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Wenn Eltern und Großeltern um Gold mitfiebern

Angelika Kern-Bader mit einem Foto ihrer Tochter Anna Bader vor der Kulisse von Barcelona. Foto: Christoph Strouvelle
Angelika Kern-Bader mit einem Foto ihrer Tochter Anna Bader vor der Kulisse von Barcelona. Foto: Christoph Strouvelle
Morbach. Was der Mutter verwehrt war, kann die Tochter erreichen: Die Morbacherin Anna Bader springt bei der Schwimm-Weltmeisterschaft um Gold in der Disziplin Klippenspringen. Mutter Angelika Kern-Bader wird die Titelfavoritin vor Ort unterstützen.

Morbach. Am kommenden Dienstag gibt es für die Morbacherin Angelika Bader-Kern nur ein Ziel: Das spanische Barcelona. Denn dann kämpft ihre Tochter Anna Bader bei der Schwimm-Weltmeisterschaft um Gold in der Disziplin High-Diving oder Klippenspringen, wie es in Deutschland heißt. In Barcelona springt sie ihre Schrauben und Saltos in der Luft von einem 20 Meter hohen Podest aus, das extra für die Weltmeisterschaft im Hafen von Barcelona errichtet worden ist. Kern-Bader wird auf der Tribüne mitfiebern, genauso wie die 88-jährige Großmutter der Athletin, die im badischen Teningen wohnt. "Anna hat schon gegen alle Konkurrentinnen gewonnen, sie kann den Titel schaffen", sagt Kern-Bader. Dafür macht sie auch einige Tage ihre Arztpraxis zu. "Das ist mir die Sache wert." Die Mutter ist nicht nervös, wenn ihre Tochter springt. "Ich weiß was sie kann, und sie weiß, was sie tut."
Stolzer Vater


Im gleichen Sinne äußert sich Vater Hugo Bader. "Ich hoffe, dass sie den Titel einfahren kann", sagt er. Er ist riesig stolz darauf, was seine Tochter sportlich und beruflich geleistet hat. Auch er hat keine Angst, wenn seine Tochter springt. "Sie hat eine solch tolle Körperbeherrschung, da passiert nichts", sagt er. Der Vater schafft es zeitlich nicht, nach Barcelona zu fahren und schaut sich den Wettkampf im Fernsehen an.
Vor wenigen Tagen ist Anna noch in Morbach gewesen, sagt ihre Mutter. Die Athletin freue sich auf den Wettkampf, spüre aber auch die Belastung der Favoritin. "Mich persönlich freut es sehr, ich hätte nie gedacht, dass es meine Tochter so weit bringt", sagt Kern-Bader. Die Olympiateilnehmerin im Kunstturnen von 1968 und 1972 hatte selbst immer vom Treppchen geträumt, aber ihr sei das gegen die übermächtige Konkurrenz aus den osteuropäischen Ländern nicht möglich gewesen, bedauert sie. Ihre Tochter hatte zuerst auch geturnt, ist dann aber mit 13 Jahren zum Wasserspringen gewechselt. Mit 16 Jahren zog sie wegen der besseren Trainingsbedingungen nach Mainz, mit 17 sprang sie in Jamaika zum ersten Mal von einer Klippe ins Meer. Heute lebt Anna Bader von ihren Sprüngen, den Preisgeldern und den Werbeverträgen. Mehrere Jahre ist sie zweimal täglich als Artistin in einer Wassershow im chinesischen Macao aufgetreten.
Kurz vor der Weltmeisterschaft hat Anna Bader nochmal für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie sich auf Mauritius für die aktuelle Ausgabe des Playboys nackt fotografieren ließ. Mutter Angelika haben die Bilder gut gefallen. "Der Fotograf hat sie toll abgelichtet", sagt sie. Kern-Bader: "Auch solche Veröffentlichungen und die anschließende Vorstellung des Klippenspringens in dem Magazin tragen dazu bei, dass die Sportart populärer wird." cst

Der Wettbewerb Klippenspringen der Damen findet am Dienstag, 30 Juli, ab 16 Uhr statt. Der Sportsender Eurosport überträgt den Wettbewerb live.