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Waldarbeit mit Hilfe aus dem Weltall

Ein Harvester bei der Arbeit: In Kastellaun wird den Baumerntemaschinen durch ein satellitengestütztes Navigationssystem die Arbeit erleichtert. Foto: dpa
Ein Harvester bei der Arbeit: In Kastellaun wird den Baumerntemaschinen durch ein satellitengestütztes Navigationssystem die Arbeit erleichtert. Foto: dpa
Kastellaun. Im Kastellauner Forstamt wurde ein völlig neues satellitengestütztes Navigationssystem entwickelt. Durch diese Technik soll unter anderem die Arbeit der Holz erntemaschinen präzisiert werden. Werner Dupuis

Kastellaun. Die Forstwirtschaft gilt allgemein als konservativ. Die Prozesse im Wald spielen sich in langen, oft generationsübergreifenden Zeiträumen ab. Wie in der gesamten Gesellschaft haben auch hier revolutionäre Entwicklungen stattgefunden. Bisher wurde die ideale Position für eine Rückegasse, in der sich die Forstmaschinen bewegen, manuell vermessen - was häufig zu großen Abweichungen führte. Damit ist nun Schluss. Im Kastellauner Forstamt wurde ein völlig neues, satellitengestütztes Navigationssystem entwickelt. Mithilfe dieser Technik werden die Rückegassen exakt festgelegt. Zudem wird den Holzerntemaschinen der richtige Weg gezeigt.
Riesige Waldschäden


Verheerende Stürme haben seit 1984 wiederholt an auf staunassen Böden stehenden Nadelwäldern auf den Hunsrückhöhen riesige Schäden verursacht. Im Forstamtsbereich Kastellaun fielen auf rund 7000 Hektar eine Million Festmeter Sturmholz den Orkanen zum Opfer. Vergleichbar ist die Situation in den benachbarten Forstämtern Simmern und Boppard.
Der Befall des Holzes durch den Borkenkäfer zwang dazu, das Holz schnell aufzuarbeiten. Die Befahrung von Waldböden mit schweren Holzvollerntern (Harvestern) und Rückezügen (Forwarder) führte zu erheblichen Bodenverdichtungen. Diese Verdichtungen stellen eine massive Schädigung des Waldbodens, der wichtigsten Grundlage der Forstwirtschaft, dar. Denn gerade in Hinsicht auf eine nachhaltige Holzproduktion gilt es, diese Schäden deutlich zu minimieren.
Drei Jahrzehnte nach den Stürmen der 1980er Jahre stehen systematische Durchforstungen der Windwurfflächen an.
Neues Navigationssystem



Um heute noch sichtbare Schäden im sensiblen Waldboden zu vermeiden oder vom jungen Wald überwachsene Rückegassen zu rekonstruieren, entwickelte man im Kastellauner Forstamt ein völlig neues, satellitengestütztes Navigationssystem, mit dem zusätzlich die Holzerntemaschinen geleitet werden. Friedbert Ritter, technischer Produktionsleiter im Forstamt, übernahm diese anspruchsvolle Aufgabe. An seiner Seite steht Burghardt Schaffrath aus Gemünden. Der Geograf und Geoinformatiker gilt bundesweit als Spezialist zum Thema Navigation im Wald. Ritter und Schaff rath nahmen als Ausgangspunkt das sogenannte Global Navigation Satellite System (GNSS).
Neben den bekannten GPS-Satelliten verwendet der Empfänger zusätzlich die Satelliten des russischen Glonass-Systems. Damit stehen derzeit weltweit 53 Navigationssatelliten (31 GPS und 22 Glonass) zur Verfügung.
Dies gewährleistet, dass auch unter schwierigen Empfangsbedingungen noch ausreichend viele Satellitensignale empfangen werden können. Auf einem Rechner werden die Navigationsdaten visualisiert, auf den zu durchforstenden Bestand übertragen und dieser in Parzellen aufgeteilt.
Anschließend wird ein Raster mit vier Meter breiten Befahrungs- oder Rückegassen festgelegt. Die Ausrichtung des Harvesters erfolgt mittels eines digitalen Kompasses und über einen Laserstrahl. Die längste so festgelegte Rückegasse bei einer Durchforstung in Alterkülz maß 500 Meter.
Das System läuft nahezu ohne Eingriffe durch den Maschinenführer, der sich so voll auf seine Arbeit konzentrieren kann. In der Praxis hat sich gezeigt, dass ein Maschinenführer schon nach kurzer Zeit in der Lage ist, Rückegassen sicher aufzufinden und zu befahren, auch wenn diese im Gelände nicht markiert oder nicht vorhanden sind.
Das komplette System ist so aufgebaut, dass es nicht fest auf einer Maschine installiert werden muss, sondern jederzeit auf beliebigen Harvestern montiert werden kann.