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Gesundheit: „Impfgegner sind ein Gesundheitsproblem“

Gesundheit : „Impfgegner sind ein Gesundheitsproblem“

Rheinland-Pfalz setzt beim Schutz gegen Masern auf Aufklärung, schließt aber auch eine Impfpflicht etwa für Pfleger nicht aus.

Rund drei Prozent der Schulanfänger in Trier und in Trier-Saarburg sind gar nicht gegen Masern geimpft, gut vier Prozent sind nur einmal statt wie von der Ständigen Impfkommission vorgesehen zwei Mal gegen die oftmals als harmlose Kinderkrankheit abgetane Viruserkrankung geimpft.

Laut Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamts, waren im vergangenen Schuljahr in Trier und Trier-Saarburg gut 93 Prozent der Erstklässer vollständig gegen Masern geimpft. Das scheint auf den ersten Blick eine gute Quote zu sein, zumal sie knapp über dem Bundesschnitt liegt. Doch das von der Weltgesundheitsorganisation vorgegebene Ziel, um Masern dauerhaft auszurotten, liegt bei einer Impfrate von mindestens 95 Prozent.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) hat im vergangenen Jahr im Gesundheitsausschuss des Landtags darauf hingewiesen, dass die zweite Masernimpfung oft zu spät erfolge. So seien in Rheinland-Pfalz nur 89,5 Prozent der Dreijährigen, die in den Kindergarten gingen, geimpft.

Michels ist dafür, dass Ungeimpfte „konsequent bei auftretenden Erkrankungen in ihrem Umfeld vom Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen“ ausgeschlossen werden sollten. Er warnt davor, Masern zu unterschätzen und die Impfung dagegen abzulehnen.   Die Weltgesundheitsorganisation habe die Impfgegner zu den größten zehn Gesundheitsproblemen unserer Zeit deklariert. Trotzdem hält er eine Impfpflicht, wie sie unter anderem der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte gefordert hat, für nicht nötig. Michels spricht sich stattdessen aus für eine „dauerhafte häufig  wiederholte Aufklärung“ über die Risiken der Infektionserkrankungen aus, gegen die es Impfungen gibt.  

Anders als in der DDR hat es in der Bundesrepublik bislang keine Impfpflicht gegeben. „Trotzdem“, sagt der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis, „brauchen wir bei so gefährlichen Erkrankungen wie Masern ein Konzept, das Eltern motiviert und nicht durch Desinformationen der Impfgegner Verunsicherung erzeugt.“ Er begrüßt, dass nun wieder laut über eine Impfpflicht nachgedacht werde. Die Empfehlung, sich gegen Masern impfen zu lassen, gibt es in Deutschland seit 1973.

Laut der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin besteht aber bei vielen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, ein unklarer Impfstatus, viele von ihnen seien nur einmal gegen Masern geimpft. Daher bestehe bei Ihnen eine Gefahr, zu erkranken und die gefährlichen Viren weiter zu verbreiten. „Und dann verläuft die Erkrankung oft schwerer“, sagt Jörn Simon, Landeschef der Techniker Krankenkasse.

Die Impfung gegen Masern schütze nicht nur den Einzelnen, sondern habe einen gesellschaftlichen Nutzen, sagte Ministerin im vergangenen Jahr im Landtag, als sie ihre Kampagne „Masern im Anzug?“ für einen besseren Impfschutz vorstellte. Wenn über 95 Prozent der Bevölkerung geimpft seien, könnten eine Weiterverbreitung verhindert und auch diejenigen geschützt werden, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könnten.

Um diesem Ziel näher zu kommen, schließt die Gesundheitsministerium eine Impfpflicht, beispielsweise des medizinischen Personals, nicht aus. „Gerade beim medizinischen Personal ist ein Impfschutz vor übertragbaren Krankheiten wie Masern oder Influenza von besonderer Bedeutung, da diese Personengruppe engen Kontakt zu kranken und geschwächten Personen hat.“ Denkbar wäre beispielsweise ein verpflichtender Impfschutz als Tätigkeits- oder Eingangsvoraussetzung, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, sagte ein Ministeriumssprecherin.

