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Kommunales
Am Hunsrückhaus liegt einiges im Argen

Der Spielplatz ist bereits seit einem Jahr gesperrt und für Kinder damit nicht mehr verfügbar.
Der Spielplatz ist bereits seit einem Jahr gesperrt und für Kinder damit nicht mehr verfügbar. FOTO: Christoph Strouvelle
Erbeskopf. Gäste am Erbeskopf beschweren sich über den Zustand der Freizeitanlagen am Nationalparktor und sprechen gar von „Anti-Tourismus.“  Zweckverbandsvorsteher Marc Hüllenkremer verweist auf neue Konzepte.

Ist das Gelände rund um das Hunsrückhaus noch einladend für Familien mit Kindern und Touristen? Der Malborner Alexander Lürmann bezweifelt das. „Der Spielplatz ist bereits die zweite Saison gesperrt“, sagt der Senior, der seine Enkelkinder dort gerne hätte spielen lassen. Er zeigt auf die Pfosten mit dem Kletternetz, die mit rot-weißen Flatterband umwickelt sind. Genauso wie drei weitere Pfähle, an denen nicht mehr erkennbar ist, welches Spielgerät sich daran befunden hat. Nicht weit davon sind nur noch Fragmente von Halterungen zu sehen. „Für mich ist das eine Anti-Tourismus-Skulptur, eine Baustellenbeschreibung mit Flatterband“, sagt Lürmann.

Er hatte sich deshalb bereits 2017 an die Thalfanger Verwaltung gewandt. In seiner Antwort an Lürmann hatte der Thalfanger Tourismus-Chef Daniel Thiel seinerzeit in Aussicht gestellt, dass „wir in 2018 ein attraktives und familienfreundliches Angebot im Außenbereich zur Verfügung stellen.“ Doch jetzt sind die Sommerferien 2018 vorbei, „und nichts ist passiert“, sagt Lürmann. „Der Spielplatz ist ein Symbol für Antihaltung im Tourismus.“ Auch den Sinnesgarten hinter dem Hunsrückhaus kritisiert der Malborner. Denn die dort installierte Sprechanlage, mit der Kinder und Erwachsene über große Entfernung kommunizieren können, sei defekt. „Ich habe beobachtet, wie mehrere Kinder das innerhalb kurzer Zeit ausprobieren wollten“, sagt er.

Betrachtet man die weitere touristische Infrastruktur rund um das Hunsrückhaus, werden weitere Mängel deutlich. Mehrere Infoschilder sind teilweise kaum noch zu lesen. Interaktive Elemente wie Tastkästen, bei denen Kinder den Inhalt raten sollen, sind nicht mehr befüllt. Hinweisschilder weisen auf Attraktionen wie das sogenannte Dendrophon hin, deren Pfosten durchgefault sind und deren Überreste an der Außenwand der ehemaligen Waldgaststätte abgestellt sind. Zudem erobert sich die Natur die Wege wieder zurück, sprich: Zwischen dem Splitt auf den Wegen, die durch den Sinnesgarten führen, wachsen Mengen an Unkraut und Löwenzahn. Und es wäre bei den heißen Temperaturen auch schön, wenn Sonnenschirme die Sitzgelegenheiten vor dem Hunsrückhaus beschatten, sagt Lürmann. „Es gibt hier keine Willkommensstruktur.“

Birthe Feil, Counterleiterin im Hunsrückhaus bestätigt, dass sich mehrfach Besucher wegen des Zustands der Anlagen bei ihr beschwert hätten. Diese habe sie weitergeleitet ans Thalfanger Rathaus.

