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Thalfanger schicken Brandbrief an Malu Dreyer

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Thalfang.. Ehrenamtliche leisten seit Monaten wichtige Arbeit in der Flüchtlingshilfe in Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich). Aber sie sind inzwischen am Limit. Mit einem Offenen Brief fordern sie Hilfe von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Den wird sie am Freitag erhalten, wenn sie zum Neujahrsempfang der SPD nach Kröv kommt. Hans-Peter Linz

"Wir sind an unseren Grenzen angelangt. Es geht nicht mehr!" sagt Silvia Pfeiffer von der Flüchtlingshilfe in Thalfang. Deshalb hat ihr Verein einen Offenen Brief an die Ministerpräsidentin geschrieben.
Der Brief soll ihr am Freitag, beim Neujahrsempfang der SPD in Kröv (16.30 Uhr, Weinbrunnenhalle), überreicht werden. Vorab hatte die Flüchtlingshilfe den Brief an die Kontakt-E-Mail-Adresse der Staatskanzlei in Mainz geschickt. In der Verbandsgemeinde Thalfang kümmern sich Silvia Pfeiffer und ihre Mitstreiter um 85 Flüchtlinge, sie geben ihnen Deutschunterricht und helfen ihnen, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden.

In dem Brief schreibt die Flüchtlingshilfe, dass in Anbetracht der Zahlen an Asylsuchenden eine entsprechende Personalausstattung erforderlich sei. Der Personalschlüssel orientiere sich immer noch an zehn bis 15 Personen pro Monat, aber seit Langem bewege sich diese Zahl in einer völlig anderen Größenordnung. "Wenn Integration wirklich gelingen soll, ist aus unserer Sicht seitens des Landes hier Abhilfe zu schaffen: Es muss dafür Personal (…) aufgestockt werden." Der Brief nimmt auch Bezug auf die Diskussion in den sozialen Medien und die Stimmung im Land: "Wir möchten vor diesem Hintergrund daran erinnern, dass es in Hochzeiten der Finanzkrise der Banken offensichtlich ein leichtes war, die erforderlichen Beträge zur Rettung zur Verfügung zu stellen. Ein Blick in die tobende Diskussion bei Facebook zeigt uns allen, dass wir mit einer explosiven Situation konfrontiert sind." Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, bestätigt die Problematik, die nicht nur bei den Ehrenamtlichen, sondern auch bei der Verwaltung bestehe.

Es könne nicht dauerhaft Arbeit auf Ehrenamtliche abgewälzt werden. Hüllenkremer: "Im Moment ist die Situation so, dass wir am Limit sind. Das kann eine gewisse Zeit so gehen. Aber man kann nicht immer Überstunden machen. Die müssen auch irgendwann abgebaut werden." Das Innenministerium könne diese Aufgabe nicht unter dem Verweis auf die kommunale Selbstverwaltung auf die Gemeinden abwälzen. Landrat Gregor Eibes, dem der Brief ebenfalls vorliegt, sagt dem TV gegenüber: "Ich unterstütze die Forderung der Thalfanger Flüchtlingshilfe an das Land, die hervorragende Arbeit vor Ort nicht nur durch die Akzeptanz einer weiteren Verschuldung, sondern durch die 100-Prozent-Finanzierung entsprechender Koordinierungsstellen weiter zu verbessern. Als Vorbild könnte das Bundesland Bayern dienen, das pro 75 Asylbegehrenden eine Stelle bei den Kommunen vollständig finanziert." In der Staatskanzlei in Mainz war der Brief am Mittwoch noch nicht bekannt, wie Medienreferent Michael Maurer mitteilt. Der Trierische Volksfreund hat ihn dem Medienreferenten übermittelt. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat sich bei Redaktionsschluss noch nicht dazu geäußert.

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