbarungen mit Landwirten getroffen. urs