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Sprachlehrer gesucht

FOTO: Christoph Strouvelle (cst) ("TV-Upload Strouvelle"
Morbach. Während in Deutschland derzeit überlegt wird, wie die vielen Menschen aus Nordafrika und dem Nahen Osten integriert werden können, haben die ersten Flüchtlinge im Hunsrück bereits eine Arbeitsstelle gefunden. Das Unternehmen Papier-Mettler in Morbach organisiert sogar eigene Sprachkurse für potenzielle Mitarbeiter. Christoph Strouvelle

Morbach. Sechs junge Männer aus Eritrea im Alter zwischen 21 und 25 Jahren sitzen in einem Konferenzraum des Morbacher Industriebetriebes Papier-Mettler. Johanna Kranz, eine von zwei Sprachlehrerinnen, die das Unternehmen mit dem Deutschunterricht für die Afrikaner beauftragt hat, geht von einem ihrer Schüler zum anderen, korrigiert hier, ergänzt dort.

Kranz ist voll des Lobes über ihre Sprachschüler: "Sie sind höflich, freundlich, wissbegierig und fleißig ohne Ende", sagt sie. Viermal wöchentlich kommen die jungen Männer zum Sprachunterricht. Jedes Mal gibt Kranz ihren Schülern Hausaufgaben auf, stets seien diese am nächsten Unterrichtstag gemacht. Ab Mitte des Monats, wenn sich die ersten Sprachkenntnisse verfestigt haben, kommt ein Praktikumstag in der Fertigung hinzu. Im Unterricht seien die jungen Männer aus Eritrea oft locker, lachten auch viel, berichtet Kranz. Doch in der Anwesenheit fremder Personen sind sie trotz erster Deutschkenntnisse sehr zurückhaltend. "Mir gefällt es hier sehr gut", lässt sich Ataklti Ashera entlocken. Will er bei Papier-Mettler arbeiten? "Gerne." Das gelte für alle, sagt Elke Kleiner, die für das Unternehmen die Arbeit mit den Flüchtlingen koordiniert. Zudem möchten sich die Afrikaner eine neue Existenz aufbauen und in Frieden leben, sagt Kleiner.

Die Kosten für die Sprachlehrerinnen trägt das Unternehmen. Die Fahrtkosten trägt das Bundesamt für Migration, die Bücher kaufen die Sprachschüler selbst. Warum engagiert sich das Unternehmen so in der Flüchtlingsarbeit? Zum einen wolle man als Arbeitgeber soziale Verantwortung übernehmen, sagt Kleiner. Des Weiteren hoffe man, über die Sprachkurse mit Praktikumstag neue Mitarbeiter zu finden und gleichzeitig den Menschen eine Perspektive zu bieten, damit diese im Hunsrück sesshaft werden können. Der Kontakt sei über das Job Center in Wittlich und die Flüchtlingsinitiative "Miteinander in Morbach" zustande gekommen. Eigentlich habe das Unternehmen Ressourcen, um in einem zweiten Sprachkurs weitere Flüchtlinge in Deutsch zu unterrichten und als Arbeitnehmer zu gewinnen. Jedoch sei es ein Problem, Sprachlehrer zu bekommen, sagt Kleiner.

Das Unternehmen hat bereits erste positive Erfahrungen mit Flüchtlingen in der Produktion gemacht. Einen Syrer habe das Unternehmen nach Integrationskurs und Praktikum als Maschinenführer fest angestellt. Ein weiterer habe ebenfalls als Maschinenführer gearbeitet, dieser habe jetzt jedoch bei einem anderen Unternehmen eine Ausbildungsstelle in seinem Wunschberuf als KFZ-Mechaniker gefunden. Ein Mann aus Aserbaidschan hat in seiner Heimat als Radiotechniker gearbeitet und absolviert jetzt in der Elektroabteilung eine Einstiegsqualifizierung. Papier-Mettler setzt weiter auf eigene Sprachkurse: Kleiner: "Über die Sprache die Menschen ins Arbeitsleben integrieren, ist der richtige Weg."