| 20:35 Uhr

Wittlicher Tabak für ägyptische Wasserpfeifen

Günther Thetard mit Tochter Sandra in einem Tabakfeld. Die Thetards bauen in Wittlich auf 65 Hektar Tabak an. TV-Foto: Eileen Blädel
Günther Thetard mit Tochter Sandra in einem Tabakfeld. Die Thetards bauen in Wittlich auf 65 Hektar Tabak an. TV-Foto: Eileen Blädel
Wittlich-Dorf. Er wächst in der Wittlicher Senke, wird bis nach Ägypten verkauft, und sein Anbau hat eine Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht: der Tabak. Günther Thetard ist einer der letzten beiden Tabakbauern im Kreis Bernkastel-Wittlich und baut auf 65 Hektar an. Seine Tochter Sandra Thetard will den Betrieb in der fünften Generation weiterführen. Eileen Blädel

Wittlich-Dorf. Günther Thetard, Tabakbauer im Wittlicher Tal, ist einer der letzten seiner Art. Seinen Betrieb in der Alftalstraße in Wittlich-Dorf wird er aber eines Tages weitergeben können: Seine Tochter plant, die Tabakproduktion zu übernehmen. Thetard und Tabak - das gehört eben zusammen. Mit Sandra Thetard baut die Familie dann in der fünften Generation Tabak an - auf einer Fläche von 65 Hektar.Eine lange Tradition hat der Tabakanbau in Wittlich. "Erste Aufzeichnungen", erzählt Sandra Thetard, "gehen auf 1800 zurück." Seitdem hat sich viel verändert: Gab es 1875 noch 515 Tabakpflanzer, die eine Fläche von 116 Hektar bewirtschafteten, sind es heute nur noch zwei, die auf insgesamt 90 Hektar Land Tabak anbauen. Während die Arbeiter früher den Tabak per Hand geerntet und verlesen haben, sind heute auf dem Feld Maschinen im Einsatz. Die Thetards besitzen als einzige Tabakbauern in Rheinland-Pfalz eine vollautomatische Erntemaschine. "Damit sparen wir sechs Arbeitskräfte ein", sagt Sandra Thetard. Früher, erzählt sie, sei in der Halle, wo heute die Blätter sortiert und gewogen werden, der Tabak noch luftgetrocknet worden. Ende der 1980er Jahre habe man umgestellt: Jetzt werden die Blätter in Öfen, in denen es bis zu 69 Grad heißt wird, getrocknet. Vor der Ernte und der Verarbeitung muss aber natürlich erst mal gepflanzt werden, und zwar pro Hektar 28 000 Pflanzen. "Der optimale Termin dafür ist in der ersten Juni-Woche", sagt Sandra Thetard. Dieses Jahr haben die Thetards mit drei Wochen Verspätung mit der Ernte begonnen. "Der Grund war das Wetter", sagt Günther Thetard. Erst sei es zu nass, dann zu trocken gewesen. "Da geht es dem Tabak wie dem Menschen", erklärt er. "Ohne Wasser verdurstet er." Etwa 130 bis 135 Tonnen Ertrag haben die Thetards im Jahr. "Im vergangenen Jahr haben wir dieses Ziel nicht ganz erreicht", sagt Sandra Thetard. Für dieses Jahr sei die Menge noch nicht abzusehen. "Aber es ist ein schöner Bestand, und mit der Qualität sind wir auch zufrieden." Das Ziel sei stets, möglichst viele gelbe Tabakblätter der Klasse 1 zu produzieren.Keine Subventionen mehr

Neben dem Wetter beschäftigen Günther Thetard die finanziellen Bedingungen seiner Arbeit. Etwa 200 000 Euro an Produktionskosten muss er jedes Jahr vorfinanzieren, sagt Günther Thetard. Subventionen der Europäischen Union bekomme er wie auch die anderen Tabakbauern nicht mehr. "Dafür habe ich bis heute kein Verständnis", sagt Thetard. Seit die Subventionen weggefallen sind, fehle ihm pro Kilo Tabak etwa ein Euro. Thetard bedient überwiegend einen Nischenmarkt: Der Wittlicher Tabak wird vor allem für Wasserpfeifen nach Ägypten verkauft. Verträge schließt er jedes Jahr aufs Neue ab. Pro Kilo Tabak bekomme man im Durchschnitt 3,20 Euro. Deshalb hat sich Sandra Thetard auch zwei Standbeine geschaffen: Sie arbeitet als Krankenschwester in der Notaufnahme und hat jetzt zusätzlich eine Ausbildung zur Landwirtin und Wirtschafterin gemacht. Sie erklärt: "Ich bin hier groß geworden und hänge an dem Betrieb. Außerdem ist Tabak ein Kulturgut in der Region, das erhalten bleiben muss. Solange es geht, will ich das hier machen." Ob sie wie ihr Vater eigentlich auch Raucherin ist? "Ab und zu rauche ich auch mal eine."volksfreund.de/fotostreckenExtra

Zigaretten kennt ihr ja sicher: In ihnen steckt Tabak. Das ist eine Pflanze, die es gern warm hat. Deshalb ist es ungewöhnlich, dass sie nicht nur in Süd- und Nordamerika oder Australien wächst, sondern sogar in Wittlich. Aber im Wittlicher Tal ist das Klima so mild und der Boden so gut, dass das möglich ist. Im Tabak ist ein Stoff, der süchtig macht: das Nikotin. Deshalb kommen Raucher meist nicht von den Zigaretten los. Und Nikotin ist sehr giftig. Rauchen ist sehr ungesund! Früher dachte man aber auch, Tabak sei eine Heilpflanze und legte zum Beispiel die Blätter auf Wunden. sos