TK-Landeschef Simon ist gegen eine Impfpflicht. „Wir setzen auf Freiwilligkeit, denn eine Impfpflicht steht dem Selbstbestimmungsrecht der Patienten entgegen.“ Er hofft, dass sich die Bereitschaft zum Impfen mit der Einführung einer elektronischen Patientenakte ab 2021 verbessert. Darin könnten auch die Erinnerungen an Impftermine angeboten werden.

Bei Kindern funktioniert diese Praxis offenbar schon ganz gut. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin verwies im vergangen Jahr im Gesundheitsausschuss darauf, dass durch die seit 2008 verschickten Einladungen zu den Kinderfrüherkennungsquoten 99 Prozent der eingeladenen Kinder an den Untersuchungen teilgenommen und die Eltern dabei auch eine Impfberatung erhalten hätten. Das wiederum habe zu einem deutlichen Anstieg der Durchimpfungsrate bei Masern geführt.

Extra

So gefährlich sind Masern

Weltweit gehören die Masern zu den häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Eine sichere und wirksame Impfung gibt es seit über 40 Jahren und seit 1973 wird in Deutschland eine Immunisierung gegen Masern allgemein empfohlen. Im Jahr 2016 starben weltweit geschätzt 89 780 Menschen an Masern (2015: 134 200). Der überwiegende Teil der durch Masern bedingten Todesfälle (95 Prozent) ereignet sich in Ländern mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur. In Industrieländern verursachen die Masern auf 10 000 Erkrankte in etwa drei Todesfälle,  zehn Hirnhautentzündungen, 100 bis 600 Lungenentzündungen sowie 500 bis 1000 Mittelohrvereiterungen, die nicht selten zu bleibenden Hörproblemen führen.

(Quelle: Impfreport Rheinland-Pfalz 2016)

Info

Die Lage in Rheinland-Pfalz

2016 waren nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeirums von 97,7 Prozent der einzuschulenden Kinder einmal und 93,6 Prozent zwei Mal gegen Masern geimpft. Laut Landesuntersuchungsamt hat es im laufenden Jahr bislang vier Masernfälle in Rheinland-Pfalz gegeben. Bei diesen Fällen und wie auch den Fällen der vergangenen Jahre habe es  sich um Einzelfälle oder kleinere Häufungen gehandelt, sagt eine Ministeriumssprecherin. Größere Ausbrüche mit zehn oder mehr Erkrankten seien in Rheinland-Pfalz seit 2009 nicht beobachtet worden. Es seit seit 2001 kein Fall einer Maserninfektion mit Todesfolge bekannt. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass es aufgrund der Erkrankung zu Spätfolgen  wie etwa einer tödlich verlaufenden chronischen Gehirnentzündung komme.  

Meinung

Pfleger und Erzieher haben besondere Verantwortung

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Masern über eine Impfpflicht diskutiert. Und immer wieder reagieren Impfkritiker reflexartig, verharmlosen die Krankheit, warnen von einem Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht und Impffolgen. Sicherlich spricht einiges gegen eine generelle Impfpflicht, wie es sie in der DDR gegeben hat.   Allerdings sollte allen, die sich gegen Impfungen, ob gegen Masern oder Grippe, entscheiden, klar gemacht, werden, dass sie damit nicht nur sich sondern auch andere, vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Ältere, für die Infektionskrankheiten tödlich enden können, gefährden. Daher ist eine ständige Aufklärung über die Gefahren von Masern, Mumps und Co. als auch über die Chancen und auch Risiken der Impfungen notwendig. Dass dass zum Erfolg führt, zeigt sich im Land. Seitdem Eltern regelmäßig zu den Kinderfrüherkennungen eingeladen werden, ist die Impfrate vor allem bei Masern gestiegen.

Konsequent ist auch, dass das Land eine Impfpflicht bei Pflegern und Erziehern in Erwägung zieht. Das Personal in Pflegeheimen, Kliniken oder Kitas steht in einer besonderen Verantwortung. Eine durch sie verursachte Infektion von Kranken, Alten oder Kindern kann schlimme Folgen haben. Daher ist es unverständlich, dass bislang bei der Einstellung in diesen Einrichtungen nicht verpflichtend ein ausreichender Impfschutz verlangt wird.

b.wientjes@volksfreund.de