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Interview mit Karnevalspräsident Hans Mayer

Interview mit Karnevalspräsident Hans Mayer : „Da fehlt einem schon was“

Der Präsident der Rheinischen Karnevals-Korporationen sagt: Fastnacht lebt trotz Corona weiter. Warum er von einem Nachholen der Feierlichkeiten im Sommer dennoch wenig hält.

Corona bremst in diesem Jahr die Narren aus. Trotzdem ist den Karnevalisten nicht die Lust am Feiern vergangen. Was die Krise für die Fastnacht bedeutet und wie die Zukunft des Brauchtums ist, darüber sprach unser Redakteur Bernd Wientjes mit dem Präsidenten der Rheinischen Karnevals-Korporationen, Hans Mayer aus Biersdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm).

Herr Mayer, wie feiern Sie in diesem Jahr Karneval?

HANS MAYER Die Corona-Beschränkungen gelten natürlich auch für den Präsidenten der Rheinischen Karnevals-Korporationen. Ich werde mich digital an Veranstaltungen beteiligen, etwa an unserem virtuellen Rosenmontagszug. Auch der Empfang der Ministerpräsidentin am Karnevalsdienstag, der alljährlich in der Staatskanzlei in Mainz stattfindet, wird virtuell stattfinden. Ich wäre ja in diesen Tag ständig unterwegs, von einem Termin zum anderen. Das mache ich seit acht Jahren. Da fehlt einem schon etwas.

Aber Sie werden doch zumindest zu Hause ein wenig Fastnachtsstimmung haben, mit Luftschlangen oder so?

MAYER Ja natürlich. Mein Büro ist fastnachtlich geschmückt und die Wohnung zu Hause hat meine Frau auch hergerichtet. Aber ich bin ja nicht nur Karnevalist an den närrischen Tagen, sondern das ganze Jahr über.

Sie sagen also: Nicht den Kopf in den Sand stecken. Karneval findet statt, aber eben anders.

MAYER Es ist nicht der Karneval, den wir alle kennen. Das ist bitter, das tut weh, dass wir nicht unser schönes Brauchtum und die geliebten Traditionen so leben können, wie wir es gewohnt sind. Aber wir haben ja keine andere Wahl.

Sie haben ja bereits im Frühjahr vergangenen Jahres gesagt, dass die Session 20/21 nicht so stattfinden kann wie gewohnt. Da wollte von Absagen noch keiner was wissen. Damals wurden Sie arg beschimpft. Fühlen Sie sich nun im Nachhinein bestätigt, dass Sie so früh gewarnt hatten?

MAYER Es geht nicht darum, ob ich recht hatte. Damals verlangten viele unserer Mitgliedsvereine, dass wir als Verband Stellung beziehen sollten, wie sich Corona für die Karnevalisten auswirken könnte. Es ging auch darum, die Vereine vor möglichen Schadenersatzforderungen  zu schützen. Daher habe ich damals im Mai geraten, größere Veranstaltungen frühzeitig abzusagen. Glauben Sie mir, ich hätte lieber unrecht gehabt und mich dann am 11.11. als Schwarzmaler bezeichnen lassen, wenn wir denn da den Sessionsstart hätten feiern können.

Beschimpft wurden Sie aber trotzdem.

MAYER Ich wusste, dass ich für die Entscheidung, auch unsere eigenen Veranstaltungen damals schon abzusagen, Prügel bekomme. Aber dass es persönlich wurde und die Polizei um mein Haus Streife fahren musste, das konnte ich nicht abschätzen. Das war schlimm.

Fastnacht ist ja längst ein Wirtschaftsfaktor. Das bedeutet doch, dass der Ausfall des klassischen Karnevals einen enormen Schaden verursacht.

MAYER Das ist richtig. Es gibt einen immensen Schaden. An Karneval hängen verschiedene Wirtschaftszweige dran: die Süßwarenindustrie, die Brauereien, die Stoffhändler, Taxifahrer, Hotels, Gastronomie, Unterhaltungsbranche. Auch für die Vereine bedeutet die Absage ein enormer finanzieller Verlust. Die konnten im Sommer schon nicht ihre Feste veranstalten, mit denen sie Geld für die Session einnehmen.

Sie sprachen es eben an: In diesem Jahr findet Karneval anders statt. Es gibt Online-Kappensitzungen, es gibt närrische Weinproben und eben auch virtuelle Umzüge. Erfindet sich Fastnacht gerade neu? Muss sich Fastnacht überhaupt neu erfinden?

MAYER Nein. Karneval muss sich nicht neu erfinden, er verändert sich laufend. Das zeugt doch von der Kreativität der Menschen, die dahinterstehen. Und das zeigt sich eben jetzt auch in dieser besonderen Situation. Da zeigen sich die Verantwortlichen doch ungeheuer kreativ und einfallsreich. Die sagen: Der Karneval lebt weiter, aber auf eine andere Art und Weise.

Also Karneval kommt gut aus der Krise?

MAYER Wenn wir die Pandemie bekämpft haben, werden wir am 11.11. wieder wie gewohnt unser Brauchtum leben, so wie es immer war. Ob es  digitalen Karneval zusätzlich geben wird, lässt sich noch nicht sagen. Fastnacht lebt von der Nähe, den unmittelbaren Emotionen, da kommen Menschen zusammen. Das wird der virtuelle Karneval nicht annähernd ersetzen können.

Einige Vereine wollen nicht bis zum Sessionsstart im November warten. Sie wollen Karneval im Sommer nachholen. Eine gute Idee?

MAYER Ich bin schon immer Karnevalist gewesen. Für mich beginnt Fastnacht im Normalfall am 11.11. und endet am Aschermittwoch. Danach ziehe ich keine Kapp mehr an, dann ruht der Karneval. Ich würde an keinem Karnevalsumzug im Sommer teilnehmen. Wenn wir vom Brauchtum reden, dann müssen wir uns auch in den Zeiten bewegen, die der Kalender dafür vorsieht.

Aber dann könnte doch zumindest der 11.11. in diesem Jahr eine Art Ersatzrosenmontag werden mit großen Feiern, oder?

MAYER Der Sessionsauftakt wird gefeiert wie immer. Auch wenn Corona dann nicht völlig ausgeblendet werden kann.

Glauben Sie nicht, dass bei vielen Karnevalisten ein Nachholbedarf besteht, in der kommenden Session besonders ausgiebig zu feiern?

MAYER Die Menschen, die immer Karneval feiern, werden das auch in der kommenden Session tun. Ich glaube nicht, dass man noch ausgelassener und ausgiebiger feiern kann. Wir werden ab 11.11. feiern wie immer.