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Viel Geselligkeit und slawische Traditionen

MORBACH. (urs) Viel getanzt und gesungen wurde beim deutsch-russischen Neujahrsfest, das 340 Menschen in Morbach ein feierten. Und die Besucher lernten sich näher kennen.

Der Weg durch die klirrende Kälte mag nicht Jedem leicht gefallen sein. Doch bei der Fröhlichkeit, die die Menschen in der Baldenauhalle empfängt, ist das schnell vergessen. Überhaupt scheinen an diesem Abend, an dem die Morbacher Awo zum zweiten deutsch-russischen Neujahrsfest eingeladen hat, alle Sorgen vergessen, ist dieses Fest doch traditionell lebenslustig. Die Männer und Frauen zieren sich daher nicht und drängen gen Bühne, wo sie um den geschmückten Weihnachtsbaum tanzen. Eine Pause gönnen sie sich nur, als "Väterchen Frost" mit Enkelin "Snegurotschka" (Schneewittchen) auftaucht. Väterchen Frost, sozusagen der russische Weihnachtsmann, hat nur einen recht dünnen Gabensack dabei. Doch viel wichtiger ist der Spaß, den die 340 Gäste bei den Darbietungen ihrer singenden oder rezitierenden Tischnachbarn haben. Wer als deutschsprachiger Gast einen mehrsprachigen Besucher an seiner Seite hat, versteht auch, warum oft so herzhaft gelacht wird. Denn die Texte, überwiegend liebenswerte Kinderreime, sind teils ein wenig frech. Zur Belohnung gibt's etwas Süßes oder für Männer ein Schnäpschen. Die 80 Kinder, die um den Weihnachtsbaum tanzen, beschenkt Väterchen Frost natürlich mit Überraschungs-Päckchen.Viele stammen aus der Mitte Sibiriens

Doch den Erwachsenen geht's weniger um Präsente als um die Geselligkeit. "Dieses Fest ist wirklich das beste, das es gibt in Russland", erzählt Tanja Ruf. Das ganze Jahr über sei ja kaum Zeit, um Freunde zu treffen, fügt Ehemann Waldemar hinzu, der das Wiedersehen mit Freunden aus Idar-Oberstein genießt. Elvira Birev, die vor sechs Jahren von Kasachstan nach Morbach kam, tanzt derweil unermüdlich. Es sei schön, diese Lieder wieder zu hören, die sie alle kennt. Den polnisch-stämmigen Marek Szczepanski, seit acht Jahren in Morbach, hat die Freude auf ein Wiedersehen mit russischer Sprache und slawischer Kultur her geführt. Und natürlich die Aussicht, von hübschen Mädchen umringt zu sein. Er strahlt beim Anblick von "Schneewittchen". Laut Ewald Kessler aus der Region um Nowosibirsk stamme ein Großteil der "russischen Deutschen" im Saal aus der Mitte Sibiriens. Doch im Grunde seien alle Regionen des ehemaligen Großstaates vertreten. Mit den Neubürgern feiern auch viele deutsche Gäste. Ihm gefalle dieses fröhliche Zusammensein, meint ein Morbacher: "Die feiern wirklich noch wie in alten Zeiten."