In Rheinland-Pfalz lebt es sich sicher. Doch immer mehr Bürger wollen eine Schreckschusspistole tragen

Kostenpflichtiger Inhalt: Waffenbesitz : Mehr Waffenscheine, weniger Kriminalität in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz lebt es sich sicher. Warum wollen dann immer mehr Bürger eine Schreckschusspistole tragen?

Immer mehr Bürger der Region Trier haben einen sogenannten Kleinen Waffenschein, der ihnen das Tragen von Schreckschusspistolen erlaubt. Nach einer Antwort des Mainzer Innenministeriums auf eine CDU-Anfrage hat sich die Zahl der Waffenscheinbesitzer innerhalb von gut fünf Jahren nahezu verdreifacht – auf inzwischen 3030. Die meisten Kleinen Waffenscheine sind danach im Kreis Trier-Saarburg ausgegeben (894), gefolgt von Bernkastel-Wittlich (827), der Stadt Trier (534) und den Kreisen Vulkaneifel (416) und Bitburg-Prüm (359).

Der starke regionale Anstieg deckt sich mit den Zahlen in Rheinland-Pfalz. Laut Innenministerium haben derzeit 33 003 Rheinland-Pfälzer einen Kleinen Waffenschein, 20 000 mehr als vor fünf Jahren.

Schreckschuss-, Reizstoff oder Signalwaffen kann in Deutschland jeder Erwachsene kaufen. Wer die Waffe aber außerhalb der eigenen vier Wände tragen  will, benötigt dafür den Kleinen Waffenschein. Gegen eine Gebühr wird er von den Gemeinden und Kreisverwaltungen ausgestellt. Die Ämter prüfen Zuverlässigkeit und Eignung der Antragsteller, der zum Beispiel nicht von Drogen oder Alkohol abhängig sein darf. Bei Zweifeln kann von den Behörden ein fachärztliches oder fach-psychologisches Gutachten angefordert werden.

Die Polizei steht der zunehmenden Zahl an Waffenscheinen kritisch gegenüber. „Wir raten von einer Bewaffnung – auch mit erlaubnissfreien Waffen – ab“, sagt der Trierer Polizeisprecher Uwe Konz. Der Einsatz von Waffen berge immer Gefahren von Eskalation und Eigengefährdung. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte vor einiger Zeit in einem Interview, die Menschen hätten zunehmend Angst vor Terror und Kriminalität. Und sie ließen sich nicht länger mit Statistiken, Beschwichtigungen oder Ankündigungen beruhigen. Eine Argumentation, der man im Mainzer Innenministerium nichts abgewinnen kann. Eine Relation zu Polizeipräsenz oder zu den Zahlen der Kriminalstatistik könne aus der Statistik über die Waffenscheine kaum hergestellt werden, sagt Sprecher Joachim Winkler.

Die steigende Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen sei eine bundesweit registrierte Entwicklung. Es könne nur gemutmaßt werden, dass diese Entwicklung insbesondere mit den Übergriffen in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln sowie weiteren Vorfällen und den nachfolgenden Berichterstattungen und politischen Diskussionen zusammenhänge, sagt der Sprecher von Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Die gestiegenen Zahlen kleiner Waffenscheine lasse keine verlässlichen Rückschlüsse auf die objektive Sicherheitslage zu. Rheinland-Pfalz sei im Ländervergleich eines der sichersten Länder: Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, liegt nach Angaben Winklers in Rheinland-Pfalz deutlich unter dem Bundesschnitt und auf dem niedrigsten Wert seit 1992. Gleichzeitig liege die Aufklärungsquote mit 64 Prozent auf dem besten Wert  seit Einführung der bundeseinheitlichen Kriminalitätsstatistik im Jahr 1971.

Anders als beim sogenannten Kleinen Waffenschein ist der regionale Trend bei den Waffenbesitzkarten. In die Waffenbesitzkarte werden alle erlaubnispflichtigen Schusswaffen eingetragen, die der Inhaber besitzen darf. Bei den Inhabern handelt es sich in der Regel um Jäger, Sportschützen und Waffensammler

Mitte der Jahres waren in der Region Trier nach der Auflistung des Mainzer Innenministeriums insgesamt 16 975 Waffenbesitzkarten ausgestellt, rund 1600 oder etwa neun Prozent weniger als gut fünf Jahre zuvor. Anders als beim Kleinen Waffenschein sind die meisten Waffenbesitzkarten (5029) im Eifelkreis ausgestellt. Dahinter folgen die Kreise Trier-Saarburg (4059), Bernkastel-Wittlich (3382) und Vulkaneifel (2713) vor der Stadt Trier (1792).

In Rheinland-Pfalz hat sich die Zahl der ausgestellten Waffenbesitzkarten im gleichen Zeitraum kaum verändert. Landesweit sind danach aktuell 142 820 Bescheinigungen vergeben; die meisten mit 10 309 im Westerwaldkreis. Schlusslicht ist die Stadt Speyer, in der laut der aktuellen Statistik des Mainzer Innenministeriums „nur“ 870 Waffenbesitzkarten ausgestellt waren.

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