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Infrastruktur
Praxisübergabe sichert ärztliche Versorgung in Thalfang

Michael Worm, bisher in Thalfang tätiger Hausarzt, mit seinen Nachfolgerinnen Sandra Adam und Barbara Icking-Zock.
Michael Worm, bisher in Thalfang tätiger Hausarzt, mit seinen Nachfolgerinnen Sandra Adam und Barbara Icking-Zock. FOTO: Christoph Strouvelle
Thalfang. Gerade noch rechtzeitig haben sich zwei Ärztinnen gefunden, die die Hausarztpraxis von Michael Worm weiterführen. Eine von ihnen ist den Patienten bereits bekannt.

Die Hausarztpraxis des Thalfanger Allgemeinmediziners Michael Worm ist in neue Hände übergegangen. Dr. Sandra Adam aus Bäsch und Dr. Barbara Icking-Zock aus Deuselbach wollen die 1600 Patienten gemeinsam weiterbetreuen. „Das ist ein großes Ereignis für die Verbandsgemeinde und die Ortsgemeinde Thalfang“, sagt Burkhard Graul, Thalfanger Ortsbürgermeister und Beigeordneter der VG, bei der Feier anlässlich der Übergabe. Als Vater von Sandra Adam hat er das „lange Hin und Her“ der Praxisübergabe mit den bürokratischen Hürden mitbekommen. „Die Politik braucht Ärzte, sonst sterben die Dörfer aus“, sagt Graul. Und: „Wenn kein Arzt mehr da ist, ziehen auch die Leute nicht mehr in die betreffenden Orte.“ Auch das sechsköpfige Team der Praxis, das die beiden neuen Ärztinnen von ihrem Vorgänger übernehmen, ist glücklich: „Ihr wart unser Glück, es geht für uns weiter“, sagen sie. Denn die Praxis sei bereits in Auflösung gewesen, sagt Icking- Zock. „Die Helferinnen hatten schon ihre Kündigung.“

Adam ist den Patienten der Praxis bereits seit langem gut bekannt. Die 36-Jährige hatte dort vor ihrem Medizinstudium ihre Ausbildung zur Arzthelferin absolviert, anschließend in diesem Beruf gearbeitet und während ihres Medizinstudiums mehrere Praktika absolviert. Der 65-jährige Worm hatte sie mehrfach auf eine mögliche Praxisübernahme angesprochen. „Ich bin dort groß geworden und wollte wieder zurück, aber nicht alleine“, sagt die zweifache Mutter. Im Dezember 2017 hatte Adam die 45-jährige Icking-Zock kennengelernt, die in Deuselbach wohnt und zuletzt im Krankenhaus in Ehrang gearbeitet hat. „Ich wollte schon immer Hausärztin werden, mein Vater war bereits Landarzt in Kordel“, sagt Icking-Zock. Sie sei bereits mehrfach angesprochen worden, ob sie nicht im Trierer Raum eine Praxis übernehmen wolle, doch dann habe sich die Gelegenheit in Thalfang ergeben. „Die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt“, sagt sie.

Die Praxisübergabe ist innerhalb von drei Monaten über die Bühne gegangen. Auch von den Arztkollegen rundum sei viel Zuspruch gekommen. Diese hätten ihr gesagt, dass sie die rund 1600 Patienten von Worm nicht hätten auffangen können. Im Sommer sollen die Praxisräume renoviert werden. Zusätzliche Parkplätze sind bereits im Bau.

„In den ländlichen Regionen fällt es immer schwerer, Nachfolger für die Praxen zu finden“, sagt Dr. Günther Matheis, Präsident der Landessärztekammer Rheinland-Pfalz. „Umso mehr freut es mich, dass es in Thalfang gelungen ist, eine bestehende Praxis in junge Hände zu übergeben und so die Versorgung in der Region weiterhin zu sichern.“

Der Bedarf an Ärzten sei in den vergangenen Jahren gewachsen und werde auch weiter steigen, sagt Matheis. Das gelte sowohl für das Krankenhaus, als auch für den ambulanten Bereich. Die Gründe hierfür seien der medizinische Fortschritt, der demografische Wandel, der erhöhte Anteil von Teilzeitstellen sowie der Trend zur Arbeitszeitverkürzung. „Es gibt einen Trend zur Gemeinschaftspraxis“, sagt auch Rainer Saurwein, Pressesprecher der kassenärztlichen Vereinigung. Durch die Tendenzen, dass auch Ärzte lieber als Angestellte oder in Teilzeit arbeiten, würden mehr Köpfe benötigt. „Wir brauchen drei Ärzte des neuen Typs, um einen klassischen Hausarzt zu ersetzen“, sagt er. Hinzu komme, dass der Allgemeinmediziner in der Ausbildung ein Schattendasein geführt habe. „Doch das ist heute nicht mehr so“, sagt er und warnt davor, die Situation der ärztlichen Versorgung zu dramatisieren. Ein Kompetenzzentrum bei Mainz sei aufgebaut worden, um Allgemeinmedizin zu fördern, der Verband koordiniere Weiterbildungen für Ärzte. Saurwein: „Es tut sich derzeit viel.“