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Zewener Sänger gedenken Bahnunglück vor 65 Jahren bei Kenn - Lok erfasst Ausflugsbus

Der Bus zertrümmert, die Lok entgleist: Die Unfallstelle am Bahnübergang Kenn im Jahr 1951. Foto: TV-Archiv
Der Bus zertrümmert, die Lok entgleist: Die Unfallstelle am Bahnübergang Kenn im Jahr 1951. Foto: TV-Archiv
Kenn/Trier. Es war einer der schwersten Verkehrsunfälle in der Region: Am 10. Juni 1951 kollidierte eine Lokomotive der Moselbahn an einem Bahnübergang bei Kenn mit einem Bus. 15 Menschen starben, allesamt Mitglieder und Angehörige des Männergesangvereins Zewen, die auf einem Ausflug waren. Albert Follmann

Kenn/Trier. Heute auf den Tag ist das tragische Unglück am Bahnübergang beim Kenner Haus 65 Jahre her. Und die Wunden, die der Unfall mit seinen 15 Toten und 33 Verletzten hinterlassen hat, sind bis heute nicht verheilt. Vor allem nicht im Trierer Stadtteil Zewen, denn der Bahnbus mit Anhänger, den die Lok der Moselbahn erfasst hatte, und ein weiterer Bus waren voll besetzt mit Sängern des MGV Cäcilia und deren Angehörigen. Alljährlich gibt es Gedenkgottesdienste. Auch morgen, Samstag, versammelt sich die Gemeinde, um der Opfer zu gedenken (18 Uhr, Martinus-Kirche).
Ferdinand Stemper war zum Unglückszeitpunkt 14 Jahre alt. Nur durch Zufall saß er nicht in dem roten Bahnbus, den der MGV angeheuert hatte, um einen netten Ausflug in das Moselörtchen Bremm (Kreis Cochem-Zell) zu unternehmen. Der 79-Jährige erinnert sich: "Mein Vater war im Chor, konnte aber nicht mitfahren, weil wir neben dem Fahrradgeschäft auch noch Landwirtschaft hatten. Anita, ein 13-jähriges Mädchen einer befreundeten Familie, hatte die Sommergrippe, deshalb sollte ich mitfahren. Ich freute mich schon sehr, denn so ein Ausflug war damals etwas ganz Besonderes. Alle Plätze in den beiden Bussen waren besetzt. ‚Ferdi, kannst mitfahren', hat mein Vater abends gesagt, am nächsten Morgen ging es Anita aber wieder besser und ich musste zu Hause bleiben. Nachts läuteten dann die Glocken in Zewen, die Sirenen gingen. Alles war auf den Beinen. Später hörte ich dann, dass unter den Toten auch Anita und ihr zwölfjähriger Bruder waren."Zugpfeifen überhört


Auch der Busfahrer kam aus Zewen, er überlebte. Berichten zufolge, näherte sich die Dampflok gegen 22.46 Uhr dem Bahnübergang am Kenner Haus, der zwischen den Haltestellen Ruwer-West und Kenn lag. Der Zug habe sich wie vorgeschrieben mit 15 Stundenkilometern genähert. Der Busfahrer sei in kurzem Abstand hinter einem anderen Bus hergefahren und habe anscheinend die Baken und Warnkreuze sowie das warnende Pfeifen des Zuges unbeachtet gelassen, heißt es in einer Unfallbeschreibung, die auch Gegenstand einer Anfrage im Deutschen Bundestag war (siehe Extra). Die Lok habe den Bus zwischen Zugmaschine und Anhänger erfasst. Der Aufprall war so heftig, dass die Lok aus dem Gleis sprang und sich quer auf die Straße stellte. Der hintere Teil des Busses wurde aufgerissen, der Hänger zertrümmert.
Zwischen Straße und Parkplatz Real-Markt erinnert ein Steinkreuz an den Unfall und die 15 Toten des MGV Zewen. Eduard Bell hatte damals das Kreuz aufgestellt und bis zu seinem Tode gepflegt. Seit fast 20 Jahren hat Bernd Helfen (75) vom Heimat- und Verkehrsverein Kenn dies übernommen und wurde dafür auch schon vom Gemischten Chor Zewen, dem Nachfolgeverein des MGV, geehrt.Extra

Der Kenner Moselbahnunfall und zwei weitere schwere Unfälle an unbeschränkten Bahnübergängen mit insgesamt 38 Todesopfern beschäftigte im Juli 1951 auch den Deutschen Bundestag. Die SPD-Fraktion sorgte sich um die Sicherheit an "schienengleichen Wegübergängen" in der Bundesrepublik und stellte dazu eine Anfrage an Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (CDU). Dieser betonte die Notwendigkeit, dieses Problem in engem Zusammenwirken mit den Ländern anzugehen. Er habe Anordnung getroffen, sagte der Minister, dass ein Arbeitsgremium mit Bahnvertretern und Straßenverkehrs-Sachverständigen sich um Lösungen bemühe. Es sei beabsichtigt, ein Haltegebot vor Bahnübergängen für besetzte Omnibusse einzuführen. alf

Bernd Helfen pflegt die Stelle am Gedenkkreuz. TV-Foto: Albert Follmann
Bernd Helfen pflegt die Stelle am Gedenkkreuz. TV-Foto: Albert Follmann FOTO: (h_tl )