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Zurück, wenn kein Krieg mehr ist

Morbach. Masoud Nema aus Syrien will in seiner neuen Heimat nicht nur arbeiten, sondern auch einen Abschluss erwerben. Deshalb hat der Familienvater eine Lehre zum KFZ-Mechatroniker begonnen.

Morbach. Autos reparieren ist die Leidenschaft von Masoud Nema. Der 28-Jährige hat im Herbst beim Morbacher Autohaus Mercedes Wilbert eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begonnen. Dabei hat der aus dem syrischen Kurdistan stammende Flüchtling in seiner Heimat bereits mehr als zehn Jahre lang Autos repariert und sogar eine eigene Werkstatt geführt. Doch fehlt ihm ein anerkannter Abschluss in seinem Beruf. Deshalb hat er sich entschieden, seine bisherige Arbeitsstelle aufzugeben, um dreieinhalb Jahre lang in die Lehre zu gehen und einen Sprachkurs zu belegen, bei dem er alle Fachausdrücke rund um seinen neuen Beruf lernen soll. "Er kam einfach rein und hat gefragt", sagt Klaus Wilbert, Inhaber des Unternehmens. Der junge Mann sei engagiert, "ein freundlicher, angenehmer Mensch", sagt er. "Motor, Elektrik, ich lerne zur Zeit sehr viel", sagt Nema.
Der Kurde ist wegen des Krieges in Syrien und der drohenden Rekrutierung in die syrische Armee geflohen. "Wenn ich dort geblieben wäre, wäre ich schon tot", vermutet er. 16 000 Euro hat die Flucht gekostet. Seit mehr als drei Jahren lebt er jetzt mit Frau und Kind in Deutschland. Die Sprache hat er in Trier gelernt und dazu seinen Führerschein gemacht. Nemas Muttersprache ist kurdisch, doch in der Schule hat er arabisch gelernt, "weil kurdisch verboten war", sagt er.
Nema sagt, er arbeite immer gewissenhaft, damit er "ein gutes Bild von seinem Land und seinem Volk" abgebe. Die Geschehnisse der Kölner Silvesternacht in, bei denen ausländische Männer Frauen sexuell belästigt und beraubt hatten, verurteilt er. Gewalttäter sollten sofort ausgewiesen werden, damit "Deutschland in Sicherheit bleiben kann."
Im vergangenen Sommer hat Nema versucht, seine Eltern in der Türkei zu treffen, die er seit seiner Flucht nicht mehr gesehen hat. Doch sei dies wegen der geschlossenen Grenze gescheitert. Ein Herzenswunsch von ihm ist es, diese für zwei Monate zu Besuch nach Deutschland einzuladen. "Ich wäre froh, wenn mir jemand dabei helfen könnte", sagt er.
Dankbar ist er seinen Nachbarn, einem Morbacher Ehepaar, das ihm und seiner Familie viel geholfen habe. Demnächst will seine Frau nach Arbeit suchen.
Will der 28-Jährige mit seiner Familie wieder zurück in seine kurdische Heimat? Nema: "Wenn kein Krieg mehr ist, aber ich glaube, das dauert noch lange." cst