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Heimat und Genuss
Wild auf Kräuter

Im Kräutergarten von Maiga Werner in Kleinich  Foto: Klaus Kimmling
Im Kräutergarten von Maiga Werner in Kleinich Foto: Klaus Kimmling FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling
Kleinich-Fronhofen. Seit 13 Jahren betreibt Maiga Werner in Kleinich-Fronhofen eine Spezialstaudengärtnerei. Die Produkte der Geschäftsfrau sind gefragt, bei Sterne- wie bei Hobbyköchen. Neuerdings nutzen auch Schnapsbrenner ihr Fachwissen. Von Ilse Rosenschild
Ilse Rosenschild

„Urban gardening“ liegt derzeit voll im Trend. Viele Städter lieben es, ihr eigenes Gemüse und ihre eigenen Kräuter in ihrem kleinen Vorgarten oder auf dem Balkon zu ziehen. Davon profitiert auch eine Frau mitten im Hunsrück: die Betreiberin des Naturkräutergartens in Kleinich-Fronhofen (Bernkastel-Wittlich), Maiga Werner. Denn die meisten Produkte ihrer Spezial-Wild-Stauden-Gärtnerei, wie die 52-Jährige ihr Unternehmen auch nennt, gehen nicht etwa in den Hunsrück oder an die Mosel, sondern nach Berlin, Hamburg oder München. Woran das wohl liegt? Die Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, hat Maiga Werner gleich parat: „Naja, weil es in der Stadt nicht wirklich Wildkräuter zu finden gibt. Und wenn, dann halt verpinkelt und von Abgasen kontaminiert.“

Der absolute Renner ist übrigens der Giersch. Ausgerechnet die Pflanze, die als hartnäckiges Unkraut gilt und die man nahzu nicht mehr los wird. Die gebürtige Hannoveranerin schmunzelt. Erklären kann sie es nicht. Aber der Giersch sei ein „regelrechter Goldesel“. Und wer sich für die weitere Rangfolge interessiert: Es folgen mit großem Abstand die Vogelmiere und der Gundermann.

Wer sich in ihrem Garten umschaut, findet natürlich vieles mehr vom Anisysop über die Melde und den Spitzwegerich bis zum Wiesenbocksbart – alles ökologisch angebaut. Von den Wildkräutern im Topf kann heute jeder Kunde in ganz Deutschland profitieren und, wie Maiga Werner schildert „probieren, experimentieren und schmecken“. Doch das war auch schon mal anders.

Als sie im Jahr 2005 ihre etwas andere Gärtnerei eröffnete, war sie noch eher ein Geheimtipp. Rasch war der Kontakt zu ambitionierten Köchen hergestellt, die in ihrer Küche mit heimischen Kräutern experimentieren. Bis heute beliefert sie Johann Lafer von der Stromburg in Stromberg, Bernhard Tintemann vom ­Moselschlösschen in Traben-Trarbach und eben auch Harald Rüssel in Naurath. Rüssel sagt selbst über die 52-Jährige: „Auf meiner Suche nach regionalen Produzenten stieß ich auf Maiga mit ihrem Wildkräutergarten. Ihr Wissen rund um Kräuter hat mich sehr begeistert. Gerne haben wir sie auch in meiner Fernsehsendung besucht.“ Die Rede ist von „Zwei Mann für alle Gänge“ im Saarländischen Rundfunk mit dem Wanderpapst Manuel Andrack. Zur pochierten Lachsforelle wurde ein Wildkräutersalat kredenzt. Und die Kräuterfrau informierte über die Kräuter, die für die Gerichte verwendet wurden. Sie zeigte dem gebürtigen Rheinländer auch, welche leckeren Kräuter gleich hinter seinem Haus am Teich wachsen. Maiga Werner verrät es: „Zum Beispiel wilde Ackermelde, Mädesüß, Taubnesseln und Kamille.“

