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In der Corona-Krise melden sich viele Luxemburger in Deutschland an ihrem Wohnsitz an

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesellschaft : Meldeflut: Einwohnerschwemme in den Ortschaften der Grenzregion

Jeder Bürger ist bares Geld wert. Deshalb freuen sich die Bürgermeister über den plötzlichen Anmeldemarathon in ihren Dörfern.

Entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze schnellen mancherorts seit einigen Tagen die Einwohnerzahlen in die Höhe. Daran sind aber nicht plötzlich stark steigende Geburtenraten schuld oder überdurchschnittliche Zuzüge, sondern die Corona-Krise. Luxemburger, die jenseits der Grenze leben, ohne hier gemeldet zu sein, haben schlichtweg Bammel, plötzlich nicht mehr nach Deutschland einreisen zu dürfen. Viele hätten Angst davor, dass man ihnen ohne Nachweis eines Hauptwohnsitzes die Einreise verweigere, sagt etwa der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel, Moritz Petry.

Allein in seiner Verbandsgemeinde meldeten sich in der vergangenen Woche 62 Luxemburger neu an. Etwas weiter nördlich, in der Verbandsgemeinde Arzfeld, waren es im gleichen Zeitraum sechs Anmeldungen. „Auch wir haben seit vergangener Woche ein höheres Aufkommen von Anmeldungen durch Luxemburger“, bilanziert Bürgermeister Andreas Kruppert, der bei der Frage nach den Gründen ebenfalls auf den kleinen Grenzverkehr verweist. Man dürfe die Grenze jetzt nur noch mit einem entsprechenden Pendler-Formular passieren, sagt Kruppert. Hierfür müsse man aber in Deutschland gemeldet sein.

 Auch in den Verbandsgemeinden Saarburg-Kell, Konz und Trier-Land ist der Eingemeindungstrend ähnlich. Zwar frage man die Motivation der einzelnen Luxemburger nicht ab, sagt Trier-Land-Sprecherin Johanna Fox, doch lasse die Zunahme der Zahlen vermuten, dass sie in der aktuellen Situation begründet lägen.

Die aktuelle Situation ist, dass seit einer Woche der Einreiseverkehr an mehreren Übergängen entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze wieder kontrolliert wird, um eine Ausweitung der Corona-Pandemie zu verhindern. Alle nicht geöffneten, meist kleineren Grenzübergange wurden vorübergehend ganz geschlossen.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, dürfen nun nur noch Deutsche, Ausländer mit Wohnort und Aufenthaltsberechtigung in Deutschland, Pendler und Lastwagenfahrer, die wichtige Güter ins Land bringen, einreisen. Nachdem es anfangs hakte, auch weil im Norden der Region plötzlich kein Grenzübergang zwischen Deutschland und Luxemburg mehr offen war, ist inzwischen von größeren Problemen kaum mehr etwas zu hören.

Und die Kommunen auf der deutschen Seite sind über die plötzlichen Einwohnerzuwächse auch alles andere als sauer. Denn jeder gemeldete Luxemburger mehr ist im wahrsten Sinne des Wortes bares Geld wert. Nach Angaben von Bürgermeister Moritz Petry bekommen gerade die finanzschwachen Kommunen an der Grenze rund 500 Euro jährlich pro Kopf an Schlüsselzuweisung A aus dem kommunalen Finanzausgleich hinzu. „Jeder Einwohner bringt einer Ortsgemeinde also diesen Mehrwert“, bilanziert Petry.

Ähnlich argumentiert auch Petrys Arzfelder Kollege Andreas Kruppert. Für die Kommunen sei das finanziell interessant, weil sich verschiedene Zahlungen an der Einwohnerzahl orientierten, etwa die Schlüsselzuweisungen oder der Familienlastenausgleich.

Einige auf deutscher Seite lebende Luxemburger dürfte ihre Anmeldemüdigkeit dafür jetzt teuer zu stehen kommen. Denn wer sich nicht anmeldet, riskiert ein Bußgeld. Während sich die Verbandsgemeinde Arzfeld in solchen Fällen bislang mit Verwarnungen begnügte, wurde andernorts bereits kassiert oder dies zumindest angekündigt. Der Südeifeler Bürgermeister Moritz Petry verweist darauf, dass laut Bundesmeldegesetz je nach Fall und Dauer Geldbußen bis zu 1000 Euro verhängt werden könnten.