| 16:19 Uhr

Trier
Immer mehr Fahrschüler mogeln bei der Führerscheinprüfung

FOTO: dpa / Swen Pförtner
Trier. Tüv-Experten registrieren in Rheinland-Pfalz zunehmend Betrugsversuche. Die Kandidaten lassen sich die Hilfe einiges kosten. Wer beim Tricksen ertappt wird, hat kaum etwas zu befürchten. Von Rolf Seydewitz

In Rheinland-Pfalz wird bei Führerscheinprüfungen immer häufiger versucht zu tricksen. Die Zahl der aufgeflogenen Betrugsversuche war im ersten Quartal dieses Jahres schon höher als im gesamten Vorjahr. Das geht aus einer Antwort des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Lammert hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

Nach Erkenntnissen des für die Führerscheinprüfungen in Rheinland-Pfalz allein zuständigen Tüv Rheinland wurden landesweit  bis Ende März 19 Manipulationen festgestellt; im vergangenen Jahr waren es insgesamt 18. Experten gehen nach Angaben des Mainzer Verkehrsministers Volker Wissing (FDP) allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus.

Besonders häufig getrickst wird bei der theoretischen Führerscheinprüfung. Dabei wird der Prüfling beispielsweise mit Mini-Kamera, Mini-Ohrhöhrer  und Übertragungstechnik ausgestattet und bekommt während der Prüfung „von draußen“ die Antworten ins Ohr geflüstert. Nach Angaben des Führerscheinexperten vom Tüv Rheinland, Arne Böhne, fallen Täuschungsversuche meist nur deshalb auf, „weil sich die Prüflinge auffällig verhalten“.

Die Führerscheinkandidaten lassen sich die Hilfe zwischen 500 und 1500 Euro kosten, sagt Joachim Einig vom Fahrlehrerverband Rheinland. Für die Anbieter ein lukratives Geschäft.  Vor zwei Jahren wurden in Nürnberg fünf Mitglieder einer Bande wegen Betrügereien bei Führerscheinprüfungen zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt. Sie hatten mit ihrem Geschäftsmodell innerhalb kurzer Zeit 60 000 Euro verdient.

Für Prüflinge ist das Risiko meist überschaubar. Wer beim Täuschen erwischt wird, darf erst nach sechs Wochen erneut zur Prüfung antreten. Zusätzlich gilt in Rheinland-Pfalz laut Verkehrsminister Volker Wissing die Vorgabe, dass bei schwerwiegenden Täuschungen „mit technischen Hilfsmitteln und hoher krimineller Energie“ eine Wartezeit von einem halben Jahr angeordnet werden soll.

„Das tut nicht richtig weh“, kritisiert Tüv-Experte Arne Böhne. Er verweist darauf, dass einige Führerscheinstellen nach Betrugsversuchen Eignungsprüfungen anordnen. Diese kosteten Geld, Zeit und Nerven.

Mit Mini-Kamera und Knopf im Ohr