Mit Kräutern aus Fronhofen wird nicht nur gekocht. „Botanical’s“, so heißen die Pflänzchen in der Fachsprache, spielen auch bei Spirituosen eine wichtige Rolle. Zum Beispiel beim Gin, der nicht nur aus Wacholder gemacht wird. Vor der „Geburt“ von Ferdinand’s Saar Dry Gin vor fünf Jahren ist einer der Macher, Andreas Vallendar, mit der Fachfrau durch ihren Garten gestapft und hat Kräuter ausgewählt. Inzwischen heimst der Wacholderschnaps internationale Preise ein. Ob in der Küche, in der Schnapsbrennerei oder eben auch im Fernsehen – Maiga Werners fundiertes Wissen ist gefragt. Wer jetzt aber glaubt, sie sei gelernte Gärtnermeisterin oder Botanikerin, der irrt. Sie hat Philosophie studiert und eine Ausbildung als Drehbuchautorin. Ein weiter Weg bis zur Spezialstaudengärtnerei.

Wie kam es denn zur Gründung des Naturkräutergartens? „Ich musste Geld verdienen“, sagt Werner freimütig. Aber das Gärtnern war längst ihre Leidenschaft. „Es gibt schon Bilder von mir als Dreijährige mit Schubkarren und anderen Garten­utensilien.“

Denn die Eltern waren schon früh „wegen ihrer Liebe zur Mosel“ in den Hunsrück gezogen. Sie waren Selbstversorger, und die kleine Maiga erhielt schon früh ein kleines Stück eigenes Land zum Bewirtschaften. Sie gärtnerte mit Leidenschaft. Aber schon damals habe sie sich mehr für die Pflänzchen interessiert, die üblicherweise gejätet wurden und bis zur späteren Rehabilitierung unter die Rubrik „Unkraut“ fielen. Auch ihr jüngstes Projekt gilt einer jahrelang verpönten Pflanze, dem Hanf. Der Hanf ist eine alte deutsche Nutzpflanze. Dass er auch im Hunsrück angebaut wurde, beweisen alte Flurnamen wie In den Hanfgärten in Etgert, Kreis Bernkastel-Wittlich, oder Hanfgarten in Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Allerdings war der Hanfanbau von 1982 bis 1996 in Deutschland verboten, weil man aus manchen Sorten Marihuana und Haschisch herstellen kann.

Längst feiert die Pflanze ihr Comeback. Dank Maiga Werner jetzt auch im Hunsrück. Fünf Landwirte aus Altrich, St. Julian, Alterkülz, Kirchberg und Fronhofen bauen in diesem Jahr unter dem Namen Hunsrücker Hanfkampagne erstmals die Sorte Finola an. Fürs erste sollen dabei drei Produkte entstehen: Hanföl, Hanfprotein und Hundeleckerli. Und schon bald sollen Kunden diese Produkte auch in Geschäften kaufen können. Was sie dabei besonders freut: Ihr Vater hat in jungen Jahren Hanfbutter gegessen. Er wurde 1914 in Riga, heute Lettland, geboren und wurde immerhin 100 Jahre alt. Ob’s an der Hanfbutter lag? Das kann Maiga Werner nicht sagen.

Aber eines weiß sie noch ganz genau: Sie hat ihren Vater immer darum beneidet, dass er weiß, wie Hanfbutter schmeckt. Sie weiß es immer noch nicht. „Aber ich finde das noch raus.“

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: ein selbstgemachtes Kartoffel-Gundermann-Brot.
Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: ein selbstgemachtes Kartoffel-Gundermann-Brot. FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling
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Heimat Genuss Logo JPG FOTO: TV / Schramm, Johannes
Die Schilder sind nur für die Kunden. Maiga Werner braucht keine Schilder, um ihre Kräuter zu erkennen.
Die Schilder sind nur für die Kunden. Maiga Werner braucht keine Schilder, um ihre Kräuter zu erkennen. FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling
Von Ampfer bis Zitronenverbene: In Maiga Werners Spezialgärtnerei findet  sich alles, was Kräuterfreunde lieben. Das Foto zeigt sie mit Baumspinat.
Von Ampfer bis Zitronenverbene: In Maiga Werners Spezialgärtnerei findet  sich alles, was Kräuterfreunde lieben. Das Foto zeigt sie mit Baumspinat. FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling