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Wildenburg ist wieder ein Schmuckstück

Kempfeld. In der wechselvollen Geschichte der Wildenburg im Kreis Birkenfeld hat ein vielversprechendes Kapitel begonnen: Der neue Eigentümer Hans-Werner Wild hat das Anwesen von Grund auf sanieren und um ein neues Restaurant mit großer Außenterrasse erweitern lassen. Die Wiedereröffnung ist für März/April geplant.

Kempfeld. Hans-Werner Wild, Chef der renommierten Edelsteinfirma Paul Wild, verbindet mit der Wildenburg schöne Kindheitserinnerungen an Wanderungen, die er mit seinen Eltern von Kirschweiler aus zu dem zuletzt wegen eines Renovierungsstaus nicht mehr attraktiven Gebäudekomplex unternahm.
Der schleichende Niedergang "tat mir weh", berichtet der 68-Jährige, der per Zufall erfuhr, dass die Burg zum Verkauf stand. Wenige Monate vorher hatten sich die großspurigen Pläne einer Niederländerin, die nebenan auf der Wiese gegenüber dem Wildpark eine dreistöckige Luxus-Herberge errichten wollte, in Luft aufgelöst.
"Das kam mir gleich dubios vor", blickt Hans-Werner Wild zurück. Als Einheimischer habe er zur Wildenburg ein ganz anderes Verhältnis als ein fremder Investor. "Das gehört in heimische Hände", betont der Geschäftsmann. "Wer kann, sollte etwas dazu beitragen, dass unsere Heimat lebenswert bleibt", meint Wild, der auch Miteigentümer des Parkhotels ist.
Schleichender Niedergang


Anfang 2011 war der Kauf perfekt. Keine halben Sachen, lautete bei der dann im Mai beginnenden Sanierung die Devise des Kirschweilerers. "Ich wollte es so schön wie möglich wiederherstellen", fasst er seinen Ansatz zusammen. Vom Dach, das mit einer dicken Dämmung versehen wurde, bis zum Keller, von der Heizung bis zu den Toiletten "gab es fast nichts, was nicht erneuert werden musste".
Gleich drei Architekten waren im Einsatz: neben dem für den Innenausbau zuständigen Peter Ballat (Mittelreidenbach) und dem auch bei der Dorferneuerung in Mörschied engagierten Bernhard Backes (Weinsheim) zudem noch der mit Hans-Werner Wild befreundete Hans Feil aus Allenbach. Auch Verbandsgemeinde, Kreisverwaltung und der Denkmalschutz unterstützten das Unternehmen Wiederbelebung nach Kräften. Aufgewertet wurde neben der bisherigen Gaststätte im Erdgeschoss, die zukünftig als Wein- und Bierstube dienen soll, vor allem der Burg- oder Festsaal im ersten Stock. Durch ein großes Fachwerkfenster fällt jetzt viel Licht in den vorher eher düsteren Raum, in dem bis zu 100 Gäste feiern können. Der Rittersaal bleibt als Trauzimmer und für kleinere Festivitäten erhalten.
Neu ist ein Restaurant mit einer auf der Sonnenseite angelegten Terrasse, von der die Gäste die Tiere im Wildpark beobachten können. "Ist das nicht herrlich?", schwärmt der weltläufige Unternehmer, der auch die Wiese gegenüber dem Gehege und die Freilichtbühne, nicht aber den Turm miterworben hat.
Die heruntergekommenen Gästezimmer auf der Burg hat Wild aufgegeben. Er hofft jetzt auf ein Pächterehepaar, das die separat zu bewirtschaftenden Einheiten mit Können und Leidenschaft für Service und Küche betreibt. "Das muss passen." Den Pächtern steht auf der Burg eine rund 150 Quadratmeter große Wohnung zur Verfügung.
Das historische Anwesen, das jetzt wieder ein Schmuckstück ist, hat der Bauherr inzwischen seinen Söhnen Hans-Georg und Markus-Paul übergeben. Dieser und seine Frau Anne-Kathrin feiern dort noch vor Weihnachten das erste Fest nach der Sanierung: Beide sind in diesem Jahr 40 geworden. red