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Untreue-Prozess in Bitburg: Vier Jahre Haft für Kreisinspektor: „Ihm bleiben noch die Kleider auf dem Leib“

Untreue-Prozess in Bitburg: Vier Jahre Haft für Kreisinspektor : „Ihm bleiben noch die Kleider auf dem Leib“

13 Jahre lebte ein Eifeler Kreisinspektor dank der Veruntreuung von 1,5 Millionen Euro finanziell sorgenfrei. Am Dienstag wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der Fall ist damit aber noch nicht zu Ende.

Es ist Dienstagmittag um kurz vor halb zwei Uhr, da sieht es so aus, als würde es doch nichts werden mit der für den Nachmittag geplanten Urteilsverkündung. In einer Verhandlungspause hat der Angeklagte einen Schwächeanfall erlitten, ein Rettungswagen wird zum Justizgebäude gerufen, und es dauert eine Zeit lang, bis feststeht, dass die Verhandlung im großen Sitzungssaal forgesetzt werden kann. „Sie hatten ein leichtes Problem?“, erkundigt sich die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz beim Angeklagten, der nickt und erwidert: „Ist schon wieder einigermaßen in Ordnung.“

Das Leben des 59-jährigen Inspektors der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm geriet im Juli vergangenen Jahres von einem Tag auf den anderen in Unordnung. Ein externer Geldwäschebeauftragter der örtlichen Kreissparkasse war wegen häufiger Bargeldabhebungen höherer Summen auf ein Konto aufmerksam geworden. Das Konto hatte einst die Stieftochter des Angeklagten auf dessen Bitte hin eingerichtet, ohne zu wissen, dass es über ein Jahrzehnt lang dazu diente, um veruntreute Gelder darauf umzuleiten.

Das Geld stammte aus Mitteln des Jugendamtes, eine Abteilung, die ein jährliches Ausgabevolumen von 55 Millionen Euro hat, wie eine als Zeugin geladene Mitarbeiterin berichtet. Der für die Tages- und später Vollzeitpflege zuständige Angeklagte legte einfach einige zusätzliche fingierte Pflegefälle an, für die dann regelmäßig Geld überwiesen wurde.

Durchschnittlich 10 000 Euro monatlich soll sich der gebürtige Eifeler so während der 13 Jahre ergaunert haben, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, haben die Ermittler ausgerechnet.

Der Vorgesetzte unterschrieb die Unterlagen, die ihm der Kreisinspektor vorlegte, und der zuständige Finanzbeamte überwies das Geld. Der Schwindel wäre aufgeflogen, sagt der Verteidiger des Angeklagten, wenn man sich die Akten einmal genau angeschaut hätte. Denn zu den vom Angeklagten konstruierten fiktiven Fällen gab es keine Akten – nur Auszahlungsanordnungen.

Der als Zeuge geladene Vorgesetzte wehrt sich. Er sagt: „Es wurden regelmäßig auch beim Angeklagten Akten gezogen“ – aber nicht alle, „nur etwa zehn Prozent“.

„Es gab jedenfalls keine Kontrolle, die den Namen auch verdient“, macht Verteidiger Wolfgang Simon deutlich, dass er der Behörde eine gehörige Portion Mitschuld daran gibt, dass der von seinem Mandanten eingeräumte Schwindel über einen so langen Zeitraum unentdeckt bleiben konnte.

Inzwischen habe man bei der Behörde reagiert, sagt der Vorgesetzte. Ein neues Computerprogramm sei bestellt, und bis es installiert sei, gelte für bestimmte Vorgänge nicht mehr nur das Vier-, sonden das Sechs-Augen-Prinzip. „Wenn statt zwei plötzlich drei Häkchen darunter sind, aber niemand kontrolliert richtig, nutzt auch das nichts“, kommentiert später die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz.

Staatsanwalt Holger Schmitt sagt, dass der Angeklagte einige Akribie darauf verwendet habe, dass seine Taten nicht auffallen. Der Aussage des 59-Jährigen, er habe die Untreue beenden wollen, schenkt Schmitt keinen Glauben: „Er wollte seinen Lebensstandard erhalten.“

Mit dem dürfte es vorbei sein, wenn der Vater von zwei eigenen Kindern und zweifache Stiefvater nach spätestens vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Die Wertsachen des Angeklagten sind entweder verkauft – oder der Staat hat den Daumen drauf. „Mein Mandant steht wirtschaftlich vor dem Ruin“, sagt sein Anwalt Wolfgang Simon, „er hat nicht mehr als die Kleidung auf dem Leib.“

Das mag stimmen, aber die Ermittler haben es noch auf etwas anderes abgesehen. Denn die Hälfte des auf 600 000 Euro geschätzten Eigenheimbesitzes gehört der Frau des Kreisinspektors. Ob auch dieser Anteil oder zumindest ein Teil davon der Kreisverwaltung zusteht, muss das Gericht noch entscheiden.