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Simmern folgt nach Rio und Venedig

Damit „Die andere Heimat“ auf der Leiter des Erfolgs nach oben klettern kann, legen sich in Simmern Wolfgang Stemann und Andreas Nikolay (rechts) ins Zeug. Seit Tagen hängt am Kino ein großes Werbebanner. Foto: Werner Dupuis
Damit „Die andere Heimat“ auf der Leiter des Erfolgs nach oben klettern kann, legen sich in Simmern Wolfgang Stemann und Andreas Nikolay (rechts) ins Zeug. Seit Tagen hängt am Kino ein großes Werbebanner. Foto: Werner Dupuis
Morbach/Simmern. Eine öffentliche Welturaufführung ist ein großes Projekt. Seit Wochen sind die Stadt Simmern, die Macher des Pro-Winzkinos, die Edgar Reitz Filmproduktion sowie der Concorde Filmverleih damit beschäftigt, die Premiere von "Die andere Heimat" am 28. September in Simmern auf die Schiene zu setzen. Volker Boch

Morbach/Simmern. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", sagt Simmerns Bürgermeister Andreas Nikolay, "wir sind in enger Abstimmung mit dem Team um Edgar Reitz und Concorde dabei, alle Programmpunkte zu organisieren."
Edgar Reitz ist mit seinem Epos bereits vorher bei Filmfestspielen in Venedig, Brasilien und Kanada eingeladen. Aber sowohl die Vorführung der "Anderen Heimat" im Sala Perla bei der 70. Biennale in Venedig (der TV berichtete), die Teilnahme an den Filmfestspielen in Toronto (5. bis 15. September) als auch beim Festival do Rio (26. September bis 10. Oktober) sind unabhängig von der eigentlichen Uraufführung in Simmern zu sehen.
Prominente Ehrengäste


"Das ist ganz normal, dass ein solcher Film vorab bei Filmfestspielen gezeigt wird", sagt Wolfgang Stemann vom Pro-Winzkino. Das gilt für James Bond gleichermaßen wie für Edgar Reitz.
In Venedig tritt Edgar Reitz außer Konkurrenz an, bei der Biennale bekommt ihn nur ein exklusiver Kreis an Zuschauern zu sehen. Genauso wird es in Rio und bei den Filmfestspielen in Toronto sein.
Es war Edgar Reitz ein Anliegen, gerade in Venedig mit seinem neuen Film dabei zu sein, wo er schon 1966 einen Silbernen Löwen erhielt (für den Film "Abschied von gestern") und wo die Ur-"Heimat" 1984 mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde.
Genauso war es das Ansinnen des gebürtigen Hunsrückers, dass die Öffentlichkeit "Die andere Heimat" erstmals in der Region zu sehen bekommt. Die öffentliche Weltpremiere bleibt also wie geplant in Simmern. Abseits der großen Öffentlichkeit wird auch der Dokumentarfilm "Making of ,Die andere Heimat\'" des Münchener Regisseurs Ingo Fliess erstmals bei den Hofer Filmtagen (22. bis 27. Oktober) gezeigt, bevor er in Reitz\' Heimatort Morbach seine öffentliche Premiere feiert. Danach will das Pro-Winzkino den Dokumentarfilm ab Anfang November sofort in sein Programm aufnehmen. Das Kino und die Hunsrückhalle in Simmern werden aber bereits am 28. September von "Die andere Heimat" dominiert sein. Prominente Ehrengäste, Schauspieler und das gesamte Filmteam werden den Film dann ebenso wie ein höchstwahrscheinlich sehr kleiner Kreis an glücklichen zahlenden Gästen erleben können. An beiden Spielstätten sind jeweils zwei Aufführungen geplant. "Die Einladungen gehen kurzfristig raus", sagt Andreas Nikolay. Die Abstimmungsphase aller Einladungsadressen zwischen dem Filmverleih, der Produktionsfirma und der Stadt hat einige Tage in Anspruch genommen, aber nun steht die große Liste der Ehrengäste für den 28. September. Diese Liste wird vor allem von Schauspielern und Mitwirkenden am Film dominiert - und so kommt es letztlich auf die Anzahl der definitiven Anmeldungen an, ob und wie viele Karten es im freien Verkauf für die Premiere geben wird.
Öffentliche Live-Interviews



Simmerns Bürgermeister verspricht allerdings auch jedem, der kein Ticket für die Vorstellungen am 28. September bekommen wird, jede Menge Abwechslung und viel Programm für den Premierentag. "Die Leute sollen auch dann nach Simmern kommen, wenn sie keine Karte bekommen haben", sagt der Stadtchef. In Simmern wird es öffentliche Live-Interviews mit den Protagonisten des Films ebenso geben wie viele andere Programmpunkte. So ist unter anderem die Vorführung des heimatlichen Reitz-Klassikers "Geschichten aus den Hunsrückdörfern" geplant, der ein überaus erheiterndes und schönes Stück Film-, Regional- und Regisseurgeschichte ist - und auch der Beginn der "Heimat".
Fritz Schellack, der Leiter des Hunsrück-Museums, arbeitet zurzeit an einer "Heimat"-Ausstellung, daneben wird Brot aus Korn gebacken, das auf den damals eigens für den Film angelegten großen Feldern geerntet wurde. Ein Großteil der Innenstadt soll zum Erlebniszentrum rund um den Film werden - Simmern wird zur Edgar-Reitz-Flaniermeile. "Wir sind dabei, die Stadt mit der anderen Heimat zu erfüllen", sagt Andreas Nikolay.
Den Abschluss eines langen Film- und Veranstaltungstages soll nach Mitternacht ein Orgelkonzert in der Stephanskirche darstellen - als Abrundung einer schillernden und gleichsam heimatverbundenen Premiere. Ein Team erarbeitet in regelmäßigen Sitzungen den Fahrplan für den 28. September. So viel ist bereits sicher: Ob mit Ticket oder nicht, der Besuch der Premiere wird ein besonderes Erlebnis.