Marc Hüllenkremer, Vorsitzender des zuständigen Zweckverbandes Erbeskopf, bezeichnet die Kritik als grundsätzlich nachvollziehbar. Die Spielgeräte seien in die Jahre gekommen und mussten daher gesperrt und teilweise abmontiert werden. Doch habe mit dem Land abgestimmt werden müssen, welche Flächen anlässlich der Umstrukturierung des Hunsrückhauses zum Nationalparktor für andere Zwecke als bisher benötigt werden. Dies betreffe die Flächen neben und hinter dem Hunsrückhaus mit dem Sinnesgarten auch der Bereich des  bisherigen Spielplatzes. „Dass es in solchen Umstrukturierungsphasen für einzelne Personengruppen vorübergehend zu Beeinträchtigungen kommt, lässt sich leider nicht vermeiden. Hierfür bitten wir um Verständnis“, sagt der Verbandsvorsteher. Inzwischen sei klar, dass die Spielplatzfläche nicht für den Außenbereich der Nationalparktor-Ausstellung benötigt wird. Der Rückbau der Spielgeräte sei am Dienstag erfolgt. Ein neuer Spielplatz koste zwischen 15000 und 20000 Euro und könne vom Zweckverband nicht vollständig eigenfinanziert werden. Der Zweckverband bemühe sich daher, die Finanzierung über Sponsoring sicherzustellen. Neben der Rutsche sollen weitere Spielgeräte aufgestellt werden. In Kürze könnten Kinder eine Schaukel nutzen.

Hinsichtlich des Außenbereiches um das Hunsrückhaus merkt Hüllenkremer an, dass das Land Rheinland-Pfalz ein eigenes Konzept in Zusammenhang mit der Einrichtung des Nationalparktores umsetzen wird. Dieses Konzept liegt mittlerweile vor und soll im kommenden Jahr umgesetzt werden. Hüllenkremer: „Insofern wäre es seitens des Zweckverbandes nicht vertretbar gewesen, jetzt noch erhebliche Investitionen in den betreffenden Bereichen mit Erlebnisgelände, Sinneserfahrungsweg und Klimamessgarten zu tätigen.“

Meinung:

Ein Jahr vor den Landtagswahlen hat die Landesregierung 2015 den ersten Nationalpark in Rheinland-Pfalz gegründet. Er sollte ein Leuchtturm für Naturschutz und Tourismus werden und die Hunsrückregion stärken. Es wurden damals viele Versprechungen gemacht. Drei repräsentative Nationalparktore sollten entstehen, eines davon soll das Hunsrückhaus am Erbeskopf werden. Aber der Zustand dieses Tors ist nun, im dritten Jahr des Bestehens des Nationalparks, schlichtweg eine Schande.

Ein dermaßen unansehnlicher Außenbereich trägt gewiss nicht dazu bei, dass in Zukunft die Touristen zum Erbeskopf strömen und das der Nationalpark in der Region bekannter wird.

Dass die Außenanlagen zeitnah repariert und saniert werden müssen, ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Das war bereits vor drei Jahren absehbar und hätte  in der Planung des Nationalparks berücksichtigt werden müssen, auch wenn die Zuständigkeiten von Zweckverband und Landesforsten sich dort überlagern.

Aber gerade deshalb wäre es umso wichtiger gewesen, frühzeitig ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Was jetzt am Erbeskopf geschieht, ist Stückwerk - und das macht die Situation nicht besser. Im Gegenteil: Die Besucher der Anlage sind völlig zurecht nzufrieden.

Hans-Peter Linz

Die Wege im Sinnesgarten sind stark mit Unkraut bewachsen
Die Wege im Sinnesgarten sind stark mit Unkraut bewachsen FOTO: Christoph Strouvelle
Die Pfosten des Dendrophons sind offensichtlich faul, das Gerät lehnt an der ehemaligen Waldgaststätte.
Die Pfosten des Dendrophons sind offensichtlich faul, das Gerät lehnt an der ehemaligen Waldgaststätte. FOTO: Christoph Strouvelle
Auf dem Schild, dass die Wildkatze erklären soll, ist außer der Überschrift nichts mehr zu erkennen
Auf dem Schild, dass die Wildkatze erklären soll, ist außer der Überschrift nichts mehr zu erkennen FOTO: Christoph Strouvelle
Die Tastgalerie ist nicht mehr gefüllt
Die Tastgalerie ist nicht mehr gefüllt FOTO: Christoph Strouvelle
Außer einigen Pfostenstümpfen ist von diesem Spielgerät nichts mehr zu erkennen.
Außer einigen Pfostenstümpfen ist von diesem Spielgerät nichts mehr zu erkennen. FOTO: Christoph Strouvelle