Interview zur Fridays-for-Furture-Bewegung

Interview : Trierer Soziologe: „Die Jugendlichen haben Zukunftsangst“

Waldemar Vogelgesang ist ehemaliger Forscher und Soziologe der Universität Trier. Der emeritierte Professor gibt volksfreund.de eine Einschätzung zur Friday for Future Bewegung.

Sind die Jugendlichen doch politischer, als angenommen?

WALDEMAR VOGELGESANG Seit Jahren ist in den Ergebnissen von Jugendbefragungen ein kontinuierlicher Anstieg des politischen Interesses der jungen Generation festzustellen. Die ihr oft unterstellte Politikverdrossenheit verkennt die Vielfalt und Kreativität ihrer Beteiligungsformen und die ethisch-moralische Ausrichtung des Politikverständnisses junger Menschen. In den jugendlichen Umwelt- und Klimaprotesten zeigt sich eine existenzielle Zukunftsangst.

 Könnte daraus eine neue Jugendbewegung entstehen?

VOGELGESANG Die Fridays-for-Future-Proteste und ihre rasche Mobilisierung von jungen Mitstreitern verdeutlicht zunächst einmal: Ohne das Internet sind massenhafte Proteste heute nicht mehr vorstellbar. Ein Zusammenschluss der jugendlichen Umweltinitiativen zeichnet sich aber nicht ab.

 Wie ernst zu nehmen sind die Anliegen der Jugendlichen?

VOGELGESANG Auch wenn die jugendlichen Klimaaktivisten für diesen Freitag „den größten Klima­streik, den die Welt je gesehen hat“ etwas vollmundig ankündigen, ist letztlich nicht die Teilnehmerzahl die entscheidende politische Größe, sondern die Schärfung des Bewusstseins. Sie mahnen mit ihren Protestaktionen an, dass die Erderwärmung die größte Gefährdung ist, mit der die Menschen weltweit heute konfrontiert ist.

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