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Ausbildung
Wie Firmen Berufsanfänger umwerben

Jeremiah Lee Roby von Papier-Mettler (rechts) führt den Schülern der IGS eine von Auszubildenden selbstgebaute Cocktailmaschine vor.
Jeremiah Lee Roby von Papier-Mettler (rechts) führt den Schülern der IGS eine von Auszubildenden selbstgebaute Cocktailmaschine vor. FOTO: Christoph Strouvelle
Morbach. Mehr als 50 Unternehmen und Institutionen haben sich auf der Ausbildungsmesse Workshop 2018 der Morbacher IGS  präsentiert. Ihr Ziel: die Jungen und Mädchen für eine Ausbildung in ihren Betrieben zu begeistern.

Nie zuvor haben es künftige Berufsanfänger so gut gehabt wie heute. Denn Unternehmen werben immer offensiver um Auszubildende und künftige Arbeitnehmer. So auch jetzt wieder an der Morbacher Integrierten Gesamtschule (IGS). Mehr als 50 Aussteller haben an der alle zwei Jahre terminierten Ausbildungsmesse Workshop 2018 für ihre Betriebe und verschiedenste Berufe  geworben. Darunter haben sich Unternehmen aus der Industrie befunden wie Lubig aus Deuselbach und Elka Holzwerke aus Morbach, Handwerksbetriebe wie Treppen-Bastian und Elektro-Pauly aus Morbach, Institutionen wie die Polizei und die Bundeswehr sowie Dienstleister, Behörden und Unternehmen, die in der Pflege aktiv sind.

Stark umlagert von Interessenten sind die Infostände des Morbacher Unternehmens Papier-Mettler, das mit einem Großaufgebot von 20 Ausbildern und Auszubildenden vor Ort ist. Neben praktischen Ständen wie einer Ausbildungsinsel,  an der bis zu acht Auszubildende Schaltungen montieren können, ist ein Cocktail­automat, den die Auszubildenden des Unternehmens selbst entworfen und produziert haben, das Highlight der Präsentation.

Zwischen 40 und 45 Auszubildende für 14 Ausbildungsberufe stellt Papier-Mettler jedes Jahr ein, sagt Carolin Eibes. „Ohne solche Ausbildungsmessen geht es nicht mehr“, sagt sie. Der Workshop der IGS sei die wichtigste, weil die Interessenten aus der Region kommen. Auch für Martin Anton von Holzbau Anton in Bischofsdhron ist die Teilnahme an der Ausbildungsmesse der IGS ein Muss. „Von hier bekommen wir unsere Auszubildenden“, sagt er. Dabei spielen auch die Berufspraktika eine wichtige Rolle, bei der beide Seiten testen können, ob es passt oder nicht. „Leichter und einfacher kannst Du keine Interessenten finden“, sagt er.  Sogar Vertreter einst populärer Berufe haben inzwischen Probleme, Auszubildende zu finden. So hat das Morbacher Autohaus Auto-Gorges für dieses Jahr lediglich drei Bewerbungen für den Beruf des KFZ-Mechatroniker erhalten, sagt Danny Gorges. Beim Autokaufmann sind es dagegen 30 gewesen. „Wir sind hier, um Nachwuchs zu generieren“, sagt er. Der Arbeitsmarkt sei leergefegt. „Wir können nur durch eigene Ausbildung qualifizierte Leute bekommen“, sagt er.

Ein Anziehungspunkt von Workshop 2018 ist auch der Info-Truck der Metall- und Elektroindustrie, bei dem sich die Jungen und Mädchen auf zwei Etagen über 60 Berufe erkundigen können. Genaue Daten über die Anforderungen in den einzelnen Berufsbildern erfahren die Interessenten dann im Internet unter www.meberufe.info. Elektrische Schaltungen, das Modell eines Aufzugs und CNC-gesteuerte Fräsmaschinen gehören zu den Anschauungsobjekten. „Wir wollen möglichen Interessenten die Chancen in diesem Industriezweig darlegen“, sagt Andreas Oswald.

Bei den Schülern ist das Interesse groß. „Man kann sich viel anschauen, was man später machen kann“, sagt der 15-jährige Danijan aus dem neunten Schuljahr. Ihn interessieren besonders die Berufe in den Bereichen Technologie und Umwelt. „Man kann Berufe kennenlernen und sich einen Überblick verschaffen, auch, wenn man auf der Suche ist nach Praktikantenplätzen“, sagt die 14-jährige Melissa aus dem neunten Schuljahr. Auch bei der Frage, ob man nach dem neunten oder zehnten Schuljahr abgeht und einen Beruf erlernt oder ob man bis zum Abitur weitermacht, sei die Veranstaltung eine Hilfe.

Bei jeder Ausbildungsmesse würden mehr Unternehmen teilnehmen, sagt Schulleiter Stefan Philippi. Auffallend sei, dass zunehmend kleine Unternehmen vertreten sind, weil diese ebenfalls die Notwendigkeit erkennen, offensiv um Nachwuchs zu werben, sagt er. Rund 550 Schüler der IGS informierten sich auf der Workshop 2018. Hinzu kamen Schüler aus den Schulen umliegender Orte.

Jonas Marx von Anton Holzbau zeigt Schülern, wie man ein Stück Holz richtig bearbeitet.
Jonas Marx von Anton Holzbau zeigt Schülern, wie man ein Stück Holz richtig bearbeitet. FOTO: Christoph Strouvelle